begriffsbestimmung

wenn eltern von sich selbst nur in der dritten person reden, und sich nur noch mit „mama“ und „papa“ bezeichnen, auch wenn die kinder mal nicht dabei sind („mama, der papa holt mal kurz noch wasser aus´m konsum!“) – wie nennt man das dann?
extreme identification?

23 Antworten auf „begriffsbestimmung“

  1. Also ich weiß nicht, was daran so schlimm ist. Ich bin die Mama und der Papa der Papa. Und auch meine Eltern sind Mama und Papa für mich und für unseren Sohn Oma und Opa.

    Viel schlimmer finde ich, wenn Kleinkinder ihre Eltern mit Vornamen anspricht. Und natürlich, wenn mein Mann mich immer mit meinem Vornamen anspricht, dann tut es das Kind auch. Das möchte ich nicht. Gabs bei uns zu Hause auch nicht.

    Das mein Mann und ich uns außerhalb unserer Vier-Wände mit Vornamen ansprechen versteht sich von selbst. Vor dem Kind sind wir Mama und Papa.

  2. jaja wir vietnamesen…
    bei uns im kkh heißt es aber auch „der pfleger /die schwester macht das“, wie passen und schon an 😛

  3. Du kannst hier aber nicht vollkommen unterschiedliche Kulturkreise von dem jeweils anderen Ende der Welt miteinander vergleichen.

  4. Aha…

    In Vietnam ist es gängig so zu reden. Der Onkel, Tante, Mama, Papa.. etc… Da wird mehr mit Namen angesprochen als mit Personalpronomen.

    Nancy geht jetzt einkaufen… statt
    Ich gehe jetzt einkaufen…

  5. Muss man über sowas wirklich diskutieren? Vor dem Kind ist man Mama und Papa, lernen! Und gegenseitig ist man Name und Name oder halt Schatz! Aber am Ende, soll es doch jeder so machen wie er mag. Manches ist nur Gewohnheit. Partnerschaft ist mehr als nur die Anrede, wenn der Rest stimmt, sind die Wort egal!

    1. Nee, Frank, da kann ich Dir nicht zustimmen. Daß es jeder machen kann, wie er will, ist zwar richtig. Daß aber auch jeder darüber denken kann, wie er will, trifft ebenfalls zu. Und sowas wirkt nun mal infantil und Loriotmäßig. Spätestens wenn das Kind mit ca. 1,5 bis 2 Jahren lernt, selber die Ich-Form zu benutzen, macht es auf außenstehende den Eindruck, als sei das Kind in seiner sprachlich-geistigen Entwicklung den Eltern voraus. Und ich würde mich auch sehr bedanken, wenn mein Partner mich ständig nur als Mama bezeichnen würde. Seine Mama bin ich nämlich nicht, ebensowenig wie er mein Papa ist. Er hat mich als Ute kennengelernt, und dabei bleibt’s dann bitte auch. Alberne Kosenamen in Gegenwart von Dritten finde ich übrigens ebenso peinlich.

  6. Meine Großmutter hat das bei mir noch gemacht, als ich 9 Jahre alt war. Das hat dazu geführt, daß ich mich irgendwann völlig entnervt dumm gestellt(?) habe und so tat, als wüßte ich nicht, von wem sie da redet. (Als ich dann auf dem Gymnasium war, hörte sie endlich auf damit. ^^)

    Es hat vermutlich des weiteren dazu geführt, daß ich mit meinen Kindern nie so gesprochen habe. Ich hatte gar nicht das Bedürfnis. Ich bin allerdings auch nicht der Typ, der selbst in Wirtschaftsforen noch ein Bild vom Nachwuchs als Avatar benutzt. Auch schon gesehen und für ebenso dämlich befunden.

  7. Lokaler Brauch. In der Ecke, in der ich aufgewachsen bin, haben sich eigentlich alles Ehepaare mit „Mudder“ und „Vadder“ angeredet. Das hat auch was mit patriarchalischen Strukturen zu tun – die Rolle „Mutter“ und „Vater“ ist im Kontext der (Groß-)Familie relevant.

    1. Wieso „patriarchalischen Strukturen“? Wenn überhaupt irgendetwas, dann matriarchalische Strukturen—denn in reinen Familienfragen neigen Frauen dazu, das Sagen und das größere Interesse zu haben.

  8. Ich muss gestehen,dass ich so auch mit meiner Tochter geredet habe, ganz automatisch. Damit sie überhaupt wusste, wer gemeint ist.. 😉 Mittlerweile, sie ist 2 1/2 , sage ich „ich“ .. aber nun hat sie auch raus,was das bedeutet.

  9. Das nennt man schauderhaft.
    Bekannte meiner Eltern sprechen sich aktuell immer noch so an. Dazu möchte ich erwähnen, dass ihr jüngerer Sohn inzwischen über 40 ist und der andere Sohn eben noch älter.

  10. Ich habe bei mir selbst (jedoch nicht in diesem Zusammenhang) die Erfahrung gemacht, dass meine aktive Sprache teilweise gewohnheitsbedingt ist, z.B. indem ich nach dem Verfassen von einem formelleren Text auch formeller rede, aber auch dass ich von dem, was ich gelesen habe, beinflusst werde.

    Ich argwöhne, dass dies eine (nicht unbedingt „die“) Erklärung ist—„die Mamma“ hat sich einfach an die Kindersprache gewöhnt, und läuft auf Automatik. Ähnlich könnte es mit vielen anderen sprachlichen Unarten sein, etwa die Behördensprache.

  11. ich denke wie Blogolade, dass das ein Anachronismus ist, der sicherlich irgendwann ausstirbt
    .. nur, ist das soooo ein Vergehen? Da gibt’s wohl weitaus Schlimmeres, oder?
    Liebe Grüße
    Hajo

  12. Ich finde es schon doof, gegenüber dem Kind von sich selbst als „Mama“ zu sprechen. Wenn ich sagen will, dass ich etwas mache, benutze ich logischerweise auch die erste Person Singular.

    1. Der passive Imperativ begegnet mir auch oft. Und er ist genau so hassenswert wie die Mama-Papa-Anrede ohne Kind-Kontext, das Ende jeglicher Erotik und Zweisamkeit.

      Der „pI“ wird auch gerne gegenüber Fremden benutzt, wie neulich im Zoo: „Kevin-Marvin-Dustin, geh mal nach ganz vorne, damit Du was siehst, die Erwachsenen lassen Dich bitte (sic!) mal vor.“ Was soll der Scheiß? Ist es grenzenlose Blödheit oder Feigheit bzw. Unfähigkeit, andere Menschen direkt selbst anzusprechen? Die Vorbildwirkung auf’s Kind ist jedenfalls ne Katastrophe.

      Wenn Kinder ihre Eltern mit Vornamen anreden, finde ich das auch ziemlich fies. So pseudodistanziert.

      Allerdings finde ich es sehr lustig, wenn meiner Tochter ab und zu(!) mal einer der vielen Kosenamen rausrutscht, die meine Frau und ich füreinander benutzen.

      Ach ja, auch schlimm: Ein fünfunddreißgjähriger Mann, der gegenüber anderen von seinem „Papi“ spricht. *schauder*

      Manche Menschen scheinen kein Gespür dafür zu haben, wann Intimität und wann Distanz angebracht sind.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: