Mein Corona-Senf IX (Urlaubsedition)

Urlaub zu Coronazeiten ist eine Herausforderung, wem sage ich das, dieses Jahr findet er für viele gar nicht statt, viele bleiben zuhause, viele im Land, manche pfeifen drauf und reisen wie geplant. Wir hatten für dieses Jahr England und Holland geplant, bis zuletzt Angst, dass daraus nichts wird. Schließlich war Kontinentaleuropa bis vor vier Wochen noch gelistet mit Ländern, aus denen kommend man sich in häusliche Quarantäne hätten begeben müssen. Das wäre mal ein netter Urlaub geworden: Einreisen und zwei Wochen im Ferienhaus verbringen. Aber – wie bekannt – mit abklingenden Fallzahlen lockerte auch das Vereinigte Königreich seine Einreisebeschränkungen. So war lediglich ein Onlineformular binnen 48 Stunden vor Einreise nötig, woher man kommt, und wo man sich im Urlaub im Land aufhält.

Küste von Dover

Vor Ort ein ähnliches Bild wie in Deutschland. Überall der Hinweis auf Abstandswahrung, auf Maskentragen, auf Desinfektion. Engländer sind ja sowieso sehr distinguiert und höflich, in der Regel hält man noch die Tür auf, will heißen, auch auf den Strassen gilt die Höflichkeit mehr als das PS-Argument. Ähnlich auf dem Fußweg oder im Supermarkt: Die Menschen gehen sich aus dem Weg, sie versuchen echten Abstand zu halten. In den Geschäften wurde konsequent desinfiziert, in kleineren auf eine maximale Personenzahl geachtet. Ich hatte das Gefühl, das mehr geachtet wurde als zuletzt in Deutschland.

Viel weniger Urlauber waren jedoch unterwegs, viele Engländer blieben dieses Jahr im eigenen Land, man wollte nicht das Desaster riskieren, aus einem erklärten Risikoland vorzeitig zurückkehren zu müssen. So geschehen letzte Woche, als die Kanaren und Balearen, sowie Frankreich für Engländer zum Risikogebiet erklärt wurden, binnen zwei Tage konnte man noch nach Hause reisen oder die geplante Reise absagen, sonst drohte eigenverantwortliche 14-tägige Quarantäne nach der Rückkehr (wohlgemerkt ohne Corona-Testung!). „Guck mal, Deutsche!“ – Gerhard Polt dieses Jahr Fehlanzeige.

Church of Dunster

Wir verbrachten unseren Urlaub in Ferienhäusern, so beschränkte sich der Kontakt mit anderen auf den Einkauf (siehe oben) und Sightseeing. Als erklärte „National Trust“-Fans konnten wir dieses Jahr die vielen Herrenhäuser und Schlösser nicht besuchen, vielerorts waren nur die umgebenden Gärten geöffnet, alles nur mit Voranmeldung einen Tag zuvor. Viel Spontaneität gab es dabei nicht. Na gut, dann eben ausgedehnte Wanderungen am Strand und durch Exmoor. Ist ja auch viel sicherer.

Exmoor

Pub-Besuche, ein Muß für jeden UK-Reisenden, war unter Corona-Bedingungen allerdings eine seltsame Angelegenheit. Wir hatten den Eindruck, als könne jeder Pub selbst entscheiden, wie streng er die Auflage umsetzte. So erlebten wir Kneipenbesuche, in denen Tische auf Abstand standen, alles desinfiziert wurde, und nur Kartenzahlung möglich war. MNS bitte beim Hereinkommen, sogar das klassische Bestellen am Tresen unterblieb, es gab eine Bedienung am Tisch. Im Pub! Und dann andere, in denen *niemand* einen MNS trug, die Menschen sich vor den Zapfhähnen tummelten, als habe Corona nie stattgefunden. Der einzige mit Maske war der einsame Deutsche, der aber hier doch nicht sein Ale trank.

