babel

ja: liebe russischstämmige mama, es ist völlig in ordnung, wenn sie die ersten drei jahre ausschließlich in ihrer heimatsprache mit ihrem bobele sprechen, denn nach der sprachentwicklungsforschung sollte ein kind irgendeine sprache bis zum dritten geburtstag gut gelernt haben, um dann auch andere sprachen, also hier das deutsche, lernen zu können. und es hat funktioniert: nach ihren aussagen spricht ihr kind fließend und einwandfrei russisch (… kann ich leider nicht beurteilen).

aber: ich denke nicht, dass das dreistündige fernsehen am tag irgendwie das deutsche fördert. und ich kann auch nicht ihre meinung teilen, dass „das deutschlehren dann die kindergärtnerinnen übernehmen dürfen“. denn es ist auch allgemeine empfehlung, dass ab dem kindergarteneintritt auch in der familie vermehrt die sprache gesprochen werden sollte, die im „umgebenden kulturkreis“ gesprochen wird. bobelewitsch wirds schon so schwer genug haben, wenn alle kumpels deutsch sprechen und er nicht.

47 Antworten auf „babel“

  1. Soll das Bobele im ernst von seiner kaum deutsch sprechenden Mutter Deutsch lernen? Diese Einstellung wird wirklich meistens nur von Menschen vertreten, die noch nirgendwo selber eine Weile als Auslaender lebten. Und ja, ich war vor unserem Umzug nach Amerika genauso. Mich hat es genervt, wenn sich Menschen z.B. in den oeffentlichen Verkehrsmitteln laut unterhalten haben und ich kein Wort verstand. Aber mensch lernt ja dazu…

    Nein, das Erlernen einer Nicht-Muttersprache bei Kindern – das sollte wirklich die „Strasse“, Kindergarten und Schule und ja auch! der Fernseher leisten. Natuerlich muss man das als Eltern unterstuetzen und den gekraenkten Stolz runterschlucken, wenn die lieben Kinderlein die Sprache irgendwann besser sprechen als man selber. Bei uns hat das zum Glueck wunderbar geklappt: Die Kinder – ausgeruestet mit englischen Not-Saetzen („Ich muss austreten“ etc.) und geimpft mit den wichtigsten kulturellen Unterschieden und dem Selbstvertrauen, das das zu schaffen ist (jeden Tag wieder) – in die Schule/den Kindergarten geschickt. Die ersten Wochen waren hart fuer sie und ich bin sehr stolz, dass sie diese Zeit so gut gemeistert haben.

    Da hatten wir allerdings eine grosse Unterstuetzung von Seiten der Schule. Da die USA ein Einwanderungsland sind, wird hier davon ausgegangen, dass es Kinder gibt, die Unterstuetzung beim Erlernen des Englischen benoetigen. Und es ist auch die Erkenntnis angekommen, dass je eher Hilfe einsetzt, desto guestiger und effektiver sie ist. Ausserdem werden hier die Schulen danach bewertet, wie gut die Kinder bei den standardisierten und staatsweiten jaehrlichen Tests abschneiden. Kinder mit „Migrationshintergrund“ machen das erste Jahr einen Test, der nicht in die Statistik mit einfliesst. Im Jahr darauf werden sie voll angerechnet. Entsprechend sind die Schulen hinterher, dass die Kinder so schnell wie moeglich des Englischen maechtig sind und legen Foerderprgramme auf. Nach einem halben Jahr war der Grundstein gelegt, nach einem Jahr (und dem bestandenen Test) wurden sie quasi als Muttersprachler aus dem Foerderunterricht entlassen. Natuerlich haben wir Eltern mit ihnen mitgelernt, abends die englischen Leserlern-Buecher (von der Schule gestellt) vorgelesen, etc. Selbst unser damals schon fast 11jaehriger spricht heute akzentfrei amerikanisches Englisch.

    Und das ist eben der Unterschied: In Deutschland wird das den Eltern aufgebuerdet, die das nicht leisten koennen, selbst wenn sie einigermassen Deutsch sprechen. Die auslaendische Herkunft wird nicht als Bereicherung gesehen, sondern als Ballast, den es so schnell wie moeglich abzulegen gilt. Das das Schiefgehen muss, ist klar. Wer kann schon seine kulturelle Identitaet abstreifen wie einen Mantel? Ausgetragen wird es auf dem Ruecken der Kinder, bezahlt werden muss der Murks (Jungendliche ohne Schulabschluss mit abzusehener „Karierre“) aber schliesslich vom Steuerzahler.

    Wir Eltern arbeiten heute hart, damit das Deutsche nicht allzusehr abhanden kommt (ihre deutsche Rechtschreibung ist mittlerweile eine mittlere Katastrophe). Dafuer frage ich meine Kinder oft um Rat, ob sie mir fix was „durchlesen“ koennen…

    Beste Gruesse

  2. Was theoretisch so alles möglich ist, von Ami-Kindern in Deutschland, deren ein Elternteil englisch, das andere deutsch spricht, sie perfekt zweisprachig aufwachsen, und später im Kindergarten zusätzlich noch chinesisch lernen, weil das ja mal die neue Weltsprache wird, darüber kann man stundenlang philosphieren….

    Entspricht nur alles nicht der Realität der breiten Masse.
    Man muss kein Hellseher sein, um mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, das der Junge hier niemals deutsch lernen wird, das ohne mehrmaliges Nachfragen auch verstanden wird.

    Bevor ich über den zweiten Bildungsweg Berufsfachschule gemacht hab usw. war ich auch in einer deutschen Hauptschule. Mit 2 russischen Jungs, die kein Wort verstanden haben, was der Lehrer vorne gesagt hat. Bis zu 9. Klasse haben sie dort ihre Schulpflicht abgesessen, und konnten sich nur untereinander verständigen.
    Und bei Russen läuft die Sache wohl noch weitgehend integrierter ab, als bei den südländischen Vertretern.

    Lieber weniger Theorie in der Sozialromantik, und mehr in der Realität sich umsehen, würd ich so einigen Kommentatoren hier empfehlen.

  3. ich möchte die diskussion nicht weiter anheizen und denke auch, dass wir uns hier alles so sehr gar nicht wiedersprechen. ich habe mir in den letzten tagen viele gedanken zu diesem thema gemacht *endlich hat der blog mal einen sinn* 🙂 — und mir unter diesem aspekt auch meine vorsorgekinder aus so genannten migrantenfamilien genauer angeschaut.
    am ehesten möchte ich doch blogwesen recht geben – dass viel, wie so oft, aber auch nicht alles vielleicht, abhängig ist von sozialem status und umgebung, in dem das kind aufwächst.
    ein türkisch/schwedisch (hi patrick)/griechisch wie auch immer geprimetes kind wird problemlos im deutschen kiga ab drei jahren deutsch lernen, wenn dort deutsch gesprochen wird. trifft es dort aber wieder auf kinder seiner muttersprache, wird das schon schwieriger.
    erfahrungen, die hier in den kommentaren oder auch hier mitgeteilt werden, stammen meist aus akademikerkreisen, die ihre kinder vielleicht auch anders fördern – der blogleser und schreiber an sich ist nun mal meist aus dieser ecke.

    denn warum haben denn viele *meiner* migrantenkinder, deren eltern (vor allem mütter) zu hause ausschließlich ihre muttersprache sprechen und des deutschen oft gar nicht mächtig sind – auch selbst riesige probleme im deutschen und im deutschen bildungssystem.

    nach der theorie des *deutsch lernt sich von alleine* müssten diese doch alle durch die bank perfektes deutsch lernen. tun sie aber nicht.

    ich danke allen sehr für diese diskussion – haarscharf am sarrazinen vorbei – aber doch sehr aufschlußreich geführt – und ich habe weiter oben schon einiges relativiert und werde noch mehr beratungswert bei meinen familien aufbringen, um noch individueller empfehlungen auszusprechen.

  4. Finde ich auch -in der Form- keine gute Diskussion…Häufig ist das mehr ein schichtspezifisches Problem. Kinder von Eltern mit höherem Bildungsstatus, die einwandfrei ihre Muttersprache sprechen, haben dann Sprösslinge die auch die Fremdsprache leicht aufschnappen. Problematisch wird es, wenn man in sozialen Brennpunkten Schulen und Kindergärten hat, die bei 30-50% Migrationsanteil liegen.und wo die Eltern eben auch kein Interesse an der Sprachentwicklung des Kindes haben bzw. selbst eben nicht einwandfrei die Muttersprache beherrschen…Sprachverwahrlosung ist häufig ein zeichen sozialer Armut oder Segregation. Lingusitisch betrachtet ist selbst das Kauderwelsch türkisch-deutsch in sich gar nicht so unlogisch und für manche Sprachwissenschaftler hoch interessant…

  5. Merkt ihr auch, dass wir immer mit „doppelmaß“ arbeiten: wenn wir im ausland sind, ist es eno wichtig, „unser“ deutsch zu pflegen. aber sobald die redeüber migranten hierzulande ist, – die sollen gefälligst „ihr“ türkisch vergessen! wenn ein kind in der schule englisch kann, ist unser kommentar – wau, wir toll! und keiner merkt, dass ein türkisches kind genau die gleiche kompetenzen besitzt! würdet ihr von euren kindern schon in vorkindergarten-alter eine fremd(FREMD!!!)sprache abverlangen?
    diese disskussion nerv!

    1. Scheint wohl ein typ. deutsches Problem zu sein. Hier in Norwegen hat man uns nämlich empfohlen, weiterhin Deutsch bzw. Niederländisch mit unseren Kindern zu sprechen. Norwegisch lernen sie im Kindergarten bzw. in der Schule und beim Fernsehen (barnetv!). Ja, so hat es die Dame bei der Helsestasjon gesagt…und warum sollte ich Norwegisch mit den Kids sprechen? Ich kann es doch selbst kaum.

    2. Ja,das scheint in der Tat ein typisch westeuropäisches Problem zu sein. Wäre man gegenüber gewissen Volksgruppen nicht so vorurteilsbelastet, würde man das sicherlich auch entspannter sehen bzw. schätzen.

  6. Nein! Ich bin in D aufgewachsen und habe nur Niederländisch mit meinen Eltern und meiner Schwester gesprochen, Deutsch habe ich tatsächlich erst im Kindergarten gelernt und später dann richtig ab dem 8. Schuljahr (Europäischen Schule, nld. Abteilung. Muttersprache: Niederländisch, Zweite Sprache: Englisch, dritte Sprache: Deutsch) und ich spreche Deutsch akzentfrei, d.h. man hört nicht, dass ich eigentlich Niederländerin bin. Habe sogar in D studieren und arbeiten (als GS-Lehrerin) dürfen. Von meinen Eltern hätte ich Deutsch übrigens nicht lernen können, ganz ehrlich, ihr Deutsch ist einfach grauenhaft! So wie Rudi Carell gesprochen hat, halt.

    Die macht das schon richtig, ok 3 Stunden Fernsehen ist viel aber heutzutage nicht ungewöhnlich.

  7. Warum muss eigentlich jemand unbedingt eine Sprache Akzentfrei können?
    Solange jemand die Grammatik im Griff hat ist das doch kein Problem. Akzentfreies Deutsch sprechen die wenigsten im deutschsprachigen Raum wenn man an die ganzen Dialekte denkt.
    Lieber die Sprache der derzeitigen Heimat mit Akzent als teilweisse bis zur Einschulung mit 6 oder 7 Jahren nur die Mutter-Sprache der Eltern zu lernen.

  8. Bei uns wird zuhause deutsch geredet. Allein schon, um den beiden Großen ihre Sprachkompetenzen zu erhalten bzw. zu verbessern (die sind zweisprachig von gemischtsprachigen Eltern).
    Französisch sprechen alle Leute drumherum, spricht das Fernsehen, spricht die Gemeinde, spricht die Schule (ab 3 Jahren) – das reicht völlig aus.
    Mit vier wird die Demoiselle besser Französisch können als ihr Vater, und der bekommt ständig Komplimente ob seiner guten Sprachkenntnisse…

  9. Die Zweisprachigkeit kann ich verstehen, wenn die Eltern verschiedene Muttersprachen haben oder die Eltern mit dem Kind in einem anderen Land leben.
    Allerdings empfinde ich heute, daß die Kinder heute mehr unter Druck gesetzt werden und die Erwartungen höher sind. Nur müssen von Geburt an beide Sprachen angewandt werden. Da wird extra ein ausländisches Aupairmädchen angestellt, was nur die eigene Sprache mit den Kindern anwenden soll. Geht ein Aupairmädchen nicht extra ins Ausland, um um die entsprechende Sprache zu lernen und auf einmal soll die Muttersprache angewandt werden? Das entspricht nicht dem Ziel des Aupairmädchens.
    Wieso spricht ein Kleinkind, was in einem fremden Land aufwächst, nur die Muttersprache, aber nicht sie Sprache des Landes? Es liegt dann eindeutig an den Eltern. In jedem Land, wo ich leben würde, wird erwartet, daß ich zumindest Grundkenntnisse dieser Sprache habe. In Deutschland gilt da hoffentlich nichts Anderes.

