Lesepotpourri seit ewig mal wieder

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Ok, das habe ich wirklich schleifen lassen, der letzte Lese-Rückblick liegt nun wirklich beinahe ein Jahr zurück, das ist sträflich. Wie auch immer – die Quarantäne hat mich fest im Griff, also versuche ich mal, mithilfe meines Kindles, Goodreads und dem Bücherregal zu erinnern, was die Lektüren seit April bis Dezember des letzten Jahres waren. Vorsicht, es könnte eine lange Liste werden. Viel Spaß.

Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith (übersetzt von Melanie Walz)

Einer der vielen Klassiker der Krimi-Literatur, die Patricia Highsmith geschrieben hat, vielleicht *der* Klassiker. Ein Roman über Lügen, Betrug, sexueller Orientierung und ein Meisterwerk in Spannung und Verführung des Lesers, dessen Herz für den verschlagenen Helden Tom Ripley schlägt. Ich habe das Buch in einer wunderbaren Ausgabe der Büchergilde gelesen, mit 3D-Illustrationen und einer beiliegenden Brille 😉 – wird so leider nicht mehr aufgelegt, aber in verschiedensten anderen Versionen. Immer wieder lesbar. (5/5)

Der Nebel von Stephen King (Übersetzt von Alexandra von Reinhardt)

Eigentlich nur eine Novella, kürzer als ein Roman und länger als eine Kurzgeschichte, King-Fans wissen, wieviel Wert der Meister auf diesen Unterschied legt. Schon eine alte Geschichte, noch ohne Handys und Internet – die Verfilmungen sind alle forgettable, das Original rules them all. Kurz: Wie der Nebel ein Einkaufszentrum einhüllt, und wie die dort eingeschlossenen die Flucht ergreifen (können?). (5/5)

Finnische Tage von Herman Koch (Übersetzt von Christiane Kuby und Herbert Post)

Dass der Mann schreiben kann, wissen wir alle, Herman Koch lebt irgendwie unter dem Radar der europäischen Literaturkritiker, ein absoluter Geheimtipp. Finnische Tage ist autobiographisch, oder auch nicht, mit wunderschönen Metaphern und Querverzweigungen, toll geplottet, ein Beispiel für jede Schreibklasse. Lesenswert. (5/5)

If it bleeds von Stephen King

Ja, es war ein Stephen-King-Jahr, trotz aller Literaturen, derer ich so fröne, kehre ich immer wieder zu ihm zurück, schon seit der Schulzeit mit „Es“ oder „Shining“. Ich schäme mich nicht dafür, seine Kurzgeschichten, oder hier die etwas längeren Fassungen, die Novellas, sind als Appetithappen für die grossen Romane immer sehr angenehm. Holly Gibney aus dem Outsider-Roman bekommt eine eigene Geschichte, eine Bombe an einer Highschool; ein iPhone, das nach dem Tod seines Besitzers ein Eigenleben führt; eine Story, die rückwärts erzählt wird; eine Geschichte über einen Schriftsteller, der nicht zu schreiben kommt; – das sind die vier Novellen, die einfach sind, aber fesseln. (4/5)

Immer der Nase nach von Christine Löber

Jeder medizinische Fachbereich hat nun langsam sein Buch, keine hätte das so gut schreiben können wie Christine Löber für die HNO. Sie ist ein Multitalent: Ärztin, klar, Malerin, Musikerin, sie twittert und instagrammt, was das Zeug hält, und nun schrieb sie noch dieses tolle Buch. Endlich erfährt man alles über die Nase, die Geschmäcker, die Gerüche, Popel, Tinnitus, Schwindel und Allergien. NinaBela hat das Talent, komplizierte Anatomie und uns allen bekannte Wehwehchen mit viel Humor und einer guten Schreibe aufzuarbeiten. Lesbar für alle: Die interessierten PatientInnen, wie auch uns KollegInnen, da lernen wir alle etwas. (5/5)

Erste Person Singular von Haruki Murakami (Übersetzt von Ursula Gräfe)

