Forderung der Pädiatrischen Fachgesellschaften: Öffnung aller Betreuungseinrichtungen für Kindern – Mein Corona-Senf IX

Die gestrige Stellungnahme der großen pädiatrischen Fachgesellschaften* ist äußerst lesenswert für alle Eltern, Fachleute und KollegInnen. Sie beleuchtet sowohl den aktuellen Wissensstand rund um die COVID-19-Infektion bei Kindern, das Ansteckungs- und Erkrankungsrisiko und vergisst auch nicht mögliche Komplikationen, wie das beobachtete „Kawasaki-like“-Syndrom. Wir lesen Vergleiche zu anderen europäischen Ländern, welche Infektionsrisiken dort beobachtet werden.

Die Gesellschaften fordern folgende Sofortmaßnahmen:

  • Öffnung aller Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche ohne Einschränkung durch Abstandsregeln oder Maskentragen
  • „Konstanz“ der Gruppe, d.h. keine Durchmischung der einzelnen Klassen (auf dem Schulhof? durch offene Gruppenkonzepte?)
  • Vermitteln von Grundregeln der Hygiene auch an Kinder und Ausstattung sauberer Toiletten mit Papierhandtüchern und Seifenspendern
  • Schutz des Betreuungspersonals (hier durch Abstand und Masken, evtl. „Pooltestung“)
  • Weiterführende Hygienemaßnahmen ab dem 10. Lebensjahr
  • Bei einzelnen Positivnachweisen keine sofortige Schließung der gesamten Einrichtung

Wichtigstes Hintergrundwissen, das diese Forderungen stützt:

  • „Kinder und Jugendliche mit SARS-CoV-2-Infektion zeigen mehrheitlich entweder keine oder nur milde Symptome
  • Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten (bis18.05.2020 im DGPI Register stationär behandelter Kinder ein COVID-assoziierter Todesfall).
  • Der Anteil von Kindern der Altersgruppe bis 10 Jahre an allen positiv getesteten Patienten liegt (…) bei 1 bis 2% und erreicht maximal 6% bis zum Alter von 20 Jahren.
  • Die Infektionsübertragung auf Kinder innerhalb von Familien erfolgt in der Regel durch infizierte Erwachsene (…), während Belege für eine Transmission auf mehrere Erwachsene durch ein infiziertes Kind bisher fehlen.“

Natürlich schränkt die Stellungnahme ein, dass nach Ende des shutdowns sich „eine sorgfältig durchgeführte und durch großzügige Testindikationen unterstützte prospektive Surveillance“ nicht erübrigt. Ein wenig nach den aktuellen „Hygiene-Demo-Argumenten“ klingt der Satz „Schweres COVID-19 ist nach derzeitigem Kenntnisstand in Deutschland bei Kindern keinesfalls häufiger als viele andere potentiell schwer verlaufende Infektionserkrankungen bei Kindern, die nicht zur Schließung von Schulen und Kindereinrichtungen führen“, und zielt damit auf den ermüdenden Vergleich der Grippesaison mit der aktuellen Lage. Gleiche Wasser auf deren Mühlen durch den Satz „dass vor und während der Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche die Folgen für diese Bevölkerungsgruppe nicht thematisiert und die Betroffenen und ihre Fürsprecher nicht gehört wurden, womit die elementaren Rechte der Kinder missachtet wurden.“

Wir wissen weiterhin nicht viel über den Verlauf der Coronainfektionen in Gruppen, wir stützen uns auf die wissenschaftlichen Daten aus anderen Ländern, aber die komplette Öffnung der Kitas und Schulen bleibt trotz alledem ein „in-vivo“-Versuch, möge alles gutgehen. Als Kinder- und Jugendarzt möchte ich gerne die Position teilen, dass ein Fortsetzen des Shutdowns in den Betreuungseinrichtungen zu familiären Konflikten führen wird, die Schere der Entwicklung bei Kindern auseinanderziehen und die psychischen Folgen nicht auszumalen sind. Dennoch vertraue ich als Kinderarzt der Resilienz der kindlichen Psyche, mit der Belastung fertig zu werden. Jeder Tag länger beansprucht diese aber mehr, sicher.

There is no glory in prevention. So sehr wir uns alle die Wiederherstellung der Normalität herbeisehnen: Keine Kinder- und JugendärztIn, keine ErzieherIn, keine LehrerIn, keine Eltern können mir erzählen, dass sie nicht auch zumindest ein klein wenig Zahnschmerzen haben, wenn es demnächst heißt, der shutdown der Kitas und Schulen sei beendet. Was ist mit den ErzieherInnnen und LehrerInnen, die einer Risikogruppe angehören? Dies wird im obigen Paper leider nur am Rande erwähnt, die fielen ja unter die verstärkten Hygienemaßnahmen.

Sorgen bereitet uns in den Praxen die Angst der ErzieherInnen um ein „Einschleppen“ einer COVID-Infektion nach der Öffnung. Bereits jetzt kommen Anfragen nach „sicherheitshalber mal testen“, „negativem Corona-Test vor Schulbesuch“ oder sofortigem Ausschluss vom Kontakt mit anderen, wenn nur einmal gehustet oder geniest wird (wie es das gerade jetzt in der Heuschnupfensaison oft vorkommt). Die Attestitis greift wieder um sich, weil jede einzelne Einrichtung selbst entscheiden muss, ob Kind XY der Besuch erlaubt werden darf oder nicht. Damit beginnt die Erklärugsnot: Ein negativer Abstrich ist kein Garant für Infektionsfreiheit, es gibt genug symptomfreie Träger usw. usf. Genau die obigen Argumente für die Öffnung der Kitas können uns wieder auf die Füße fallen, wenn die Kitas (verständlicherweise) überreagieren aus Angst einer Mini-Epidemie.


*namentlich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ, die Deutsche Akadamie für Kinder- und Jugendmedizin DAKJ, die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie DGPI und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH.

(c) Bild bei publicdomainpictures.net/Piotr Siedlecki (CC0 Lizenz) – „Corona“ 😉

33 Gedanken zu “Forderung der Pädiatrischen Fachgesellschaften: Öffnung aller Betreuungseinrichtungen für Kindern – Mein Corona-Senf IX

  1. Jetzt fordern Verbände also generelle Öffnungen, Mediziner wie Sie, lieber Kinderdok, wollen lieber bei „no glory“ bleiben. Die Argumente jeder Seite sind verständlich und auch nachvollziehbar.

    Aber was sagt man Eltern und Kindern, die weiterhin kein (auch nicht mal annähernd) normales Sozialleben führen dürfen, während aber ansonsten so ziemlich alles andere wieder öffnen darf wie Möbelhäuser, Baumärkte, Autohäuser, Cafes, Restaurants, Biergärten, (EU-Binnen-)Grenzen und sogar für die heilige Bundesliga hat es europaweit als einzige Spitzenliga jetzt auch schon gereicht. Bei letzterer spielt Geld auch beim Testen scheinbar keine Rolle. Hauptsache der Ball und der schnöde Mammon rollen.

    Auch hier hat es keine Folgeabschätzung durch wissenschaftlich fundierte Studien oder Erkenntnisse aus der Zukunft gegeben, auch hier findet „ein „in-vivo“-Versuch“ statt! Komischerweise sind Umfragen zufolge mehr Deutsche GEGEN eine Wiederaufnahme der Bundesliga anstatt GEGEN eine massive Aufstockung der Notbetreuung von Schulen und KiTas.

    Warum nicht lieber zuerst Alten- und Krankenpflege schön regelmässig testen, bevor man Profifußballer regelmässig testet? Warum nicht anschließend erst Bereiche, die zur Kerngesellschaft gehören und für diese einen immens wichtigen Job wahrnehmen wie z.B. ErzieherInnen, LehrerInnen, usw? Ich finde das aktuell an den Tag gelegte Vorgehen momentan einfach nur enttäuschend dreist und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, wenn Schulen und KiTas Millionen Umsatz pro Monat erwirtschaften würden, wären sie schon lange wieder im annähernden Regelbetrieb zu bestaunen.

    Gegenfrage: KiTas laufen ja in vielen Bundesländern seit April bereits wieder im Notmodus. Gibt es denn hier tatsächlich zählbare Meldungen über Covid19-Fälle? Vereinzelt liest man von LehrerInnen, die sich (scheinbar außerhalb der Schule) infiziert haben. Aber über größere Fälle in Einrichtungen, die auch von und unter den Kindern rumgehen, liest man eigentlich gar nichts. Vielleicht sollte man dem „„in-vivo“-Versuch“ ein wenig mehr Vertrauen schenken, wenn es schon für fast alle anderen Zweige in und außerhalb der breiten Gesellschaft mittlerweile auch gereicht hat?

    PS: Ich bin KEIN Anhänger der „Hygiene-Demos“ oder sonstiger Aluhutträgervereine, bevor Sie mich evtl. auch noch mit den Meinungen derer vergleichen möchten.

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    1. Vielleicht weiß ich auch, was es für eine Familie bedeutet, wenn sie plötzlich ein positiv getestes Kind haben. Oder eine Bekannte, die in meinem Alter und ähnlich guter Gesundheit „einfach mal so“ an Corona gestorben ist. Und drei Kinder hinterlässt. Oder eine Kollegin, die sich in der eigenen Praxis angesteckt hat, und das COVID an die eigene Mutter weitergab, die dann daran verstarb.

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      1. Ist es nicht GENAU das, was wir als Fachpersonal NICHT als Bwertungsgrund heranziehen sollten: die eigene (unmittelbare) Betroffenheit über die unvermeidbare menschliche Verwundbarkeit nämlich(auch wenn wir alle tatäglich daran arbeiten, die Menschheit quasi unsterblich machen zu wollen – und ich meine das nicht zynisch!)?

        LG Berta

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        1. Nein, da habe ich ein anderes Verständnis von Professionalität. Nüchternheit im Handeln ok, aber Awareness, dass ein Virus „schleicht“ und plötzlich unbemerkt zuschlägt. Dem wirst Du nur gewahr, wenn es in Deiner Nähe passiert.

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      2. Ich glaube natürlich, dass persönliche Erfahrungen und persönliche Betroffenheit ein ganz anderer Katalysator sind bzw. sein können als fachtheoretisch auf Papiere mit Zahlen zu sehen, ABER: Ich als Nicht-Mediziner halte die aktuellen Zahlen
        (aktive Neuinfektionen, Verdoppelungszahl, Ansteckungsrate) für gering und akzeptabel. Daran lese ich als Nicht-Mediziner ab: Die bisherigen Regeln haben geholfen und helfen – auch mit den ersten Lockerungen, die sich mittlerweile in die Zahlen hinein-manifestiert haben – sehr gut. „Sehr gut“ bedeutet für mich aber nicht, dass alles wieder in bester Ordnung ist und wir wieder Verhältnisse aus dem Februar 2020 herstellen können. „Sehr gut“ bedeutet für mich, man kann ruhig ein paar weitere vorsichtige Schritte in Richtung „Normalität“ machen. Das Bewußtsein in der Bevölkerung ist doch jetzt auch ein ganz anderes als Anfang März; das darf man nicht unterschätzen!

