Fit für den Kindernotfall (Buchrezension)

Fit für den Kindernotfall – Cover

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Selten kommen Bücher als Ratgeber auf den Markt, bei denen Du als Leser, also als Doktor, sofort das Gefühl hast, einen Klassiker, Bestseller, Dauerbrenner in den Händen zu halten. Mit „Fit für den Kindernotfall“ ist Kollegin Katharina Rieth ein solcher Glücksgriff gelungen. Bereits beim schnellen Durchblättern animieren die schönen farbigen Tabellen und liebevollen Bilder (von Maren Amini) zum Fest- und Weiterlesen, dabei überfrachtet der Text an keiner Stelle, wichtige Informationen sind schnell ersichtlich, wer jedoch mehr möchte, kann sich in die längeren Textpassagen vertiefen.

Reanimation

Dr. Rieth ist Kinder- und Jugendärztin und gleichzeitig Notärztin, in vielerlei Tätigkeiten im stationären Bereich, aber vor allem auch als Dozentin in Kursen für Kolleg:innen und Eltern. Ihr Herzensprojekt ist mapadoo, eine Elternplattform, auf der man auch an einem Online-Kurs über Kindernotfälle teilnehmen kann. Trotzdem stirbt die klassische Wissensvermittlung „über Buch“ nicht aus, das haptische Erleben auf gedruckten Seiten zum schnellen Nachschlagen ist nicht zu ersetzen.

Inhalt

In zwanzig Kapiteln liegt der Schwerpunkt des Ratgebers bei typischen Notfallsituationen (Fieber, Ohrenweh, Verletzungen, Verbrennungen usw.), die jeweils nach einleitenden hintergründigen Worten auf den Punkt kommen: Wie verhalte ich mich als Eltern? Wann muss ich zur/m Ärzt:in, wann kann ich warten? Flow-Charts, Tabellen und hervorgehobene „Wichtig!“-Kästchen lockern das Buch angenehm auf. Unglaublich modern und für junge netzaffine Menschen: Weitere Verweise sind mit Hashtags versehen, das Buch wimmelt von QR-Codes, hinter denen sich weitere Informationen, Listen und Adressen verbergen. Auch das dicke Literaturverzeichnis findet sich hinter einem Code, was den Umfang des Buches enorm verschlankt, aber den interessierten Kinderarzt in mir kurz verunsichert zurücklässt. Nicht immer ist das Handy griffbereit. Im ebenfalls verfügbaren e-book dürfte aber hier direkt verlinkt werden.

Fit für den Kindernotfall

Frau Kollegin hat sicher beim Schreiben des Buches gemerkt, dass es sich mit dem Erläutern der Kindernotfälle nicht Bewenden lässt, Eltern fragen in den Kursen soviel darüberhinaus, die Erfahrung habe ich auch schon in meinen Erste-Hilfe-Kursen gemacht. Abgerundet wird der Ratgeber daher mit den allgemeinen Themen der Basics wie „Wickeln“, „Tragen“, „Medikamente verabreichen“, der „Hausapotheke“, dem „Reisen mit Kindern“ und – sehr dankbar – „wie man Kinder auf Arztbesuche vorbereitet“. Man spürt in vielen Kapiteln, dass Dr. Rieth gerne noch mehr geschrieben hätte, aber die Kunst liegt manchmal im Weglassen, um den Inhalt nicht zu überfrachten.

Eltern, die ein Buch suchen, das die wichtigsten gesundheitlichen Probleme beim Kind in kurzer Form abhandelt, und dabei froh sind, nicht mit irgendwelchen Rescue-Tröpfchen oder Notfallzückerli belästigt zu werden, finden in „Fit für den Kindernotfall“ genau das Richtige. Ich bin überzeugt, dass der Ratgeber ab sofort auf keinem Büchertisch der Erste-Hilfe-Kurse mehr fehlen wird. Wünschen wir ihm großen Erfolg!


Fit für den Kindernotfall, von Fieber bis Reanimation von Dr. med. Katharina Rieth
Softcover, Verlag medhochzwei, ISBN: 978-3-86216-895-8,
29 €

Bestellen bei medhochzwei (Rabattierung möglich bei Großmengen)
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*Mir wurde ein Exemplar des Buches von Katharina und dem Verlag zur Verfügung gestellt, auch weil ich dem Buch eine Minirezension beisteuern durfte. Dankeschön. Ich hätte mir den Ratgeber aber auch so gekauft.

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6 Antworten auf „Fit für den Kindernotfall (Buchrezension)“

