Filterblase: Wenn Eltern anders entscheiden.

Aus aktuellem Anlass mache ich mir wieder mal Gedanken, vorher Eltern Informationen bekommen und wem sie vertrauen und nicht vertrauen. Gerade bei Neugeborenen, wenn es um das Vitamin K, die Fluorid- und Vitamin-D-Gabe und Impfungen geht, vertrauen Eltern gerne anderen Quellen als den Medizinern. Warum ist das so?

Ungefiltert informieren?

Unbestreitbar herrscht Unsicherheit vor, geboren aus Unwissen, schließlich kann man sich nicht über alles informieren oder Informationen filtern. Wenn wir Eltern werden, müssen wir mit einem Mal Experten werden für Dinge, die in den Jahren zuvor völlig unwichtig waren. Wir müssen Pädagogen werden, müssen Mediziner werden, müssen Ernährungswissenschaftler und Pflegekräfte werden. Das überfordert uns. Eigentlich wollen wir Eltern doch nur gesunde Kinder und diese gesund erhalten.

Also fangen wir an zu lesen. Im Internet, in Ratgebern, in offiziellen Broschüren der BzgA oder vom Kinderarzt. Wir bekommen Bücher empfohlen von anderen Müttern, von Hebammen oder über die Amazon-Bestenliste. Alles ungefiltert für uns und vorgefiltert durch andere, wie viele Dinge heutzutage. Schnell entstehen Fakenews, schnell befinden wir uns in einer Filterblase. Ist die Hebamme esoterisch geprägt, bekommen wir entsprechende Bücher, unterhalten uns mit gleich gesinnten Eltern, bekommen wir gleichgesinnte Homepages empfohlen.

Vielleicht ist auch ein bisschen Skepsis oder gar Protest dabei. Die etablierte Medizin ist im gültigen Zeitgeist korrupt, überwissenschaftlich, will alle mit Medikamenten zudröhnen („Vollpumpen“ ist ein beliebter Begriff) und arbeitet undifferenziert, weil schulmeisterlich schulmedizinisch. Wir möchten alles anders. Anders bedeutet heute „natürlich“, natürlich heißt ohne alles, also auch ohne Medikamente, ohne Vitamin K, Vitamin D, Fluorid, Impfungen, Antibiotika, alles Errungenschaften der Medizin, die die Säuglingssterblichkeit haben sinken lassen.

Als Kinderarzt kann ich nur auf Aufklärung setzen. Ich kann informieren, ich kann seriöse Quellen nennen, und steuere trotzdem die Eltern in meine eigene Filterblase, diesmal die wissenschaftliche, aus meiner Sicht natürlich die richtige. So prallen Welten aufeinander, vereinfacht die klischeehaft naturbelassene Hebammenwelt und die klischeehafte Medikamenten-, Maschinen- und Schulmedizinerwelt. Wofür entscheiden sich die Eltern, wenn sie beide Eltern als gleichberechtigt empfinden? Vielleicht für das Vermeiden, für das Nichtstun, für das Weglassen. Es scheint einen Tendenz im Zeitgeist zu geben.

Eine riskante Entscheidung, geboren aus dem Luxus der industrialisierten Welt: Dank der Einführung mancher Prophylaxen, wie Vitaminen, einschließlich der Impfungen, sind unsere Kinder gesünder als vor Jahrhunderten, die Säuglingssterblichkeit hat rasend abgenommen, die Krankheiten sind nicht mehr präsent. Viele Eltern entscheiden aus dem Bauch heraus, meist vom Hörensagen geleitet oder weil N=1 die leitende Statistik war. Beim ersten Kind hat’s doch geklappt, dann kann man es beim zweiten Mal auch so machen. Bei der Nachbarin hat’s funktioniert, also machen wir es auch so. Trifft die alternativ-esoterische Haltung nun noch auf die statistisch-wissenschaftliche (die ja immer fälschbar sei), geht gar nichts mehr.

Paternalismus?

Wir Mediziner neigen zum paternalistischen Verhalten, dem Folgen von Leitlinien, dem Zurschaustellen des Experten, wie wir hoffentlich als Mediziner wahrgenommen werden, und reagieren ungehalten oder unverständig, wenn Eltern sich anders entscheiden. Realisieren wir die Filterblase, in der sich die Eltern befinden, können wir die Denkweise eventuell durchbrechen. Dies braucht Zeit, noch mehr Informationen, aber auch Vertrauen in unsere Empfehlungen.

Ich gebe zu, dass ich in meiner Praxis oft rigoros reagiere: Impfgegner dürfen nach wiederholten Beratungsgesprächen und fortgesetzter Resistenz die Praxis verlassen, wer das Vitamin K bei U3 abgelehnt hat, wird gleich rausgeworfen, ich halte das für unverantwortlich. Da bin ich paternalistisch par excellence. Vielleicht eine Schwäche meinerseits, aber ich kann eben auch nicht aus meiner Filterblase und muss abends noch in den Spiegel schauen können. Ich sehe mich als Anwalt des Kindes. Auch wenn die Eltern die letzte Verantwortung haben, die ich Ihnen nicht abnehmen kann, steht die Empfehlung zum Schutz des Kindes an oberster Stelle (und der Schutz anderer Kinder, wenn wir von Impfungen sprechen).

Vermutlich gibt es keine befriedigende Lösung der Positionen. Ich kann mich als Mediziner, gerade als Kinderarzt, nicht altruistisch der Position ablehnender Eltern beugen, denn beide, Eltern und ich, sehen in unseren Entscheidungen das beste Wohl für das Kind. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber nur in gemeinsamer Überzeugung, die aber immer einer Durchsetzung meiner Meinung gleichkäme.

Patienten und Ärzte sollen heutzutage™️ Partner sein, gemeinsam Entscheidungen für die Gesundheit treffen. Leider sind die Player, auf dem Gebiet der Gesundheit inzwischen so vielfältig, oder sollen wir sie lieber Influencer nennen?, dass es schon lange keine duale Begegnung mehr ist, und damit der informativoffene Austausch zwischen Patient und Arzt kaum noch gelingen kann. Ich persönlich kann nur tagtäglich auf das Vertrauen der Eltern setzen, dass wir Kinderärzte alles zum Wohlergehen und der Gesundheit der Kinder tun, es gibt keine niederen Beweggründe für unsere Empfehlungen.

„Würden Sie das Gleiche empfehlen, wenn es Ihr Kind wäre?“ Aber sicher.

(c) Bild lizenzfrei bei pixabay/Jordan Holiday (Creative Commons CC0)

62 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Chaoshausen
    Jan 14, 2018 @ 20:36:57

    Wow, wahrscheinlich der beste Text, den ich hier je gelesen habe!

    Antwort

  2. Teddy
    Jan 14, 2018 @ 20:45:00

    Ich bewundere jeden, der es auf sich nimmt – und am Ende sogar schafft – die Filterblase von Impfgegnern zu durchbrechen und Impfgegner zu impfenden Eltern macht! Ich bin kein Arzt – ich habe es trotzdem mehrfach versucht, geschafft habe ich es nie!
    Inzwischen gebe ich es auf … wenn ich mit Impfgegnern in Kontakt bleiben will/ muss/ soll/ darf, dann gibt es ein „Gentlemens Agreement“ – ihr sprecht mich nicht auf Impfen an, dann spreche ich euch nicht auf Homöopathie (oder vergleichbaren Blödsinn) an. Ich weiß – für die Kinder ist es eine schlechte Wahl … für meine Nerven und die (oberflächliche) Konfliktfreiheit der Beziehung ist es die bessere Wahl.

    Antwort

    • Schimmea
      Jan 14, 2018 @ 21:18:38

      Ich versuche auch überall dafür zu sorgen, dass die Leute ihre Kinder impfen oder wenigstens sich die vernünfitgen Argumente, die über Jahre wissenschaftlicher und empirischer Forschung entstanden sind, anhören … als Biologin habe ich da auch gewisse Kompetenzen, trotzdem guckte mich mal eine Nachbarin an, mitten in der Diskussion und meinte: „Ich glaube nicht an Gene.“ Die ist übrigens inzwischen auch Mutter. Der Kinderarzt tut mir Leid.