    1. Für ein Au Pair gibt es mehr Ziele ins Ausland zu gehen als nur die Sprache zu lernen. Ich war Au Pair in Amerika und habe auch mit den 1,5 Jährigen Zwillingen nur Deutsch gesprochen. Mein Englisch verbessert habe ich durch den Rest der Familie, Freunde und auf der besagten Straße.
      Die Zwillinge hatten seit der Geburt ein deutsches Au Pair und konnten während meines Jahres mehr deutsche Wörter als Englische (Eltern waren den Großteil des Tages arbeiten). Freunde der Familie machten sich Sorgen, dass die Kinder im Kindergarten und in der Schule Probleme bekämen. Doch leider kam dann alles ganz anders. Meine Nachfolgerin förderte zwar noch das Deutsch der Kinder, doch ihre Nachfolgerin weigerte sich Deutsch zu reden um selbst besser Englisch lernen zu können und nur innerhalb eines Jahres im Alter zwischen 3 und 4 Jahren verlernten die Kinder ihre kompletten Deutschkenntnisse. Schade.

  10. Hm
    also ich kenne auch nur die Empfehlung, zuhause nur die Muttersprache zu sprechen und die Fremdsprache der „Strasse“ zu überlassen. Uns wurde das damals so empfohlen und auch mein Neffe, der dreisprachig aufwächst, lernt so. Mit dem Erfolg, dass er die Sprache des Kulturkreises viel besser spricht als die Vatersprache.
    Es heisst immer, die Eltern können die Frendsprache, die sie selber erlernnen mussten eh nur als schlechte Sprache wieder geben und vom umgang mit Muttersprachlern lernt man schneller.
    Das dauert kein Jahr dann spricht Bobbele besser deutsch als Mama.

  11. Wir sind dann wohl auch so Rabeneltern, die das „Umgebungssprache lernen“ den Kindergaertnerinnen ueberlassen. Aber meine Jungs sprechen inzwischen beide akzentfreies Englisch. Mein Grosser hat jetzt hier mit 5 die Schule begonnen, ist vielen seiner Klassenkameraden weit voraus sprachlich, liest inzwischen selbst englische chapter books und auch deutsche Bilderbuecher – und amuesiert sich manchmal ueber mein Schulenglisch – vor allem die Aussprache :-P.
    Mein Kleiner hat 1 1/2 Jahre Logopaedie bekommen – ein Mitgebsel seiner Fruehgeburt und spaeter Entwicklung des Hoervermoegens – laut Logopaedin keine Folge der Zweisprachigkeit. Und selbst die Logopaedin meinte, wir sollen UNBEDINGT daheim mit ihm Deutsch reden und das Englische den Amis ueberlassen.

    Foerderung des Englisch haben wir anfangs nur durch englische Musik und 1-2 Spielgruppen pro Woche betrieben. Gebracht hat das meiner Meinung nach nicht viel. Englisch jetzt noch foerdern?!? Um Gottes Willen. Dann wuerde das Deutsch komplett eingehen.

  12. Ein Beispiel für dreisprachige Kinder. Vater: Kanarier, Rechtsanwalt, spricht fließend und akzentfrei deutsch; Mutter: Deutsche, Lehrerin; zwei Söhne, damals etwa 7 und 9 Jahre alt, Wohnort: Las Palmas de Gran Canaria. Außerdem gibt es ein Au-Pair-Mädchen. Die beiden Pökse sprechen fließend Deutsch, Spanisch und Englisch, je nachdem in welcher Sprache sie angesprochen werden. Die Eltern haben mir das so erklärt: Zu Hause wird nur Deutsch gesprochen, Spanisch lernen sie auf der Straße, in der Schule und mit den Freunden und das Au-Pair-Mädchen ist immer eine Engländerin oder Amerikanerin und darf mit den Kindern nur Englisch sprechen. Die Mutter hat mir noch erklärt, daß es ganz wichtig ist, daß die Eltern immer mit derselben Sprache sprechen, es wäre auch in Ordnung wenn z.B. die Mutter nur Deutsch und der Vater nur Spanisch spächen, wichtig wäre eben, daß nie die Sprache gewechselt würde, weil das die Kinder verunsichert. Klingt für mich logisch und der Erfolg gab den Eltern recht.

  13. Ich kenne das auch von schnipp-schnapp-Bekannten: die setzen ihr Kind auch 3 Stunden vor die Glotze, damit sie die Deutsche Sprache einfach so aufsaugen… . Würde ja theoretisch auch mit Hörbüchern und Radio zu bewerkstelligen sein…;-D

    1. Lerntheorien – mehrere Sinne ansprechen,… schonmal gehört? Mit Bild UND Ton gehts erwiesenermaßen besser als nur akustisch…

  14. Ob die Russen/Türken oder andere Länder auch so „tolerant“ wären, wenn deutsche Auswanderer die Sprache nicht beherrschen?