Der Gesamt-Fühl-Eindruck in England war: Die Auflagen, vielleicht die gesamte Krise, wurden ähnlich wischi-waschi wahrgenommen, so, wie die gesamte Johnson-Regierung auf Corona reagierte. Zu spät, zu ineffektiv, zu wenig konsequent. Die Zeitungen waren voll mit Bildern von überbevölkerten Südküstenstränden, ohne Abstand, mit Party, ganz wie die Engländer dies in ihrem bloody holiday eben gewohnt sind. Wenn nicht an Spaniens Küsten, dann möchten sie das in Brighton haben. Die Editorial Boards diskutierten derweil, ob die Vorschriften nicht verschärft werden sollen, aber echte Schritte blieben aus.

Alkmaar

Die dritte Woche waren wir in Nordholland. Ein gänzlich anderes Bild. Ich hatte etwas Angst.

In den Niederlanden gibt es keine Auflagen, so schien es mir. Ich habe die genauen Bestimmungen nicht recherchiert und lasse mich gerne eines besseren belehren, aber hier trug *niemand* eine MNS, der Abstand wurde nur auf Asphaltaufklebern gefordert, daran gehalten hat sich niemand. Im Ferienort standen gut aussehende junge Menschen am Beginn der Fußgängerzone (ohne Maske), aber nur, um die Fahrradfahrer zum Absteigen zu motivieren und Rechts zu laufen, um Gegenverkehr zu vermeiden. Restaurants ohne Abstand, geschweige denn mit Masken, Desinfektionsmittel steht herum, ist aber eher fakultativ.

Wer sich hier mit Mund-Nasen-Schutz blicken lässt, muss Deutsche/r sein – was solls. Nie habe ich mich lieber als solcher geoutet als dieses Jahr.

Meer Nordholland

Es ist schon seltsam, wie The C das Erleben auch im Urlaub beeinflusst: Alleine in den selben zu fahren, hinterlässt bereits ein schlechtes Gewissen. Und dennoch haben viele den Urlaub so sehr gebraucht, wie dieses Jahr, verständlich. Mir ging es nicht anders. Die Praxis hat viel abverlangt, auch Privates kam dazu. Ende Juli war ich am Ende. Es gab noch ein paar Hürden zu überwinden, es war, als wolle mir das Leben dieses Jahr ein Strich durch die Urlaubsrechnung machen, nicht alleine The C war Schuld daran. Nun also trotzdem gefahren und heil wieder gekehrt. Morgen gibt es den Rückkehrer-Abstrich, wird schon gutgehen.

Todesfälle Corona pro 100000 Einwohner (Quelle Johns-Hopkins-University): England 62,43, Niederlande 36,13, Deutschland 11,18.

Wie ging es Euch im Urlaub? Welche Gefühle haben Euch begleitet? Seit Ihr aus dem Land gereist, oder gerade nicht?

Bleibt gesund!

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13 Gedanken zu “Mein Corona-Senf IX (Urlaubsedition)

  1. wir waren an der Ostsee.. Im Januar gebucht, als The C nur das Ding in China war. Im März habe ich den Abgesang auf unseren Urlaub gegeben. Konnte mir das nicht vorstellen. Mein Mann (Rheumatiker im Schub, Hypercholesterinämie, Koronale Herzerkrankung) sah das lockerer. Zahlen gingen runter, ich wurde ruhiger, freute mich auf den Urlaub. Kurz vorm Urlaub: Zahlen wieder rauf. Argghh.. schlechtes Gewissen wieder da (auch dank Twitter: Wie kann man nur??).. Es war dann ein wunderbarer Strandurlaub. Man musste zwar Tische reservieren und die Promenade war voll, aber alles in allem ging es.

    Und es hat gut getan. Mal raus aus der Bude, wo man seit März aufeinander hockt. Auch die Kinder waren ausgeglichener.

    Jetzt wird erstmal nix mehr geplant.

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  2. Den Eindruck aus den Niederlanden kann ich nicht bestätigen. Unser Urlaub führte uns nach Rotterdam (Hotel) und Breskens (Ferienhaus). Überall musste man abends im Restaurant Tische reservieren, durfte weder Supermärkte noch Restaurants ohne Handdesinfektion betreten, relativ hohe Anzahl an Maskenträgern. Auch im ÖPV strenge Maskenpflicht. Überall Einbahnstraßen. Viel Platz am Strand, alles diszipliniert. Ansonsten ein schöner entspannter Urlaub, die Luftveränderung tat gut nach den stressigen Wochen zuvor.

