Ohrenschmerzen – kurz und knapp

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Ohrenweh im Kindesalter. Au weia. Vergeht überhaupt ein Halbtag in der Praxis ohne eine Vorstellung eines Kindes mit Ohrenschmerzen? Glücklicherweise sind nicht immer die Ohren gleich schlimm entzündet.

Ursachen

  • Die meisten Ohrenentzündungen sind – wie die begleitenden Erkältungen – viral bedingt, aber mitunter bakteriell mitinfiziert.
  • Einseitige Ohrenschmerzen zeigen meist bakterielle Infektionen an.
  • Hintergrund: Die kürzere Tuba auditiva (= Ohrtrompete 🎺) beim Kind begünstigt Ohrenentzündungen.

Symptome

  • Klar, Ohrenschmerzen. Säuglinge zeigen das manchmal nur durch unerklärliches Schreien oder Grabbeln am Ohr. Letzteres ist aber ein sehr unsicheres Symptom, Säuglinge greifen einfach gerne mal an die Ohren.
  • Nach dem plötzlichen Beginn der Schmerzen (Nicht: „Greift sich immer mal ans Ohr“) kommt Fieber dazu und ein schlechter Allgemeinzustand. Fehlt das, mag das Ohr bei einer Erkältung beteiligt sein, aber selten wirklich entzündet.
  • Ohrenlaufen („Otorrhoe„) ist nicht schlimm, erleichtert die Schmerzen, zeigt aber in aller Regel eine bakterielle Entzündung an.
  • Ärzt:innen sehen dann ein gerötetes Trommelfell mit dessen matten Vorwölbung, durch einen Flüssigkeitserguß im Mittelohr.

Therapie

  • Bitte unbedingt die Schmerzen lindern! Paracetamol oder Ibuprofen, bitte keine Pseudobehandlung mit Oto.vo.wen oder Glaubuli oder Ohrentropfen aus dubiosen Quellen
  • Abschwellende Nasentropfen/spray öffnen die Belüftung für das Ohr und lindern dadurch die Symptome. Außerdem erleichtert es die Nasenatmung, was bei einer Erkältung einer Ohrentzündung vorbeugt.
  • Antibiotika sind nicht immer vonnöten, auch nicht bei bakteriellen Ohrenentzündungen. Wenn, dann gibts Amoxicillin, alternativ mit Clavulansäure oder Cefalosporine. Behandlung bis zum Abklingen aller Symptome, also Ohrenweh oder Fieber vor allem. Meist reichen fünf Tage Behandlung aus.
  • Bei gutem Befinden der/s Patient:in kann auf Antibiotika verzichtet werden, je jünger, desto eher werden wir behandeln, Faustformel: Ab dem 5. Lebensjahr kann man abwarten. Aber: Das berühmte „watchful waiting“ bedeutet eine Neubeurteilung alle zwei bis drei Tage durch Eltern oder Doc.

Probleme

  • Unterschieden wird zwischen der klassischen Mittelohrentzündung und einer Otitis externa, also einer Entzündung des Gehörgangs (Star-Symptom: Druckschmerz auf dem Tragus – das ist das Knorpelknubbelchen vorne vor dem Ohreingang). Letztere holt man sich gerne im Schwimmbad, sie wird tatsächlich mit antibiotischen Ohrentropfen behandelt.
  • Ärzt:innen sollten sich immer auch den Knochen hinter dem Ohr ansehen: Otitiden können in einer Mastoiditis münden, oder eine Mastoiditis imitiert Ohrenschmerzen.
  • Verschlechtern sich die Ohrenschmerzen oder kommt es auch unter Antibiotika zu keiner Entfieberung, kann es über die Nachbarschaft zum Gehirn auch zu einer Meningitis kommen.
  • Banal: Ohrenweh können auch von Fremdkörpern oder als Ausstrahlort vom Rachen oder Hals auftreten.
  • Fun Fact: Passivrauchen erhöht das Risiko auf Mittelohrentzündungen, ebenso wie Nichtgestilltsein, fehlende Impfungen (Hämophilus influenzae, Pneumokokken, Influenza…)

Kurz und knapp 👂🏻👂🏼👂🏽👂🏾👂🏿

  • Schmerzen behandeln
  • Abschwellende Nasentropfen/-spray geben
  • Bei hohem Fieber oder schlechtem Allgemeinzustand ➡️ Doktor:in aufsuchen
  • Keine Besserung nach zwei bis drei Tagen ➡️ Doktor:in aufsuchen

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5 Antworten auf „Ohrenschmerzen – kurz und knapp“

  1. Wie ist das denn mit dem Mützenwahnsinn bei Babys und Kleinkindern? Ist da was dran, dass die Ohren ständig unter irgendwelchen Mützen verschwinden „müssen“ um Ohrenentzündung vorzubeugen? Ist Wind wirklich so böse?
    Mein Kind hasst Mützen.

    1. Ich hasste als Kind (und jetzt immer noch) Mützen, welche mir von meinen deutlich kälteempfindlichen Vorfahren übergestülpt wurden. Die Meisten sind irgendwann irgendwie verloren gegangen.
      Erst im reifen Alten von über 40, als mal wieder das Thema auf meine ständig üble Laune auf Ausflügen kam (Mit dir konnte man nirgendwohin….) bin ich dahintergestiegen. Und auf Bildern ist es für mich überdeutlich: Ich war einfach immer zu warm angezogen worden!
      Tscha, Ohrenentzünding hatte ich 1x als Kind, 1x als Erwachsene. Beide Male nur auf einer Seite, im Freibad geholt, denk ich mal.
      Es wird wie immer sein, die Dosis machts. Gesunden Menschenverstand einsetzen, ein Baby oder Kleinkind braucht vielleicht mehr Schutz bei Wind, aber vielleicht reicht da auch eine dünnere Mütze.
      Nicht verhandelbar ist bei uns immer der Sonnenhut gewesen.

  2. Kennt noch jemand die Homöopathen ohne Grenzen?
    Mit Grauen erinnere ich mich an einen dortigen Fallbericht über ein kleines Kind, welches zum Wochenende unter starken Ohrenschmerzen litt. Nach allerlei möglicher (Nicht-)Behandlung durch den telefonisch erreichbaren Homöopathen und der Beschreibung der starken Schmerzen des Kindes verbuchte dieser die Behandlung als vollen Erfolg, weil nach stundenlangen Schmerzen diese plötzlich einfach aufhörten.
    Ja, da ist halt einfach das Trommelfell geplatzt.

    Ich hoffe, den Verein gibt’s nicht mehr.

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