      Antwort

      • Teddy
        Jan 14, 2018 @ 22:13:50

        Ich bilde mir auch ein, dass ich – auch wenn ich weder Arzt noch Biologe bin – das nötige Wissen habe, um in einer Impfdiskussion „zu bestehen“ – abgesehen davon, dass ich das ganze Repertoire der Impfgegner „drauf habe“ und widerlegen kann.

        Das nützt nur nichts, wenn es nicht erwünscht ist und wenn man nicht mal bereit ist, Fakten zur Kenntnis zu nehmen und darüber nachzudenken.

        „Schön“ finde ich immer, wenn von Impfgegner-Seite kommt, man solle doch mal die Argumente der Schulmedizin/ die Empfehlung der StIKO „kritisch hinterfragen und beleuchten“, man dann aber nicht in der Lage oder Willens ist, den pseudowissenschaftlichen und nachgewiesenermaßen unwahren Unfug der Impfgegner „kritisch zu betrachten“.

        Das sind dann spätestens die Punkte, wo ich entweder den Kontakt abbreche oder aber das oben genannte Gentlemens Agreement in Kraft tritt.

        Antwort

        • Schimmea
          Jan 14, 2018 @ 22:46:47

          Ich denke auch, dass jeder Mittelstufenschüler, der Immunologie im Unterricht hatte, in der Lage sein sollte, die Wichtigkeit von Impfungen zu begreifen und zu vermitteln. Dafür braucht man sicher kein Studium, dennoch ist es eine Frage von Vertrauen in sog. “Experten“, wobei es immer mehr zur Mode wird, als Esoteriker genau denen die Expertise abzusprechen. Also eher Kontraproduktiv, sich als Mediziner/Biologe/Experte zu outen. Hirnrissig, aber passt zur Verbohrtheit. Ist vielleicht vergleichbar, wenn man den Gaussschen Beweis erklärt bekommt: dem nerdigen jungen Mann typ Mathestudent glaubt man eher, als der mütterlichen Bäckerei-Fachverkäuferin, die aber genauso gut im ersten Leben Mathematikerin gewesen sein könnte. Aber ohne das Hintergrundwissen würde man ihren Ausführungen sicherlich eher widersprechen als dem Nerd. Und so hat sich bei den Kontra-Experten-Esoterikern vllt das Bild verfestigt, dass man Medizinern grundsätzlich nicht glauben kann, weil die ja nur Fachidioten sind und keine Ahnung haben … Gleiches passiert auch im Journalismus, wo “echten“/gelernten Journalisten die Wahrheitstreue abgesprochen wird und Medien zweifelhafter Herkunft Glauben geschenkt wird, eben weil diese nicht etablierte Quellen sind und “anders“ arbeiten.

  3. Uli
    Jan 14, 2018 @ 20:56:21

    Schwierige Situation als Arzt, der Anwalt des Kindes sein möchte. Zu seiner Meinung stehen und diese sachlich begründen, das ist aller Ehren wert. Und ich denke, die „rausgeschmissenen“ Eltern und Kinder werden auf lange Sicht auch davon profitieren.

    Denn ich höre dann doch so oft „mein Arzt gibt auch Glaubuli, das nützt also doch was“ oder „er hätte gerne alles geimpft, hat aber auch mitgemacht, als ich nur xy impfen lassen wollte, also die Ärzte sind ja auch oft nicht so fürs Durchimpfen“. Da ist klare Kante besser, denn dann haben auch die „durch-„impfenden Eltern jemanden, der hinter ihnen steht.
    Vielleicht bringt das im Einzelfall jemanden doch noch zum Nachdenken… – ok, vielleicht auch nicht 😦

    Antwort

  4. Stoni
    Jan 14, 2018 @ 21:28:52

    Danke Danke Danke 👍🏼👍🏼

    Antwort

  5. Conny
    Jan 14, 2018 @ 22:30:13

    Vielen Dank für diese klaren Worte! Als Allgemeinmedizinerin kämpfe ich tagtäglich mit diesem Problem. Als Mutter nun auch im Bekanntenkreis. Nun mit einer für mich höheren Brisanz, da auch mein Kind durch Unwissenheit und Ignoranz anderer Eliten gefährdet wird… Bitte veröffentlichen Sie dies doch auch in anderen Medien ( Twitter, Facebook etc.) damit so viele Eltern wie möglich es lesen können!!