        Mediziner, Virologen und andere, mit Pandemien befasste Personen, mögen dem entgegnen, man hätte mit weniger bzw. gar keinen Lockerungen noch viel mehr und das sicher auch noch viel schneller erreichen können und einiges davon auch noch viel besser machen können. Das mag auch vollkommen richtig sein, nur ist z.B. die Reduzierung/Vermeidung von Verkehrsunfällen sowohl durch die Einhaltung (und auch tatsächliche, ernstzunehmende (!) Verfolgung) von Regeln im Straßenverkehr möglich, als auch natürlich durch das Komplettverbot jeglichen Verkehrs auf der Straße. Damit will ich sagen, dass aus Fachsicht natürlich noch „viel mehr ginge“, wenn man nur wollte, aber es gibt halt doch auch noch andere Bereiche des Lebens, die da ein Wörtchen mitzureden haben. Die Grundrechte lassen – auch wenn sie von Leuten mit niederen Absichten gerne für ihre Zwecke mißbraucht zu werden scheinen – beispielsweise in dieser Sache auch ein Stück weit grüßen. (Und ja, ich weiß, dass die aus Gründen des Infektionsschutzes (zeitweise) eingeschränkt werden dürfen.)

        Um bei meinem fachfremden Verkehrsbeispiel zu bleiben, ich kenne auch Leute, die durch Autos vom Fahrrad geholt wurden und dabei schwer bis tödlich verletzt worden sind. Vieles davon hat mich persönlich auch tief bewegt. Und mit Sicherheit hat es die direkten Angehörigen (v.a. die minderjährigen Kinder dieser Verkehrsopfer) noch umso mehr getroffen als mich, aber deswegen davon auszugehen und z.B. Individualverkehr komplett oder größtenteils unterbinden zu wollen, halte ich für übersteuert, so herzzerreißend diese Fälle auch sein mögen.

        Aus diesem Grund urteilen bei uns auch keine betroffenen Verwandte oder anderweitig Beteiligte über Täter solcher Verkehrsunfälle, sondern neutrale Richter, die sich im besten Fall auch mal für befangen erklären, wenn sie eine solche Sache nicht neutral beurteilen können oder wollen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch nicht, dass die verbliebenen Richter, solche Unfälle mit ihren Folgen emotionslos gegenüberstehen…

        Bitte nicht falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, dass die Meinung von Medizinern, Virologen, Forschern, etc. in dieser Zeit (verstärkt) gehört wird. Aber ausschließlich und vollumfänglich auf diese zu hören und deren Empfehlungen ohne Unterlass zu folgen, halte ich für falsch, da es nur eine einseitige Sichtweise wiedergibt und damit eine einseitige Handlung zur Folge hat. Mir ist aber bewußt, dass individuell Betroffene das auch gänzlich anders sehen und daher ist es auch gut, dass Entscheidungen bei uns in aller Regel nicht (zu) einseitig getroffen werden (können).

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        1. Den Zahlen die einem jeden Tag in den Medien zukommen sollte man aber mit Vorsicht begegnen.
          Hier in Bremen wurden die Geflüchteten in ihrem Lager auch nicht mitgezählt,erst als diese Rabatz machten weil auch sie sich um ihre Gesundheit sorgen machten , sie nun einmal sehr eng zusammen leben mussten und eine Änderung wünschten und die Presse eingeschaltet wurde,kamen Veränderungen der Wohnsituation,sie wurden getestet und die mit einem Positiven Ergebnis wurden dann später auch zu den schon bekannten Fallzahlen dazu gerechnet.
          Da es ja im wirtschaftlichen Interesse der Kommunen liegt das sie die Lockerungen nicht wieder zurück fahren müssen werden die Zahlen der Gesundheitsämter ans RKI wohl nicht das wirkliche Bild darstellen…………….

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    2. Danke, dass Sie bei einer differenzierten Betrachtung bleiben. Spannend ist auch, wie die „kreativen und individuellen Lösungen“ aussehen sollen, die Eltern betreffend, die einer Risikogruppe angehören. Vorschläge anyone? Wie soll ich mich schützen? Trotzdem ist klar, dass ich meine Kinder nicht auf Dauer komplett isolieren kann. Es bleibt schwierig und fühlt sich nach Russisch Roulette an. Zumal sich seit der Maskenpflicht und den Lockerungen viele Menschen nicht mehr an den Abstand und andere Regeln halten. Ich bin leider nicht unverwundbar und empfinde solche Äußerungen der Gesellschaft als Hohn.

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  2. Ein Problem ist die „Vergleichbarkeit“ der „Folgen“ hinsichtlich Tempo und Trennschärfe:
    Wenn wieder Virus –> dann schnell viele Kranke und vllt. auch Tote für alle (unklar, ob das Virus schneller mutiert als der Mensch sich anpassen oder schützen kann). Aber zählbar, nachweisbar, messbar.
    Wenn lange soziale Isolierung insbesondere für junge Menschen –> dann schwer messbare, sehr individuelle und langwierige oder auch sehr verspätete Folgeerscheinungen.
    Und Mensch allgemein reagiert eher auf schnell und erkennbar.

    Die Stellungnahme der Pädiater ist sachlich gut begründet.
    Konkrete Furcht ließe sich bearbeiten.
    Aber Angst lässt sich sachlich nicht fassen oder beeindrucken.
    Und die ist längst das bestimmende Element in der Diskussion.
    Schnell sterben??
    Dann lieber lange langsam leiden, scheint’s.
    Spannende Zeiten,
    sagt Anna.

