Die Kinder- und Jugendärzte tagen II

Ohje, leider war ich etwas schlampig, was die Berichte aus dem schönen Bad Orb angingen, aber viel habe ich von dem hübschen Städtchen auch nicht gesehen. Heute mittag bekam ich die Gelegenheit, die City zu erkunden, und immerhin: Im Vergleich zu den Jahren zuvor hatten tatsächlich ein paar Geschäfte über die Mittagszeit geöffnet. Trotzdem ist der schöne Spielzeugladen Pleite (habe ich hier überhaupt schon mal ein Kind gesehen?) und ein Souvenirladen (pro Strasse) hat zusätzlich geöffnet.
Dafür gibt es die Original Ergerländer demnächst zu sehen, genauso wie das nette Theaterstück „Bunga Bunga“ oder den alljährlichen Gradierwerk-Flohmarkt. Ich freue mich schon. Leider bin ich dann nicht mehr da.

Der Kongreß selbst war sehr informativ, der Austausch mit den Kollegen hat funktioniert und die take-home-messages war derer viele:
– Rauchen in der Schwangerschaft begünstigt das Dicksein des Kindes
– Wenn Eltern sagen, sie inhalieren regelmäßig mit Cortison, so flunkern sie in zwei Drittel der Fälle
– Einnässen kann ein Symptom von ADS sein (das wusste ich schon vorher)
– Verzögerte Sprachentwicklung ist kein! Risikofaktor für spätere Legasthenie oder Rechtschreibproblematiken (ein Zaunpfahl an alle Logopäden und Erzieherinnen)
– Probiotika in der Behandlung von Durchfall (Hefe usw) verkürzen die Krankheitsdauer um 1 Tag, nicht jedoch die Infektiösität
– 25% der Jungen sind mit fünf Jahren nachts nicht trocken (wusste ich auch schon, aber das kann man nicht oft genug irgendwo erwähnen)
– Prosopagnosie ist das Unvermögen, definierte Gesichter zu erkennen (das befällt mich oft, wenn ich beim Einkaufen auf Patienteneltern treffe)
– es lohnt sich einen Vortrag über eine Erkrankung zu halten, von der nur vier Fälle auf der Welt bekannt sind
– Unterschätze den Schweden nicht vor dem vierten Tor.

Achja. Nun fährt mich mein Auto wieder durch den schönen Spessart gen Heimat. Das einzig untypische für Bad Orb war das feuchte Wetter. Ab Morgen soll´s hier wieder sonniger werden. Dann stehe ich aber wieder in meiner Praxis. Und strahle selbst mit neuem Wissen.

26 Gedanken zu “Die Kinder- und Jugendärzte tagen II

    1. Es geht nicht ums einordnen, es geht ums wiedererkennen. Ist eine furchtbar peinliche Sache, wenn man sich z.B. mit Leuten verabredet und dann hoffen muss, dass sie einen ansprechen, weil man sie eh nicht erkennt…

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      1. Bei Verabredungen finde ich es eigentlich nur selten störend: Es ist ja eher unwahrscheinlich, dass zwei Menschen mit ähnlichem Haarschnitt, ähnlicher Brille, ähnlicher Statur, ähnlichem Kleidungsstil etc. sich genau an dem Ort aufhalten, an dem ich mich verabredet habe, und dann auch noch beide suchend schauen. Natürlich muss ich denjenigen gut kennen, damit ich genügend andere Merkmale zur Verfügung habe…

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        1. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie viele Kommilitoninnen mit blonden langen Haaren ich hatte…

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  1. Unser Neurologe konnte sich an einen ähnlichen Fall von vor 10 Jahren erinnern und hat 3 Wochen nach dem ersten Arztbesuch mit der Behandlung begonnen. Eine Krankheit mit 10 Fällen im Jahr und einer Diagnosezeit von ca 1 Jahr … Immer gut wenn der eigene Arzt schon mal von seltenen Krankheiten gehört hat 😉

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  2. „Wenn Eltern sagen, sie inhalieren regelmäßig mit Cortison, so flunkern sie in zwei Drittel der Fälle“
    Wie ist das denn zu verstehen? Das Kind soll regelmäßig mit Cortison inhalieren, die Eltern tun dies nicht und behaupten aber, die Inhalation erfolge regelmäßig? Äh… wieso das denn? Mein Kind muss zweimal täglich mit Cortison inhalieren, wie komme ich dazu das nicht zu tun und das Gegenteil zu behaupten? Wo liegt der Sinn? Zumal es dem Kind, seitdem es dieses Medikament bekommt, ENDLICH mal halbwegs gut geht. Bitte um Erläuterung…

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      1. Gut, danke, dann habe ich ja verstanden, WAS die Leute machen. Erläutert die Studie auch WARUM Eltern so handeln? Faulheit, Nachlässigkeit, innere Widerstände gegen das Medikament?

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  3. Das einordnen von Menschen, denen man unter einem anderen Kontext begegnet, ist wohl etwas das vielen Menschen schwer fällt.
    Aber eine echte Prosopagnosie ist doch erheblich schwerwiegender, oder?

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    1. Eher so?: Man sieht im Bus aus fünf Meter Entfernung den eigenen Bruder und traut sich nicht hinzugehen, weil man sich fragt, ob er es wirklich ist – so lange, bis er sich bewegt oder etwas sagt und man ihn dank dieser Umstände eindeutig erkennen kann.

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      1. Bin schon mal an meinem Mann vorbeigelaufen, weil er ganz still da stand (und grinste), anstatt mich zu begrüßen…
        ER fand das witzig, ICH habe leider manchmal ein ziemlich übles Temperament, deshalb versucht er das wohl eher nicht nochmal.

        An der Anmeldung lasse ich übrigens gerne jedesmal die Chipkarte geben, dann brauche ich nicht zu fragen 😉

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  4. Schade schade, jetzt konnte der Kinderdok den Bobeles daheim nichts mitbringen – und an Weihnachten gibt’s auch kein Spielzeug, oder? 🙂

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  5. #- 25% der Jungen sind mit fünf Jahren nachts nicht trocken (wusste ich auch schon, aber das kann man nicht oft genug irgendwo erwähnen)#

    Ich wusste es noch nicht und bin grade sehr dankbar für diese Info. Ein Viertel! Beruhigend zu wissen…

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  6. Okay, mein Sohn ist schon fuenfeinhalb, und da wuesste ich doch gerne:
    Wie viel Prozent der fuenfjaehrigen, die nicht trocken waren, sind denn mit 6 immer noch nicht trocken?

    Aus meiner Grundschullehrer-Erfahrung weiss ich, mehr als man denkt (pro Grundschulklasse 1-2, wuerde ich sagen, also 10-20% aller Jungs?), aber es muss ja nicht unbedingt mein Sohn sein, oder? ODER?

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