    Selbst in den Schulen sprechen Kinder nur schlechtes Deutsch. Ich denke es liegt mit daran, dass zu Hause überwiegend die Muttersprache gesprochen wird. Bzw. teilweise die Mütter (die meistens bei den Kindern zu Hause sind) kaum deutsch können.

    Von Bekannten das Kind wurde auch vor dem Fernseher geparkt, um Bollywood-Filme zu schauen. Indisch konnte er (mehr oder weniger), aber kein gutes deutsch. Obwohl die Eltern Deutsche sind.

  15. ok ok ok —

    ich relativiere:
    – heimatsprache im häuslichen bereich sprechen, damit kind an sich sprache lernt.
    – wenn zweisprachigkeit in familie, one person one language, also nicht mischen
    – ab kindergarteneintritt *förderung* der deutschen sprachen, *auch* durch eltern, soweit in ihren fähigkeiten möglich.
    – eltern sollten selbst an (deutschen) sprachkursen teilnehmen, um ihr kind optimaler fördern zu können.

    das habe ich mit „vermehrt sprechen“ gemeint. also bitte nicht immer auf vermeintlichen prinzipien rumreiten.

    ein paar links dazu:
    sprachförderung migrantenkinder im kindergarten („sprachbad“)
    elternarbeit mit migranten
    zweisprachigkeit

  16. Lieber Kinderdoc,
    auch ich wundere mich über die „allgemeine Empfehlung“ innerhalb der Familie ab einem bestimmten Jahr die Sprache zu wechseln.

    Ich erlebe es in meinem Umfeld oft und problemlos, dass in einer Familie eine andere Sprache gesprochen wird und Deutsch dann in der Kita und ‚draußen‘ gelernt wird. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass unsere Kindergärtnerinnen sich damit überfordert fühlten.
    (Hier in Berlin erhalten Kinder Nicht-Deutschsprachiger Familien auch bei Nicht-Erwerbstätigkeit der Eltern Krippenplätze, um den Spracherwerb zu fördern – also sind die Kinder auch oft eher 1-2 statt 3.)

    Auch die Elternbriefe des ANE empfehlen, mit den Kindern die Sprache zu sprechen, in der sich die Eltern am Wohlsten fühlen: http://www.ane.de/elternbriefe/nach-alter/18.html

    Ich glaube auch nicht, dass der Junge es schwer haben wird, sondern dass er schnell deutsch lernen wird – wie schon viele andere vor ihm.

  17. Hi,

    also bei zig Familien hat es sich bestaetigt, dass entweder OPOL sehr gut funktioniert, naemlich one person one language, oder eben aber zu Hause die eine Sprache und in der Umgebung (hier Kindergarten) die Umgebungssprache. Sonst mischt das Kind naemlich und es kommen bloss (hier) deutsche Saetze mit russischen Woertern eingemischt vor (oder halt umgedreht).
    Deswegen, ja ein paar Saetze auf deutsch einueben, so das Wichtigste (muss auf die Toilette, mir tut es ‚hier‘ weh, Durst, Hunger …) aber ansonsten muss das erstmal reichen und nein, ich finde das nicht unfair, denn die deutsche Sprache wird sooderso bald staerker sein, wenn das Kind eingegliedert wird im deutschsprachigen Kiga/Schule und deutsche Freunde hat.
    Ich rede hier aus eigener Erfahrung 🙂 und der von vielen Aussiedlern in meinem Umkreis mit.

  18. Wir leben in einem arabischen Land und mir und meiner Familie ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder vom Babyalter an zweisprachig sind. Oder sollen die deutschen Grosseltern arabisch lernen, um ihre Enkel verstehen zu koennen? Ich sehe auch keinen Sinn darin, mit meinen Kindern in fehlerhaftem Arabisch zu sprechen. Natuerlich muss man als Eltern dafuer sorgen, dass es genuegend Sprechanlaesse gibt, das ist klar. Aber wieso sollte ich von meinen Kindern erwarten, dass sie spaeter muehsam mit Vokabelpauken und Grammatiklernen Deutsch lernen? Das hat nichts mit Fremdsprachenunterricht zu tun, es ist meine Muttersprache und in der moechte ich mit meinen Kindern reden! Genauso geht es jeder fremdsprachigen Mutter in Deutschland auch. Als Lektuere empfehle ich sehr „Elke Montanari, Mit zwei Sprachen gross werden“. Auch fuer den Kinderdo, denn ich glaub bilingualer Spracherwerb kommt waehrend des Medizinstudiums wenn ueberhaupt nur am Rande vor. Schuster bleib bei denen Leisten!