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  3. Ich weiß auch keine Antwort (weiß ja keiner), aber als Eltern mit vier Kinder zwischen 1 und 8 Jahren fehlt uns einfach die Perspektive. Selbst unseren kleinen Kindern war gut zu vermitteln, dass über einige Woche (bis zum Ende der Osterferien, dann bis zum 03. Mai) kein Kindergarten/ Schule/ Nachmittagsbetreuung möglich ist, und nein, es wurde auch nicht mit anderen Kindern gespielt; null Kontakt außerhalb des eigenen Haushalts.
    Aber jetzt? Wenn es in naher Zukunft keinen verfügbaren Impfstoff gibt, dann geht es immer so weiter? Wie sollen die Familien das schaffen? Die meisten Familien haben ihr Leben so organisiert, dass beide Eltern arbeiten und die Kinder außer Haus betreut werden. Dieser status quo ist mittelfristig nicht mit der Betreuung zu Hause (und ggf. Beschulung, denn ein Tag die Woche für drei Stunden ist für Grundschüler ja eher mal wenig), Lohnarbeit, Care Arbeit etc. zu schaffen. Da bräuchte es jetzt mal eine konkrete Handlungsempfehlung an Eltern und Arbeitgeber? Wie lange soll man die Mehrfachbelastung als ArbeitnehmerIn noch stemmen? Wie lange muss der Arbeitgeber noch Verständnis zeigen, für verschobene Deadlines, unruhige Telefonkonferenzen und Arbeitnehmer die nicht 100% (und vermutlich auch nicht 80% oder 90% ) geben können?
    Das ist für mich die echte Frage.
    Und da hilft kein Muttertagsdankeschönfilmchen der Ministerien, und die Leserbriefe und Politikerkommentare (endlich mal wieder Zeit für die Kinder, endlich mal die Kinder richtig kennenlernen) schon mal gar nicht.
    Wenn es über viele Woche keine Vollzeitregelbetreuung gibt, werden viele Familien ihren Alltag darauf anpassen müssen. Das heißt Stunden in der Erwerbsarbeit kürzen, und ggf. das Leben und die Finanzen (die Mieten in den Städten und die Eigenheimfinanzierungen aller unserer Bekannte baut auf die Einkommen von beiden Elternteilen!) anpassen. Dazu sollten sich die Politiker bitte mal ganz konkret äußern.

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    1. Ich frage im Moment alle Eltern und alle größeren Kinder, wie es so im Shutdown und dem Homeschooling läuft. Begeistert ist niemand, aber alle sind optimistisch, machen „das Beste draus“, und „es gibt Schlimmeres“. Vielleicht schwebe ich in meiner Praxis in einer Filterbubble, wie wir alle.

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      1. … optimistisch, weil die Folgen eben noch nicht absehbar und kaum messbar sind, und hier – im Gegensatz zur Epidemie – ja auch keine Angst verbreitet wird bzw. verbreitet werden muss (?). Wie also sollen die Eltern Normalbürgers „überreißen“, was dabei auf Dauer rauskommt? Wenn es alle „schönreden“ und kalmieren?
        O’Ton Bildungsministerium: „…lässt sich alles aufholen!“
        O’Ton Schwiegervater (90+): „Wir hatten Kriegsabitur, und guck, die Welt ging auch nicht ünner!“
        Aber so einfach wird das nicht werden…
        Anna

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      2. Ja, das homeschooling läuft irgendwie, aber wenn man ehrlich ist, dann ist der Lernfortschritt nicht so, wie er sonst im Präsenzunterricht wäre. Außerdem steht und fällt das mit dem Engagement der Lehrer. Meine Kinder haben größtenteils gute Lehrer, die sich viel Mühe geben, aber wir haben auch die Kollegen, die es sich leicht machen: seit März nur Arbeitsblätter zum bearbeiten geben, keine Kontrolle machen, kein feedback geben.
        Und was mir in der Diskussion aktuell fehlt: was ist mit den Kindern die nächstes Jahr oder 2022 ihren Abschluss machen? Mein Großer macht 2022 sein Abi. Ab den Sommerferien zählen die Noten fürs Abitur. Aber wie soll das gehen nur bei online-Unterricht? Wie sollen da Klausuren geschrieben werden? Wie soll der Abiturstoff geschafft werden, wenn nicht richtig unterrichtet wird.? Es wurde über die diesjährigen Abiturienten viel geredet, aber im Grunde hatten sie die komplette Vorbereitung bis auf ein paar wenige Wochen. Dem Abijahrgang 2021 und 2022 fehlen jetzt schon mehre Monate Vorbereitung. Wie soll das zukünftig fair für alle Schulabgänger gestaltet werden? Darauf hat noch niemand eine Antwort gefunden. Im Interesse aller Schüler muss das aber endlich auch mal in den Fokus rücken. Es kann doch nicht sein, dass die nächsten Jahrgänge der Schulabsolventen jetzt gegen die Wand gefahren werden. Ich sehe da großen Handlungsbedarf, aber bisher so gar keine Aktionen aus den Bildungsministerien.
        Es ist unglaublich frustrierend für die großen Schüler. Sie arbeiten fleißig und mussten schon Lesen-durch-Schreiben und G8 ertragen und werden jetzt schon wieder im Regen stehen gelassen.
        Und es ist doch auch für die Teenager entwicklungstechnsich die totale Katastrophe, wenn diese Monatelang nur zuhause mit ihren Eltern in der Bude hocken dürfen. Teenager brauchen doch ihre Peergroup. Und nur online Kontakt ist halt nicht das gleiche, das haben meine Kinder jetzt schnell gelernt. Die Teenies wollen ihre Freunde doch auch treffen, wollen ihren Freiraum haben (den ich auch für sehr wichtig für die Entwicklung halte), wollen feiern, wollen Sport machen. Erwachsene dürfen das jetzt wieder. Kinder nicht.. Und ich kann es auch nicht erklären, warum wir Eltern auf die Arbeit gehen dürfen und dort auch mit vielen Leuten in einem Raum zusammenhocken, die Teenies aber nur noch 2-3 Tage bis zu den Sommerferien in die Schule dürfen. Warum dürfen Leute in Bus und Bahn und bald wieder im Flugzeug stundenland zusammensitzen, die Schüler aber nicht in der Schule? Warum dürfen sie jetzt shoppen und ins Freibad aber nciht in die Schule?