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  3. Wir hatten letztes Jahr im September schon Ostsee gebucht. Ferienhausdorf, meine Freundin aus dem Erzgebirge kam ne Woche später auch dazu. Im März dann alles dicht, Mai-Zooausflug hatte ich schon abgesagt und sah auch für August alle Felle davonschwimmen. Jetzt: relativ entspannt, Strand war gut mit Abstand (und wurde oft kontrolliert! ), Restaurants hatten alles mit Abstand raus verlagert. Trotzdem. Ein unruhiges Gefühl blieb und bleibt. Ich hoffe einfach.

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  4. Und um auch mitzusenfen: Mein „Urlaub“ bestand dieses Jahr aus zwei Tagen Duisburg bei einer Bekannten, drei Tagen HH (spontan) und einem Tagesausflug nach Luzern. Wäre aber auch ohne dieses Virus nicht anders gewesen. In Duisburg machten wir u.a. eine Schiffsrundfahrt. Maskenpflicht war erst auf dem Schiff aber in der Schlange vorher (im Freien) trug jeder eine Maske und alle Leute standen in Grüppchen und dazwischen wirklich Abstand. Ich war überrascht. In HH trug in den öffentlichen Verkehrsmitteln zwar jeder eine Maske, ABER diese bedeckte bei vielen Leuten eben nur den Mund ! Trotz dauernder Durchsagen, dass man auch die Nase bedecken soll.
    Am Grenzübergang Basel wurde so genau kontrolliert wie zu Vor-Schengen-Zeiten nicht. Nicht nur die sehr genaue Überprüfung der Ausweise (wahrscheinlich zum zu schauen ob jemand aus einem „Hotspot“ kommt ) sondern auch Stichproben, was man so in die Schweiz einführen möchte. (Ich bin mit dem Fl*xbus gefahren) Ja, in der Schweiz ist alles noch etwas „freier“ – aber dort wird eben an die Vernunft der Menschen appelliert. Zum Beispiel ein Hinweisschild an einem See „Wenn es zu voll ist, gehen Sie bitte weiter“. Auch die Bitte um Abstand halten, um Maske wenn dies nicht möglich ist (und Maskenpflicht im ÖPNV) In einem Cafe freiwillige Registrierung von Name und Adresse oder Tel-Nr (alles auf EINER Liste, es lebe der Datenschutz) War aber voll, das Blatt.

    Manche Leute sagen, es sei unverantwortlich, dieses Jahr in Urlaub zu fahren. Finde ich nicht, je nachdem was man arbeitet und wo man wohnt „muss“ man auch mal raus. Es kommt drauf an, wo man hinreist und wie man sich verhält (Massenpartys gibt es auch in Deutschland)

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  5. Wir waren in Österreich, auch schon im Januar gebucht, sonst wären wir wahrscheinlich gar nicht erst gefahren. Der Urlaub war wirklich erholsam und schön aber was Corona betrifft, haben wir uns dort auch nicht so sicher gefühlt wie in Deutschland. Maske wurde nur wenige Tage vor unserem Urlaub wieder für Supermärkte eingeführt. In allen anderen Läden gab es keine Maskenpflicht. Wir haben uns tatsächlich in ein kleines Shopping-Center getraut und waren die einzigen, die mit Maske rumliefen. Lediglich Hinweise, dass man 1 Meter Abstand halten soll, fand man hier und da.
    Wir haben bewusst auf Restaurantbesuche verzichtet und uns lieber gemütlich in der Ferienwohnung etwas gekocht. In Sichtweite der Ferienwohnung gab es ein Freibad. Eigentlich hatte ich Junior versprochen mit ihm dorthin zu gehen. Aber nachdem wir die Menschenmassen – hauptsächlich Holländer – im und am Wasser gesehen haben entschieden wir uns lieber für einen kleinen Bergsee. Den haben wir dann schon am frühen Vormittag besucht und sind direkt wieder verschwunden als auch dort die Menschenmassen gegen Mittag anrollten.
    In der Bergbahn gilt auch Maskenpflicht und pro Gondel durfte nur eine Familie rein. Das war echt gut geregelt. Ansonsten hatte man aber das Gefühl, dass die Österreicher Corona lockerer sehen als die Deutschen.

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    1. Wir sind auch gerade in Österreich und erleben das auch so. Daher meiden wir Restaurants, Museen etc. und kaufen nur das Nötigste ein. Gekocht wird in der Ferienwohnung.