Nein, hier wird nicht nochmal erwähnt, dass ich großer Fan bin, oder dass der Mann nun endlich den Nobelpreis…, nein. Vor allem nicht nach diesem Buch. Es ist eine Kurzgeschichtensammlung, das macht ja nichts, das kann Murakami ja auch, manche seiner Sammlungen sind besser als manche seiner Romane. Aber hier? Naja. Man könnte meinen, ein alternder Schriftsteller kippt seine Festplatte aus und kramt nach Material, das man schnell versilbern könnte. Klar, es gibt ein paar lustige Nuancen, klar geht es – klassisch Murakami – um Jazz, um Klassik, um seltsame Begegnungen. Aber ganz ehrlich? Diesmal war es eher langweilig. Hoffen wir, dass der Meister seinen Kick nicht verloren hat, und die Stories tatsächlich nur abgelegte Entwürfe waren.
Es wird mal wieder Zeit für einen echten Murakami-Roman, schön lang, schön verdreht, schön als Hörbuch gelesen. (2/5)

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit von Mai Thi Nguyen-Kim

Auch diese Frau muss niemand vorstellen: Mai Thi Nguyen-Kim. Mit ihrem sensationellen YouTube-Channel zeigt sie „Quarks“, wie man Wissenschaftsinformationen im heutigen Jahrtausend zubereitet – und steigt dann selbst dort ein 😉 — im vorliegenden Buch geht es um Streitfragen: Drogen, Videospiele, Gewalt, Gender Pay Gap, systemrelevante Berufe, Care-Arbeit, Lohngerechtigkeit, Big Pharma vs. Alternative Medizin, Homöopathie, die Erblichkeit von Intelligenz, Gene vs. Umwelt, usw. Wie immer wunderbar süffig flüssig und faktenbasiert aufgearbeitet von der besten Wissenschaftsjournalistin Deutschlands. Manches erscheint wiederholt, vieles wurde schon gesagt, aber den Schwung holt dieses Sachbuch aus seiner Fokussierung auf das Wesentliche. Anders ausgedrückt: Wer heute mitreden will bei relevanten wissenschaftlichen Themen, sollte dieses Buch lesen. (5/5)

Jonathan Strange und Mr Norell von Susanne Clarke (übersetzt von Anette Grube und Rebekka Göpfert)

Ok, dann kam im Sommer der Reinfall. Dieser beinahe 1000-Seiten-Schmöker sollte meine Sommerlektüre sein, er hat viele Themen, die mich heranziehen: England, Historie, Zauberer, dickes Buch. Schade. Ich musste nach der Hälfte aufgeben. Irgendwie habe ich bis dahin gewartet, dass das Buch überhaupt beginnt. Hat es nicht. (1/5)

Billy Summers von Stephen King (Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)

Ich musste zum Altmeister zurückkehren. Ein Antiheld, ein Attentäter, ein Sympath trotz alledem, die Geschichte eines Ausstiegs von der schiefen Bahn, ein „Coup“, der lange geplant wird und vielleicht scheitert, ein dickes Buch, das seinen Helden durch alle Seiten trägt. Spannend, witzig, kein Horror, sondern „Krimi-King“, es hat meine Sommerlektüren gerettet. Und es sollte nicht der letzte King sein. (5/5)

The Book of Accidents von Chuck Wendig

Chuck Wendig habe ich erst durch sein „Wanderers“-Buch entdeckt, obwohl er in den Staaten schon lange als Garant für spannendmystische oder Horrorromane steht. „The Book of Accidents“ ist ein letzteres, über eine Familie, die in ein – grusel – altes Haus zieht, in dessen Umgebung seltsame Dinge passieren. So weit, so bekannt. Aber es ist auch ein coming-of-age-Roman, etwas für Zeitreisende, für King-Fans (Surprise!), schließlich geht es sogar um Vernachlässigung und Kindsmißbrauch. Das Buch hat Längen, keine Frage, und Wendig tut sich am Ende schwer, die lose ends wieder zusammen zu stricken. Aber ok, im August kommt die Fortsetzung der „Wanderers“, das passt dann schon. (3/5)