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      3. Wenn ich mit meinen Kindern bei dir in der Praxis wäre und du würdest mich fragen, wie ich mit der Situation umgehe, würde ich das gleiche antworten. Denn meinen Kindern will ich das Gefühl geben, dass alles ok ist, wir das schaffen und alles wieder gut wird. Ich kann dir aber in Anwesenheit meiner Kinder nicht erzählen, wie oft ich mich weinend im Klo verstecke, weil die Situation, die Perspektivlosigkeit und das social Distancing so schlimm für mich ist.

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      4. Mein Kommentar dazu: ja, die Schule der 8jährigen läuft gut. Die arbeitet nämlich selbstständig, braucht aber auch zwischendurch mal Bestätigung und Rückmeldung. Aber schon mal konzentriert gearbeitet, mit einem 1jährigen, einer 3jährigen und einer 6jährigen daheim? Selbst wenn sie sich bemühen (und wie lange/ oft kann man das verlangen): ständig weint einer, weil der andere…, gibt es Hunger (wie viele Äpfel die verzehren zwischen den Mahlzeiten!), ist etwas umgekippt, muss die Windel gewechselt und Hintern abgewischt werden. Da kann man nur im Schichtsystem arbeiten, und wenn ein Elter nicht von daheim arbeiten kann, halt nur morgens (aber wir haben Frühaufsteher…) bzw. abends. Klar geht das, aber über Monate?
        Und wenn ich dann noch an Familien denke, die extra Päckchen haben (finanzielle Sorgen, Kinder, die eigentlich besondere Förderung brauchen, beengtes Wohnen).
        Ich bleibe dabei: Ja es geht. Aber es braucht eine Perspektive.

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      5. Ich glaube, viele Leute erzählen nicht wirklich die Wahrheit. Das ist mir bei mir selbst aufgefallen: Ich hatte nach ungefähr eineinhalb Wochen Lockdown – ganz ohne Kinder – eine sehr depressive Phase (Therapeutisch diagnostiziert – also auch entsprechend gemeint). Dennoch habe ich auf die Frage „Wie geht es dir?“ meist mit „Gut, gut“ geantwortet. Selbst bei Menschen, die ich sehr gut kenne und die um meine Krankheit wissen. Denn man will ja immer noch nicht als schwach darstehen. Es geht einem ja eigentlich noch ganz gut – gibt ja Leute, denen es schlimmer geht.
        Deshalb denke ich, dass viele Leute so agieren und verstecken, wie schlecht es ihnen geht. Diese Infos bekommt man dann meist anonym oder wirklich im vertraulichen Gespräch besser mit

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        1. Natürlich erzählen die Leute nicht die Wahrheit. Erstmal nicht vor den Kindern, wie ja schon kaehde erwähnt hat und dann gleich dreimal nicht vor dem Kinderarzt, der bei versehentlicher Nennung des falschen Stichworts vielleicht das Jugendamt anruft. Nicht nach den täglichen Schlagzeilen über die befürchtete Gewalt in den Familien während des Lockdowns.
          Das Eingeständnis gegenüber einer „offiziellen“ Person mit dem Kind teilweise überfordert zu sein, können sich vielleicht gutbürgerliche, weiße, zusammenlebende Eltern ohne Folgen leisten. Bei Alleinerziehenden wirds schon gefährlicher, und wenn dann noch Hartz4, sichtbarer Migrationshintergrund oder z.B. deutliches Dicksein dazukommt???

          Plus ganz banal thematisiere ich dem Arzt gegenüber nur die Probleme, die der Arzt lösen kann. Und da der Kinderarzt keine Betreuung verschreiben kann, um die Dreifachbelastung zu lindern, brauche ich es auch nicht anzusprechen. Und verringere damit das Risiko einen Spruch a’la „Jetzt musst du dich mal um dein Kind kümmern“ abzubekommen.

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      6. So eine Antwort würden Sie von mir wohl auch bekommen. Wir haben einen Garten, drei Kinder, die miteinander spielen können, und keine finanziellen Sorgen. Es könnte alles viel schlimmer sein, und natürlich machen wir das Beste aus der vielen Zeit zuhause. Ich würde Ihnen wohl nicht erzählen, dass ich meine Kinder schon so angebrüllt habe, dass wir danach alle vier heulend auf dem Sofa saßen. Ich würde nicht erzählen, dass ich mich zwinge, einfach nicht weiter als zwei oder drei Wochen in die Zukunft zu denken, weil mich die Vorstellung, mit der derzeitigen Situation, vor allem der Nicht-Planbarkeit, vielleicht noch monatelang konfrontiert zu sein, sonst direkt in Tränen ausbrechen lassen könnte. Das sind Dinge, die ich nicht im Rahmen eines Kinderarzttermines, noch dazu in Gegenwart meiner Kinder, thematisieren würde. Meine Kinder würden Ihnen als doch relativ Fremdem (Wir sehen unsere Kinderärztin überwiegend nur zu den Us) wohl auch kaum ihr Herz ausschütten.

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      7. Vllt haben sie Ihre Praxis nicht in einer Stadt. Ich finde, es kommt auch auf die Wohnsituation an. Wir wohnen in einer kleinen Wohnung (in der Stadt), in der jetzt Homescooling, Homeoffice und Kinderbetreuung stattfinden muss, und bis vor kurzem waren nicht mal die Spielplätze geöffnet.
        Ich finde es sehr anstrengend Homeoffice, -scooling, Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, jeden Tag aufs neue meine Tochter zu ihren Aufgaben motivieren, den anderen Kindern irgendwie gerecht zu werden…
        Wenn ich mich im Freundes- und Familienkreis umhöre, bin ich nicht allein. Ich hab genug von dieser Situation, ich bin körperlich und geistig langsam am Ende und nein, wenn mich heute die Kinderärztin vor meinen Kindern gefragt hätte, hätte ich das vermutlich so nicht gesagt.

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      8. Nein Doc, nicht alle sind optimistisch und sind auch bisweilen gar nicht in der Lage, irgendetwas „draus zu machen“. Ich bin es nicht. Aber vielleicht bin ich ja auch das eine gallische Dorf. Würde mich für die anderen freuen, aber ich glaub das nicht so ganz.

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      9. Und wie lange soll so noch weiter gemacht werden? Die 2 Jahre, bis ein Impfstoff für alle vorhanden ist? Hauptsache die Fußballer spielen wieder… Restaurants und Co. werden dann sicher auch noch ne Weile im Notbetrieb laufen, denn das nicht sytemrelevante Personal betreut bzw. beschult seine Kinder zu Hause.

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  4. Hallo, eine Stimme aus Sachsen: Wir machen ja jetzt hier stellvertretend für Deutschland den „In Vivo“‘Versuch. Wir haben zu Hause ein Grundschul- Kind und ein Kindergartenkind. Das Grundschulkind geht seit dieser Woche wieder in die Schule, in seine gewohnte Klasse mit seiner geliebten Lehrerin. Und seine Schule wird nächste Woche wohl im Rahmen einer Uni- Studie begleitet. Alle Kinder seiner und der darunter liegenden Klassenstufe werden sowohl auf das Virus, als auch auf Antikörper getestet. Ich bin sehr gespannt! Das Grundschulkind hat seine letzten beiden Schultage sehr genossen. Das Kita- Kind traut sich noch nicht aus dem Kreis der Familie heraus. Es ist ein Vorschulkind, hat die Situation der letzten Wochen voll erfasst, hat gesperrte Spielplätze gesehen, durfte nicht mit in Supermärkte, durfte die Freundin nicht treffen, hat beim Einstecken eines Ostergrußes ist n den Briefkasten der anderen Freundin, den dort mit Flatterband gesperrten Innenhof gesehen, in dem es sonst gerne mit spielte… Kurz um, wir als Eltern geben uns dem Kind zu liebe dem Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung noch eine Weile hin und gewöhnen es nun mühsam an die „Neue Normalität“. Ich habe hübsche Masken aus Kinderstoffen gekauft, gehe so mit dem Kind einkaufen. Treffe eine Kindergartenfreundin im Park und war heute sogar mit ihm im Park auf einem Spielplatz. Auf den ersten wollte es nicht, es war zu voll. Am zweiten Spielplatz wurden freiwillig nur die Spielgeräte benutzt, die frei waren. Danach hat es selbstständig nach Handdesinfektion gefragt. Wollte dann lieber auch noch etwas radeln, wie die letzten Wochen. Mir hat es heute wieder gezeigt, auch Vorschüler verstehen, dass Hygiene- und Abstandsregeln wichtig sind. Aber auch, dass die vergangenen Wochen tiefe Spuren und auch viele Ängste hinterlassen haben. Ich wünsche mir, dass mein Kind vor Schulbeginn noch ein paar unbeschwerte Tage in der Kita haben kann, sonst wird es auch mit dem Schulstart schwierig. Gleichzeitig machen mir die sinkenden Infektionszahlen Mut, dass mein Wunsch hoffentlich wahr werden kann. Also, dass die Kitagruppe nicht sofort in Quarantäne muss usw…

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  5. Gerade sitze ich in der Schule, während die Abschlussprüfungen Deutsch der Neuner und Zehner laufen.
    Nachdem wir uns wochenlang Gedanken gemacht haben, wie wir die Kurse auflösen und alles Schüler in ihren Stammklassen mit halber Besetzung und trotzdem mit passender Prüfung (Hauptschule oder Realschule) in etlichen kleinen Prüfungsgruppen im ganzen Gebäude verteilt haben…
    Nachdem es getrennte Eingänge, Waschräume, Etagen und Laufwege für die Neuner und Zehner gibt…
    Nachdem mehrere Schüler, die Risikopatienten sind, eine eins zu eins Betreuung in der Prüfung bekommen…
    Nachdem die Hausmeister Tische in ohnehin winzigen Klassenräumen mit dem Zollstock ausgerichtet haben…
    Nachdem die Schüler wochenlang gute Vorbereitung und Hygieneschulung hier in der Schule bekommen haben…

    … war heute Morgen auf dem Schulweg und vor allem direkt vor dem Schulgebäude bei der Mehrheit der Schüler kein Wille zu erkennen, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Die Schüler wissen, worum es geht. Sie wurden umfangreich informiert. Sie wissen, dass die Prüfungen für Sie dieses Jahr gelaufen sind, wenn sie sich jetzt anstecken. Trotzdem fehlt bei den meisten die Bereitschaft die Regeln ernst zu nehmen. Auch die Eltern sind nicht bereit, bei Besuchen in der Schule den Hygieneplan einzuhalten.

    Wir sind so etwas wie eine Brennpunktschule. Ich weiß, wie sehr einige meiner Schüler im Moment zu Hause leiden. Ich telefoniere mit ihnen und mache Mut. Wir bieten Hilfsangebote und Exit-Strategien, wenn es zu schlimm wird. Ich wünsche mir wirklich, meine Klasse bald zumindest ein oder zweimal in der Woche zu sehen und mich davon zu überzeugen, dass es ihnen gut geht.

    Aber wie soll das funktionieren, wenn die Teenager so wenig Bereitschaft zum Einhalten der Hygieneregeln zeigen? Wenn die Familien die Lage nicht ernst nehmen? (Oder nur die Medien des Heimatlandes konsumieren und die Gesetze dort auf ihr Leben hier übertragen, ohne auf unsere Erlasse und Verfügungen zu achten….)