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  6. Wir wollten in diesem Jahr, letztmalig ausserhalb der Ferien(unser Sohn ist seit 2 Wochen ein Schulkind), mehrfach Urlaub machen:
    Im März nach Barcelona für ein paar Tage – ausgefallen, Flüge umgebucht auf die Herbstferien
    An Pfingsten für knapp drei Wochen nach Mallorca(gebucht im Dez. `19, erst Finca, dann Hotel) – ausgefallen
    Barcelona in den Herbstferien – abgesagt.

    Stattdessen waren wir Anfang Juni eine Woche an der Ostsee. Und habe unsere zugegeben tolle Ferienwohnung viel von innen gesehen, weil das Wetter mies war.

    In der Herbstferien wollen wir auf jeden Fall nochmal weg, evtl nach Holland. Buchen werden wir kurzfristig, weil man weiß ja nie……

    In 4 Monaten ist Weihnachten vorbei und dies besch***** Jahr 2020 dann auch bald.

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  7. Wir waren – wie geplant – gut 4 Wochen in Schottland. Bis auf die Fahrt mit der Fähre nach Newcastle (viel weniger Passagiere als sonst, aber eben trotzdem Personal aus aller Welt) hatte ich eigentlich nie ein schlechtes Gefühl. Wir waren nur in Ferienhäusern und auch sonst konnten wir Menschenansammlungen (eh eher selten in Schottland 😉 vermeiden. Wir waren bis oben auf Unst (nördlichste bewohnte Insel mit 600 Einwohnern) und mussten dort mit unserem 4-Jährigen zum Arzt (Health Center), weil sein Husten (eindeutig Richtung Bronchitis, er ist anfällig dafür) nicht besser wurde. Der Arzt war freundlich und behandelte unseren Sohn in Schutzkleidung im Freien. Er hat auch einen Covid-19 Test bei unserem Sohn gemacht, auf den Inseln wird das Virus sehr gefürchtet und jegliche Verdachtsfälle werden sofort getestet. 24 Stunden später wurden wir angerufen, der Test war negativ.
    Alles in allem hatten wir viel Glück, dass die Reise überhaupt möglich war. Schottland selbst war wieder wunderschön und auch das NHS hat uns auf Unst und später in Lerwick (kleiner Unfall des 11-Jährigen) nicht enttäuscht.

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  8. Wir waren wandern auf dem Heidschnuckenweg, war seit zwei Jahren so geplant, im Januar hatten wir die Hotels gebucht. Ganz zufällig komplett Corona-freundlicher Urlaub …
    Wegen Frühstück und abendlichem Restaurantbesuch hatte ich Bedenken, es war aber zumeist sehr entspannt; mit Abstand, Masken, Platzzuweisung und Fenstern i.d.R. dauerhaft auf Kipp fühlte ich mich doch einigermaßen sicher.
    Weitere Urlaubspläne (Kurse und Konzertreise) sind leider flachgefallen; evtl. machen wir nochmal einen kleineren Wanderurlaub, nachdem dieser jetzt ganz wunderbar war.

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  9. Hm, auf der anderen Seite der Ems lief es da sehr viel besser ab. Meine Schwester und ich waren im Juli in Ostfriesland und sehr angenehm überrascht von der Disziplin der Ortsansässigen. Immer selbstverständlich mit Abstand und Maske, kein Gedrängel, kein Stress. Sehr entspannt.
    Zuhause in Südniedersachsen kamen dann im Supermarkt wieder die Panikattacken ob des großen Geschiebes und der Maskenverweigerer.

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  10. War bis eine Woche bevor die Welt „abgeschlossen wurde“ in Vietnam. Richtig toller Urlaub, da chinesische Bürger nicht mehr einreisen durften und so nur etwa 40% der Touristen da waren (40% = aussage der Einheimischen). Nichts war überlaufen und die einheimischen sehr entspannt. Genial. Wie und wo es jetzt im Herbst noch mal hin geht entscheide wir kurzfristig nach „Weltlage“.

    Angst, egal vor was, ist grundsätzlich eigentlich nie richtig. Rücksicht, Respekt und die Benutzung des eigenen Kopf dagegen ist sehr angebracht.

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