Dann ist das wohl psychosomatisch von Alexander Kugelstadt

Dr. Alexander Kugelstadt ist der eine von den zweien, die den „Psychcast“-Podcast machen, er übernimmt den internistisch-psychosomatischen Part, die Kollegen begeistern mit ihren down-to-earth-Gesprächen und dem Spagat, einen Podcast für MedizinerInnen, wie auch Laien anzubieten. So auch dieses Buch. Alexander illustriert die Psychosomatik als großes wichtiges Feld der Inneren Medizin und schlägt die Brücke zur Psyche, nimmt aber dem LeserIn die Furcht vor „den Fallstricken da oben“. Unsere Gesellschaft braucht noch lange diese Bücher, und dieses Sachbuch wird sich sicherlich zu einem Longseller der populärmedizinischen Literatur in Deutschland entwickeln, da bin ich mir sicher.
30-50 % der Erkrankungsvorstellungen in einer HausarztIn-Praxis sind vermutlich psychosomatisch begründet, wir fragen uns eher, warum nicht früher ein solches Buch geschrieben wurde. Alexanders Schreibstil ist flüssig, einfühlsam, und man spürt in jeder Zeile seine Liebe zum Beruf und seine PatientInnen. Danke. (5/5)

Noise von Daniel Kahneman, Olivier Sibony, Cass R. Sunstein (Übersetzt von Thorsten Schmidt)

Daniel Kahneman? Das ist doch dieser Nobelpreisträger, dieser Typ mit dem „Schnellen Denken“ oder wie das hieß? Richtig. Kahneman hat uns gelehrt, dass wir unsere Lebensentscheidungen besser intuitiv treffen sollten, auch wenn das nun sehr vereinfacht klingt. In „Noise“ geht seine Arbeitsgruppe der Frage nach, warum wir manche Dinge so beurteilen, und ein anderer Mensch mit gleichen Informationen zu einem anderen Ergebnis kommt. Welche Bias steuert unsere Entscheidungen? „Polizeibeamte zeigen mehr Nachsicht mit Deliquenten, wie sie den gleichen Vornamen tragen“ und „In Meetings neigen Personen mehr dazu, dem Menschen zu glauben, der zuerst spricht, unabhängig von den eigenen Überzeugungen“.
Auch dies sind nur kurze Spots auf die Kernaussagen dieses hochinteressanten Psychosoziologie-Buches. Beinahe 500 Seiten später meint der Leser schlauer zu sein, als die Mitmenschen, und wird trotzdem in die gleichen Bias-Fallen tappen wie zuvor.
Las sich nicht so flüssig wie der Kahneman-Klassiker „Schnelles Denken. Langsames Denken“ und ist trotzdem ein spannendes Sachbuch, wie es nur US-Amerikaner schreiben können. Sorry, but it´s true. (4/5)

Später von Stephen King

Und noch ein King in diesem Jahr, welch ein Output. Dies hier erschien vor „Billy Summers“, ich las es aber erst danach, Stephen King wieder ein seinem eigentlichen Metier: Seltsames. Heute geht es um einen Jungen, der mit Frischverstorbenen sprechen kann. Es geht aber auch um Mutterliebe, lesbische Beziehungen, einen Kriminalfall, Übernatürlichem und einen bösen Cop. Das Reizvolle, vor allem im englischen Original, etwas, das man in Stephen Kings Geschichten oft übersieht: Er hat eine Gabe, sich in junge Menschen hineinzuversetzen, ihre Sprache zu sprechen, ihre Denkweisen zu imitieren. Hier wird es besonders deutlich, „Später“ ist in der ersten Person geschrieben. Das macht es noch etwas bizarrer, aber auch glaubwürdiger. Wieder eine (5/5).

Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde von Bruce D. Perry (Übersetzt von Judith Jahn)

Darüber habe ich hier schon ausführlich geschrieben. Bitteschön.

Die Enkelin von Bernhard Schlink

Darüber habe ich hier schon ausführlich geschrieben. Bitteschön.

[Dieser Post enthält Affiliate Links zu Amazon] (c) Bild bei Flickr/Abhi Sharma (unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) – Lizenz)

3 Antworten auf “Lesepotpourri seit ewig mal wieder”

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