Denn sie wissen immer besser, was sie tun

(c) Tumisu/Pixabay

Es gibt drei Typen von Eltern, die ihre Kinder wegen einer Erkrankung vorstellen: Die Abwiegler, die Verunsicherten und die Aufbauscher. Den vierten Typus, die Normalen, lassen wir aus Gründen des Spasses und der Dramaturgie einmal unter den Tisch fallen.

Die Abwiegler sind die, welche nicht glauben, was Du als Ärzt:in ihnen diagnostiziert hast. Plötzlich sind die Pickelchen, die du soeben als Scharlach präsentiertest, doch nur Hitzereaktionen, obwohl der Rachenabstrich klar positiv ist, das Kind echt krank und das Fieberthermometer unbestechlich. Aber schließlich steht morgen die Taufe der Großmutter oder die Goldene Hochzeit des Nachbarbabys an, wahlweise spielt das Kind den Jesus im Krippenspiel. Und das fiele dann alles ins Wasser. „Aber morgen in die Schule kann er schon?“, sind dann die Klassiker oder schlicht: „Aber ansteckend ist das nicht, oder?“ Sie wollen immer nur die Absolution, dass alles in Ordnung sei, und reagieren ungehalten, wenn die Ärzt:in ihr Weltbild durcheinander wirft.

Die Verunsicherten sind die, welche nicht glauben, was Du als Ärzt:in ihnen diagnostiziert hast. „Sind Sie sich sicher?“, fragt der Vater und: „Aber meine Nachbarin sagt, das ist wahrscheinlich doch die Pest“, bemerkt die Mutter. Sie kommen generell lieber dreimal zuviel als einmal zu wenig, erhalten stets die freigehaltenen Termine am Freitagnachmittag, „wissense, so vor dem Wochenende, wollten wir nochmal schauen lassen, ob’s Bobele gesund ist“ (!) oder die am Montagmorgen: „Der Arzt am Samstag hat was anderes gesagt als der Arzt am Sonntag…“ Die Verunsicherten geben häufiger Glaubuli als die anderen, denn „schließlich kann das nicht schaden und irgendetwas muß man ja tun.“

Und die Aufbauscher. Das sind übrigens die, die nicht glauben, was du als Ärzt:in ihnen diagnostiziert hast. „Was denn, das ist nur Dreck?“, fragt die Oma und kratzt an dem vermeintlichen Zeckenstich herum. Danach ist das Insekt unter ihrem Fingernagel. War ja auch keine. Sie sind eigentlich eine Untergruppe von No.2, aber mit einem anderen Motiv. Für sie ist alles, was Du ihnen anbietest, zu wenig. Sie möchten immer ein Antibiotikum, zumindest mal ein Antibiotikaa, oder doch wenigstens einen Hustensaft. Sie sind die schwierigsten im Handling, denn sie appellieren an Dokters Gewissen, den Krankheitsverlauf herunterzuspielen. Das kann auch ins Auge gehen. „Ich hab’s ja gleich gesagt, dass sie eine Lungenentzündung bekommt.“
Ja, ok. aber das war aus der Warze am Fuß schwerlich abzuleiten.

Allen möchte ich entgegenrufen: „Und warum kommen Sie dann überhaupt zum Arzt?“ Ich bin schließlich der Gott in Weiß in Birkenstocks, der Allwissende, der Bestimmer.

(recycled by me from me – 24.7.2012)

(c) Bild bei Tumisu/Pixabay ( freie Lizenz)


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3 Antworten auf “Denn sie wissen immer besser, was sie tun”

  1. Achtung, der ganz böse Klugscheißer: Zecken gehören zu den Milben, nicht zu den Instekten 😉
    Ansonten von mir sonst stillen Mitleserin: Vielen Dank wie imme für die erheiternden Geschichten, von denen doch auch immer ein bisschen was an Wissen hängen bleibt.

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