    1. stimmt nicht – ist teil der ausbildung zum kinderarzt – muss ich dich wiederum korrigieren. schuster usw.
      letztendlich ist es wichtig, dass die sprachen gelernt werden müssen, die man familiär und im „lebensumfeld“ lernt. die meisten migranten wollen, dass ihre kinder auf eine deutsche schule gehen – also sollten sie das auch fördern.
      ziehe ich demnächst für den rest meines lebens nach china werde ich dort auch chinesisch sprechen und mit meinen kinder deutsch – und gleichzeitig das chinesische beibringen – *ich* mache das mit hilfe der lehrer. das ist in meinen augen mehr als selbstverständlich.

      1. Stimmt, von alleine kommt die Zweisprachigkeit nicht. Allerdings ist das auch nichts was die Eltern alleine leisten koennen. Die Sprachfoerderung in Dtl. ist primaer nach wie vor darauf ausgelegt den Kindern deutsch beizubringen, anstatt Zweisprachigkeit zu foerdern was Kindern und Elten helfen wuerde. Hier und da hat sich das schon geaendert bzw. aendert sich grade, aber selbstverstaendlich ist es leider immer noch, dass man auch mehr als eine Muttersprache haben kann.

    2. und ich noch dazu empfehlen – Barbara Abdelilah-Bauer Zweisprachig aufwachsen
      Ich verstehe nich, woher ihr diese Aroganz nehmt! Ich kann nur meinen Kindern helfen, korrektes Deutsch zu lernen, indem ich denen korrekte Muttersprache beibringe, und zwar nicht nur mündlich.

  19. Wenn Kinder schon von Babyalter mehrsprachig aufwachsen, können sie dann überhaupt eine der Sprachen fehlerlos? Und ist es wirklich so wichtig, daß ein Kind schon von kleinauf mehrere Sprachen kann? Ich finde es wichtiger, daß die Kinder die eine Sprache lernen, in dessen Land sie leben und die im Alltag gesprochen wird. Die Kita und die Schule sind weiterführende Institutionen, der Spracherwerb ist in erster Linie Elternsache.
    Ich habe meine erste Fremdsprache später gelernt und nichts versäumt, weil ich in der Kita kein Fremdsprachenunterricht hatte. Wichtig für eine gute Grundlage in der Kindheit sind liebevolle Eltern, Geborgenheit, Zeit, Spiele und eine Sprache. Für alles Andere ist noch Zeit.

    1. @Carmen: Ja, das können sie problemlos. Muttersprachlich. Ohne das du einen Unterschied zu Kindern feststellen wirst, die aus dem Land kommen.
      Und hier geht es nicht darum, im Kindergarten Fremdsprachenunterricht zu haben (der in der Form, in dem er in Deutschland häufig angeboten wird eher sinnlos ist), sondern die normale Umgangssprache des Landes zu erlernen. Und das geht mit Eltern, die diese Sprache nicht muttersprachlich beherrschen nicht besonders gut.

  20. Achja, was ihr alle sagt magt ja schön und gut sein, trotzdem hat Kinderdok recht.
    Es IST nunmal wichtig das die Mutter nicht den Erzieherinnen im Kindergarten die Verantwortung fürs Deutschlernen ihres Kindes aufdrückt.
    Sie muss selbst was machen, dafür sorgen das ihr Kind mit deutschsprachigen Kindern spielt, in einer Turngruppe oder wie auch immer und es eben nicht einfach vor den Fernseher setzt.
    Denn leider leider ist es in vielen Kindergärten eben so das die Bobeles, die kaum Deutsch verstehen, auch recht untergehen was die „Fürsorge“ der dort arbeitenden Damen (und manchmal Herren) angeht.
    Ja, selbst mehrfach erlebt. „Ach, der versteht eh kein Wort, was soll ich dem denn vorlesen?“ Ja danke, so lernt ers auch nicht!
    Schon in meiner Ausbildung zur Erzieherin bin ich schräg angeguckt worden, wenn ich mich eben gerade mit diesen Kindern mehr beschäftigt habe. (Einer der Gründe warum ich aufgehört habe)
    Leider sind die wenigsten Eltern in der Lage abzusehen wie ihr Kind dann später in der Schule untergeht, wenn es außer Schimpfworten kaum Deutsch kann… Und das eben diese Kinder sich „auffällig“ verhalten ist auch kein Wunder, sie haben im KiGa ja gelernt das sie nur dann Aufmerksamkeit bekommen wenn sie was anstellen.