    Ich wünsche mir wirklich Schule und Unterricht mit Schülern und Lehrer im selben Raum. Aber ich frage mich echt, wie das funktionieren soll, ohne dass wir bald alle krank werden.

    (Schon bei der normalen Grippewelle erkranken hier oft so viele, dass wir kurz vor der Schulschliessung stehen. Immer wieder sind dann nur knapp 50 der Schüler einer Klasse anwesend.)

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    1. Und als unabhängiger Beobachter kann ich Ihnen die Sorge nehmen, dass der Schulaufenthalt das Problem ist. Denn auch mit geschlossenen Schulen treffen sich die Kinder und Jugendlichen in Gruppen von 10-20 Leuten auf der Straße oder an anderen versteckten Orten, wo kein Nachbarn sie sehen und sie verpfiffen werden können.

      Alles selbst gesehen. Das Ganze wird von diesen Leuten halt in der Schule genauso weiter durchgezogen, denn man ist es ja aus den letzten Wochen auch schon gewohnt und (O-Ton) „Is ja auch nix passiert dabei, oder?“ und die Eltern mit ihren Verwandten machen es auch (auch selbst gesehen).

      Das ist zwar alles nicht „die Masse“ der Leute, aber es reicht natürlich aus, um Hotspots mit entsprechender Verteilungswirkung zu schaffen. Aber wie will man dieser Handvoll Leute beikommen, wenn aus eigenem Antrieb nicht klappt? Schwierige Lage. Aber auch schon ohne (teilweise) geöffneter Schulen.

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      1. Das Problem der Schulen sind, dass Gruppen die ziemlich zusammen rumglucken miteinander vernetzt werden. Die SchülerInnen die bei uns wieder anfingen hatten sich die ganze Zeit nicht gesehen, jetzt glucken sie zusammen, stecken sich gegenseitig an und dann stecken sie wiederum ihre Gruppen vor ort an (und ihre Familien) Ganz großes Kino…….
        Und ich arbeite auch in einer Brennpunktschule. Viele schülerInnen durften gar nicht raus. Die sind jetzt auch gefährdet. Vor allem weil sie auch noch mit Bus und Bahn kommen.

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    2. Teenager in diesem Alter halten sich nun mal leider für unverwundbar und unsterblich. Zudem kreisen sie gerne nur um sich selbst, da sind so ein „paar alte Leute“ irgendwie egal. Und Ängste zu zeigen ist sowas von uncool. Willkommen in meiner Welt …

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  6. Ein wie ich zugebe etwas resignativer Kommentar aber als doppelt Betroffener (Lehrer und Vater eines dreijährigen) finde ich auch das die Diskussionen völlig aus dem ruder gelaufen sind. Vielleicht ist das aber auch ein unlösbares Problem.

    Die Menschen scheinen der meinung zu sein das die Einschränkungen das Problem sind und nicht der Virus, außerdem scheinen fast alle unter 60 jährigen zu Glauben das sie der virus schon nicht töten wird.

    Deswegen ist in der Schule schon die neue Lässigkeit angesagt, schlecht belüftete Räume mit 10 SchülerInnen die in ca 1 Meter Abstand sitzen, Lehrer die zusammen kopieren, Konferenzen in Klassenräumen statt z.B. in der mensa oder auf dem schulhof, SchülerInnen die in Pulks vor der Schule stehen und sich Umarmen.

    Gestern Abend war ich mit dem Kleinen auf dem Spielplatz, der war VÖLLIG überfüllt und die erwachsenen saßem auch zusammen auf der bank. Das einzige was noch an corona erinnert war das Schild das auf das Spielplatz schild geklebt wurde. mit der Corona Warnung. Abstand halten.
    Ich habe meinen Kleinen nicht zur tagesmutter gebracht. Ich fürchte mich davor Angst vor meinem Sohn zu haben.
    Und die Tagesmutter hat auch eine riesige Angst. Frage mich was das mit meinem Sohn macht wenn er jeden Morgen erst desinfiziert wird.

    Wenn ich mir die aktuelle Statistik aus nembro so angucke hoffe ich das uns das erspart bleibt. ich wüsste aber nicht warum , hier sind ja sogar die fitnessstudios wieder aufgemacht worden.

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  7. Ich melde mich auch mal aus Sachsen vom In-Vivo-Versuch. Wir haben ein Kind in der 5. Klasse und eins in der 1. Klasse.
    Bei beiden Kindern lief das Homeschooling sehr gut, sie waren fleissig und motiviert und haben echt viel geschafft. Ich habe auch das Gefühl bei beiden, dass sie nicht wesentlich viel verpasst haben im Vergleich zu einem normalen Schuljahr. Hätte der Kinderarzt gefragt, hätte ich klar gesagt, bei uns läuft es gut und harmonisch.
    Nun gehen beide wieder in die Schule – das große Kind halbtags für 3 Unterrichtseinheiten mit geteilter Klasse.

    Das kleine Kind sitzt nun mit 24 anderen Kindern in seinem Klassenzimmer fest. Unterricht ist toll, keine Frage. Der Frühhort beginnt 7 Uhr im Klassenzimmer. 8 Uhr beginnt der Unterricht. 12 Uhr ist die Schule zu Ende. Von 8 bis 12 Uhr gibt es Unterricht + 30 Minuten Hofpause + 15 Minuten Zeit für das Mittagessen.
    Anschließend beginnt der Hort – im Klassenzimmer. Und in diesem vielleicht 50 m² großen Klassenzimmer verbleiben die 25 Kinder der Klasse, bis sie (16 Uhr oder so) abgeholt werden.
    Bald kommt wieder die warme Zeit, das Klassenzimmer ist direkt unterm Dach und im Sommer ist es dort heiß. So heiß, dass einem der Schweiß auch ohne sich zu bewegen herunterläuft

    Ich persönlich mache mir Sorgen, wie das für die Kinder werden wird, eingesperrt zu sein.