  1. Als EH Ausbilder und Sanitäter, auch im Bereich von Betreuungseinrichtungen wäre ich vorsichtig, das Buch an Etern zu geben.
    ZUgegeben, ich habe es erst angelesen, aber es geht trotz aller Einfachheit und guter didaktischer AUfbereitung sehr in die Tiefe und kann meiner Meinung nach für den Laien mit rudimentärem Hintergrundwissen sehr verwirren.
    Nicht ohne Grund geht man bei der EH Ausbildung immer mehr in Richtung „Einfache Anleitung, ohne zu viel Tiefenwissen über Anatomie“.
    Beispiel:
    Auffinden, bedrohliche Blutung stillen, atmet? –> Seitenlage, Atmet nicht 30 x2 HLW, zur Not nur Herzdruckmassage.
    Dass man bei Säuglingen erst 5 mal beatmet und dann 15 x 2 HLW macht, mag für Eltern gerade noch verarbeitbar sein, aber ERzieherinnen fangen dann schon an zu straucheln. Ab welchem Alter/Größe/Gewicht genau wechsle ich zur Erwachsenenmethode.
    In einem Notfall sind Eltern in einer enormen Stresssituation. Da dann noch solche Dinge zu rekapitulieren halte ich für sehr schwierig.
    Eigene Erfahrung. Selbst als ausgebildetere Sanitäter im wöchentlichen Training mit viel Routine, auch in echten Notfällen, war ich nicht in der Lage bei einem Fieberkrampf meines damals zweijährigen sohnes die Atmung, geschweige dennn den Puls zu prüfen.
    Notruf konnte ich absetzen.
    Das Buch scheint wirklich gut zu sein für Menschen aus dem Rettungsbereich und Personen mit echtem medizinischem Interesse.
    Bei „normalen“ Eltern befürchte ich den AUfbau „gefährlichen Halbwissens2, das ggf. zu mehr Verwirrung und Unsicherheit führen kann.

    1. Lieber Gandalf. Danke für Deine Ansicht, interessante Aspekte. Ich fürchte nur, Eltern wollen meist mehr wissen, als nur das, was in einer zwanzigseitigen Broschüre steht. In meinen Erste Hilfe Kursen wurde genau nach so einem Buch gefragt.
      Jetzt Du: Was empfiehlst Du? m.E. gibt es kaum Vergleichbares auf dem Markt.

      1. Hallo,
        tja, schon eine Weile her, aber du hattest eine Frage gestellt und ich bin dir die Antwort noch schuldig.
        Ehrlich gesagt, ich würde den Eltern kein Buch empfehlen. Ein guter Erste Hilfe Kurs mit Kinderbezug sollte reichen.
        Das pädiatrische Beurteilungsdreieck ist gut erklärt und halte ich für sinnvoll. Aber viel mehr verwirrt die Eltern doch nur. Insbesondere in einer Notfallsituation.
        Ich habe das Buch mittlerweile komplett gelesen und sogar den Online Kurs gebucht und größtenteils angeschaut.
        Meiner Meinung nach geht es einfach zu tief in die Materie und führt im Notfall zu mehr Nervosität und Unsicherheit, weil die Eltern „zu viel wissen“ und ggf. unsicher sind, was denn nun das Richtige war.
        Ich will nicht ins Detail gehen, aber ein Beispiel rausnehmen:
        Im Kurs wird die Reanimation ausführlich dargestellt. Aber die Dame gibt an, dass man den Puls fühlen soll. Zwar sagt sie, dass man nicht länger als 10 Sekunden dafür aufwenden soll, aber das ist meiner Meinung nach Zeitverschwendung.
        Selbst beim Erwachsenenkurs fällt Puls fühlen weg, weil für den Laien nicht zuverlässig machbar. Vor allem nicht in einer Stresssituation.
        Ich erinnere mich an einen Notfall bei meinem damals dreijährigen Sohn. Er hatte Fieber und klappt plötzlich vor unsren Augen zusammen. Keine Reaktion mehr, schnelle Zyanose. Ich ausgebildeter Sanitäter war nicht in der Lage den Puls oder die Atmung zu kontrollieren. Zum Glück „wachte“ er während des Notrufs schon wieder auf.
        Was mir bei dem Buch außerdem aufgefallen ist: Ein Großteil ist mehr ein Ratgeber für den täglichen Umgang mit Kindern, Schwerpunkt Krankheiten und Medizin. Der Textanteil, der echte Notfallthemen behandelt hätte tatsächlich für eine Broschüre gereicht, insbesondere, wenn man dir Ränder und Abstände nicht so groß gemacht hätte.
        Ich weiß, das ist harte Kritik, aber ich habe das Gefühl, dass der eigentliche Inhalt zu „mager war, so dass man die Ränder etwas vergrößert und „Ärztekommentaren“ vor jedes Kapitel gesetzt hat um daraus ein „ordentliches“ Buch zu machen.
        Was mich aber am meisten störte, war der Hinweis auf homöopathische Mittel in der Hausapotheke. Sorry, da bin ich durch, insbesondere bei jungen Eltern, die oft sowieso empfänglich für Schwurbel sind. Wir waren das auch und haben dem ersten Kind noch Osanitkügelchen gegeben.
        Hat mich auch ehrlich gesagt gewundert, dass du das Buch hier empfiehlst.
        Aber wie gesagt, meine persönliche Meinung die hier ausnahmsweise mal nicht mit deiner Meinung auf einer Linie liegt. Aber unterschiedliche Meinungen sind ja gut.
        Nichtsdestotrotz. Danke für dein Blog und auch die sonstigen Empfehlungen.

  2. Wir buchen Katharina für Fortbildungen für Rettungsdienst und Notärzt*innen und ich habe selten eine so engagierte Dozentin erlebt, die das Wissen auch so gut auf einen Punkt bringen kann.

    Danke für die Rezension!

    Empfiehlst Du das Buch dann auch den Eltern Deiner Patient*innen?

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