    (Was die Sprachforscher (Oder auch Erziehungswissenschaftler) angeht, naja… Ich finde es erstaunlich das wir wieder da sind, wo wir vor 60 Jahren waren. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Ach echt? Ich weiß nicht, ich habe erst mit 14 in der Schule Englisch bekommen und habs trotzdem gelernt, so gut das ich später bei einer englischen Firma arbeiten konnte. Laut heutigem Wissenstand ist das ja fast unmöglich, das war doch nicht das richtige Zeitfenster fürs Sprachenlernen… *geht ihre Ironie mal wieder in den Schrank sperren*

    1. Der Unterschied liegt darin, dass Hänschen eine Sprache erwerben kann (unbewusst), Hans kann sie nur noch (bewusst) lernen – durch Regeln pauken, viel sprechen, Wörter lernen.. Hänschen lernt auf ganz anderem kognitivem Niveau als Hans.Hast du dich nie gefragt, warum du vielleicht exzellent Englisch sprichst, aber immernoch (wenn auch selten) einen Fehler machst? Das passiert niemandem so, der als Kind die Sprache auf C2-Niveau erwirbt.

      Was den ersten Teil angeht, kann ich dir allerdings zustimmen, natürlich ist es die Aufgabe der Mutter, das Kind dazu zu ermutigen, sich deutsche Spielkameraden zu suchen etc.

      1. Na komm, jetzt tu aber bitte nicht so, als würde man in seiner Muttersprache keine Fehler machen. Das komplette Internet ist der Gegenbeweis – in jeder Sprache.

    2. Ich habe während meiner Kindheit in Deutschland fast nur mit nld. Kindern aus meiner Klasse gespielt. Deutsch habe ich nur mit den 2 Nachbarskindern gesprochen. Und? Warum sollte man nur mit den Deutschen spielen? Es ist auch wichtig Freunde aus seinem Heimatland zu haben…hier in Norwegen haben meine Kinder auch deutsche und niederländische Freunde. Wenn man im Ausland wohnt, dann sucht man auch möglichst Kontakt zu den anderen, die ebenfalls ausgewandert sind. Das war früher so bei meinen Eltern und das ist jetzt bei uns auch so.

  21. Hallo,
    ich bin mit 4 Jahren in einen amerikanischen Kindergarten gesteckt worden. Da ich bis dahin in Deutschland lebte, konnte ich kein Wort der dort gesprochenen Sprache.

    Zu Hause haben wir Deutsch gesprochen, denn es war ja abzusehen, daß wir irgendwann wieder nach Deutschland zurückkehren würden.

    Ich habe sehr schnell fließend gesprochen. Nach wenigen Monaten (ist ja in den USA früher) habe ich die Einschulungsuntersuchung ohne Beanstandungen auf Englisch bestanden. Zu Hause wurde immer noch Deutsch gesprochen.

    Lediglich wenn andere anwesend waren, sprachen wir Englisch, worauf ich als Kind auch bestanden habe, ich empfand es als unhöflich so zu sprechen, daß andere es nicht verstehen.

    Fernsehen gut eingesetzt ist ein gutes Medium um Sprachen zu lernen. Ich nutze es heute noch, um im Englischen und Französischen „drin“ zu bleiben.

    Da ich selber am eigenen Leib erfahren habe, wie schnell man eine Fremdsprache lernen kann, bin ich immer sehr verwundert, mit welch rudimentären Sprachkenntnissen hier einige Kinder den Kindergarten verlassen.

    Schöne Grüße

  22. Falsch, sorry, aber jeder Sprachwissenschaftler wird sich an den Kopf fassen.

    Es ist sogar schlecht, wenn die Eltern,wenn sie denn keine Deutsch-Muttersprachler sind, mit ihrem Kind Deutsch sprechen. Ein Kind muss in der Tat eine (egal welche) Sprache auf Muttersprachniveau beherrschen, ansonsten wirds ganz schwer.
    Es ist dann bei Migrantenkindern aber sinnvoll, dem Kind erst die eigene Heimatsprache perfekt beizubringen (das sprechen die Eltern nämlich fehlerlos – Deutsch bringen sie dem Kind nur falsch bei) – und das Deutsch in der Tat Dingen wie Klassenkameraden, Lehrern, Kindergärtnern und u.A. auch dem Fernseher zu überlassen (im Zuge meines Studiums habe ich festgestellt, dass die meisten Niederländer über 30 deshalb so gut Deutsch sprechen, weil es früher NUR deutsches Fernsehen gab in NL).

    Das ist natürlich kein Argument dafür, das Kind aus Faulheit o.Ä. vor dem TV zu „parken“, aber rein linguistischen Ansatz her handelt die Frau intuitiv richtig, wenn sie nur Russisch mit ihrem Sohn redet. Hatter Glück gehabt, die meisten Deutschen sind nämlich ebenfalls der Ansicht, dass „das Migrantenkind gefälluigst mit den Eltern Deutsch zu sprechen hat“ – was dem Kind nur schadet.