    Die Bereitschaft und das Verständnis der Arbeitgeber Homeoffice zu ermöglichen für die Betreuung schwindet – denn schließlich gibt es einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Mein kleines Kind wird also – wenn ich es gut organisiert bekomme zwischen 7 und 8 Stunden mit anderen 24 Kindern in einem kleinen Raum sitzen – unterbrochen von insgesamt 45(!) Minuten Hof- und Essenspause. Ziel ist die geforderte Gruppenkonstanz zu gewährleisten.

    Der Horterzieher rät ab, die Betreuung zu nutzen und spricht von Kindswohlgefährdung.

    Und wir Eltern stehen da und wissen jetzt noch weniger, wie wir das perspektivisch organisieren können. Und das bereitet mir mehr schlaflose Stunden in der Nacht, als die letzten 10 Wochen zusammen.

    (und da habe ich jetzt noch nichtmal die nagende Besorgnis bezüglich einer Ansteckung und möglichen schweren Erkrankung betrachtet)

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  8. Oh ja, das ist bei uns in der Schule auch so organisiert, zum Glück liegt das Klassenzimmer nicht unterm Dach. Wir lassen daher unseren Grundschüler nach dem Unterricht (hier 13:00 Uhr) nach Hause gehen. Noch sitzt mein Mann im Homeoffice, noch habe ich Kurzarbeit, da ist immer einer zu Hause. Wie es ab Juni wird, müssen wir auf uns zukommen lassen. Wir üben mit dem Schlüssel die Haustür aufzusperren und werden wohl für den Notfall den Nachbarn Bescheid sagen. Wobei ich hier in der Hortbetreuung echt die Krux nicht verstehe, es wird doch auch angeraten, so häufig, wie möglich den Aufenthalt im Freien zu suchen, da gerade dort auch die Übertragung des Virus unwahrscheinlicher ist. Und unser Schulgelände ist riesig mit Sportplatz in der Nähe. Ich hoffe, dass das dass Hortpersonal bald erkennt. Da muss einfach mehr möglich sein.

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  9. Ich bin auch aus Sachsen.
    Sohnemann (Klasse 4, Schule mit Förderschwerpunkt) geht jetzt seit 2 Wochen wieder in die Schule. Schulaufgaben zu Hause waren eine Qual für alle Beteiligten.
    Wir müssen täglich unterschreiben, dass das Kind und alle anderen im Haushalt symptomfrei sind (Sohnemann ist Hausstauballergiker und niest immer mal). Auch sollten wir täglich unterschreiben, dass er in den letzten 2 Wochen keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Da haben wir uns geweigert, denn woher sollen wir das wissen?
    Die Große (Gymnasium Klasse 7) war am Montag wieder in der Schule. Das nächste Mal geht sie am kommenden Dienstag. Die Klassen sind halbiert. Schule zu Hause lief bei ihr gar nicht. Obwohl sie sonst eine gute Schülerin mit schneller Auffassung ist, hat sie fast keine Aufgaben erledigt. Je mehr Druck von der Schule kam (erst seit etwa 3 Wochen), umso weniger hat sie getan („schaff ich sowieso nicht, also brauch ich gar nicht erst anzufangen“). Wir haben versucht zu helfen, aber Hilfe muss man auch annehmen. Mit 13 ein nahezu unmögliches Ding.
    Wir haben dazu noch eine 3jährige, Mann ist im Homeoffice und ich arbeite 15 Stunden pro Woche. Wir haben es geschafft, aber es war oft grenzwertig.
    Ob ich das so der KiÄ erzählt hätte? Vermutlich nicht. Angedeutet vielleicht. Aber selbst in Covid19-Zeiten haben wir 1 Stunde im Wartezimmer verbracht für die U.
    Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.
    Und was mich am meisten interessieren würde ist, wie viele Menschen schon Antikörper haben, obwohl es keine Symptome gab. Dazu müssten aber sehr viel mehr Tests gemacht werden.
    LG von TAC

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  10. In Sachsen sind Schulen und Kitas tatsächlich seit Montag wieder geöffnet und es läuft gut organisiert ab. Ein großes Lob an die Einrichtungen! Meine Kinder sind glücklich und ich bin es auch, weil ich tatsächlich überfordert war mit Arbeit, Kinderbetreuung und Homeschooling. Den April hatte ich deswegen frei genommen, aber das ist natürlich auch keine Dauerlösung. Natürlich kann ich Gegenstimmen auch nachvollziehen; Es ist letztlich auch nur ein Feldversuch, aber ich hoffe das Beste. Ein zweiter Lockdown wäre kaum auszuhalten.

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  11. Und was hat es jetzt mit diesem Kawasaki-like-Syndrom auf sich?
    (Mein altersschwacher Rechner hat Probleme mit pdf-Dateien, deshalb habe ich auf das Lesen der Stellungnahme verzichten müssen.)

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  12. Kann man nicht wenigstens warten bis die App kommt? Das gäbe zumindest den Gesundheitsämtern Entlastung.
    Die Gruppen strikt zu trennen bringt doch nichts, wenn sich die Kinder dann privat gruppenübergreifend treffen.
    Ohne Abstandsregeln können die Angehörigen der Kinder nicht geschützt werden. Sollen Kinder von Risikogruppeneltern dann zuhause bleiben, Pech gehabt, wir können keine Rücksicht mehr nehmen? Die Risikogruppeneltern müssen aber auch arbeiten gehen. Was dann mit dem Kind machen? Social Distancing zuhause vom eigenen Kind? Kind mit Angst um eigene Angehörige in die Schule schicken? Bestimmt sehr gesund für die Psyche der Kinder.

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