    Lg
    Isa

    1. falsch, sorry, da hast du nicht richtig gelesen.
      die ersten drei jahre muttersprache – ab kindergartenalter dann „auch in der familie vermehrt die sprache sprechen, die im „umgebenden kulturkreis“ gesprochen wird“ —
      das den erzieherinnen zu überlassen ist schlichtweg unfair.

      sprachelernen ist letztendlich auch veranlagung, aber ungleich vielmehr auch stetes training. anekdoten mit sechssprachigen genies wird es immer geben.

      hier geht es aber um die breite masse, die schon mit einer oder zwei sprachen im vorschulalter probleme bekommen.

      1. (dir ist klar, dass das „ab kindergartenalter dann „auch in der familie vermehrt die sprache sprechen, die im „umgebenden kulturkreis“ gesprochen wird““ laut dir eine -Empfehlung- ist? Das bedeutet nicht, dass das auch -sinnvoll- ist,was die Sprachentwicklung angeht.)
        Das den Erzieherinnen zu überlassen ist dann das Beste was man machen kann, wenn die Mutter selbst kein korrektes Deutsch beherrscht.

        Gibt es Quellen für deine Empfehlung?

        1. Ein sehr gutes (und gut argumentiertes Buch) zu diesem Thema: Barbara Abdelilah-Bauer Zweisprachig aufwachsen von Beck’sche Reihe
          Kann allen empfehlen

  23. Mmh, ich kenne genau das Gegenteil. Naemlich dass die Eltern mit ihren Kindern in der Muttersprache des jeweiligen Elternteils sprechen sollen, da die Kinder sonst weder die Muttersprache der Eltern noch die Sprache des umgebenden Kulturkreises richtig lernen. Schliesslich spricht kaum jemand der erst als Jugendlicher oder Erwachsener eine neue Sprache gelernt hat, diese auch akzentfrei.
    Sollte kein Elternteil die Sprache des umgebenden Kulturkreises sprechen, sind sicherlich Sozialkontakte mit Kindern die diese Sprache sprechen schon vor dem Eintritt in den Kindergarten notwendig. Das setzt aber auch staatlicherseits ein anderes Verstaendnis von Sprachfoerderung voraus.

    Der Fernseher ist in der Tat ein schlechter Lehrer.

    Und noch ein Zitat aus einem Spiegel-Artikel zum Thema Mehrsprachigkeit:
    „Kinder können sogar drei Muttersprachen haben, wie die hessische Familie Minovgidis zeigt. „Meine Kinder sprechen Griechisch, Deutsch und Finnisch als Muttersprache. Nur: Von selbst läuft es nicht. Wir haben von Anfang an beide systematisch in unserer Muttersprache mit den Kindern gesprochen, später haben die Jungs einmal in der Woche nachmittags griechische und finnische Grammatik gepaukt“, so Issidoros Minovgidis.

    Die finnisch-griechische Familie hat einfach nicht auf den Kinderarzt gehört – der hatte geraten, beim zweiten Kind zumindest eine Fremdsprache wegzulassen. Eine kroatische Nachbarin der Familie wiederum redete immer gebrochenes Deutsch mit ihrem Sohn. Und jetzt hat der Junge einen Akzent, obwohl er hier geboren und aufgewachsen ist. “

    Link: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,552614,00.html

    1. Genauso kenne ich das auch. Von meinen eigenen Kindern. Schwedisch im Kindergarten, deutsch zu Hause. Beide Sprachen problemlos muttersprachlich. Manchmal kann man da neidisch werden. Der Punkt ist aber, die Kinder möglichst früh in einer anderssprachigen Umgebung zu haben, mit 3 Jahren ist das schon ziemlich spät. Je früher das passiert, desto problemloser packen die das.

    1. Im sprachwissenschaftlichen Studium an der Uni in Osnabrück z.B. bei Dr. Angelika Becker oder Dr. John Michael Peterson ist diese Erkenntnis allgegenwärtig. Wir hatten dazu auch unendlich viel Literatur… aber die Autoren/Titel fallen mir leider gerade nicht mehr ein…

  24. So etwas ähnliches hatten wir im Kiga mit einem türkischstämmigen Jungen- deutsch hatte er bis zum Kindergarteneintritt mit 3 nur von seiner (damals 5jährigen) Schwester gelernt.
    Aber dafür ist er jetzt, mit 5 Jahren, Meister im Schimpfworte benutzen… Fernsehen, mehrere Stunden am Tag, bildet also doch…

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