    Antwort

  6. mmmmr
    Jan 14, 2018 @ 23:02:26

    Du bist mir sehr sympathisch. Meine Hebamme war auch sehr esoterisch angehaucht-ich lasse aber auch das 2. Kind voll durchimpfen und Globuli gibt es bei mir nicht. Beim Sturz puste und küsse ich lieber als nach Arnica zu suchen 🙊 Und Vitamin K verweigern ist ja echt der Kracher…
    Die Eltern dann hinaus zu bitten ist nur konsequent!
    Zu Impfgegnern sage ich lieber nichts. Die meisten sind logischen Argumenten nicht zugänglich und wissenschaftliche Beweise werden abgelehnt, da da ja auch die böse Industrie ihre Finger im Spiel hat… 😳

    Antwort

  7. Julia
    Jan 14, 2018 @ 23:12:18

    Danke für diese wahren Worte! Mir will es einfach nicht in den Kopf wie man sich einbilden kann, ein bisschen Internet-Lesen würden Jahre des Studiums oder eine Ausbildung ersetzen, egal welches Thema.
    Aber gerade in der Medizin ist das brisant, da nicht nur die eigene Gesundheit gefährdet wird, sondern eben auch die der Kinder (und anderer, bei Impfungen).
    Die meisten Menschen lassen sich nicht in ihr Wissensgebiet reinreden, aus verständlichen Gründen. Aber in der Medizin meint jeder Hinz und Kunz, sich vollumfassend auszukennen und sitzt Mythen und Gefährdern auf.
    Ich wünsche dir viel Kraft in allen folgenden Auseinandersetzungen mit diesen Blasen!

    Antwort

  8. Anonymous
    Jan 15, 2018 @ 05:24:30

    …., Fluor,….., alles Errungenschaften der Medizin, die die Säuglingssterblichkeit haben sinken lassen.
    Ah ja…

    Antwort

  9. sternenkratzer
    Jan 15, 2018 @ 06:35:21

    Eine Freundin von mir ist auch so – die glaubt jedem Elternforum mehr als einem Arzt.

    Antwort

  10. Alexandra
    Jan 15, 2018 @ 07:30:10

    Ist aber auch als Eltern schwierig zu wissen, wem man trauen soll und N=1 ist halt immer ein gutes Beispiel….
    Komme selbst aus wissenschaftlichem Umfeld, aber weiß (leider) auch wie Mediziner Statistik betreiben 😉 von daher sehe ich das selbst manchmal kritisch. Geimpft, etc wird natürlich trotzdem – da käme ich gar nicht auf andere Ideen.
    Aber wenn der Kinderarzt mir dann Empfehlungen von vor 10 Jahren gibt, wenn ich selber (auf seriösen Quellen) nachlesen (oder nachfragen) kann, dass das überholt ist? Ja, dann wechsele ich eigentlich den Arzt, aber das ist ja auch nicht immer so einfach wenn viele keine neuen Patienten aufnehmen. Deshalb lande ich selbst häufiger beim Bauchgefühl als mir eigentlich lieb ist….

    Antwort

    • einfachwahr
      Jan 16, 2018 @ 19:39:46

      Vertrauen heißt ja auch nicht den Kopf ausschalten! Informationen von vor 10Jahren, stell dir vor es gibt sogar Informationen unserer Eltern bzw. Großeltern die heute noch sinnvoll sind. Wir müssen nicht behaupten alles besser zu wissen und das Rad neu erfinden zu wollen.

      Antwort

  11. frau.meerkat
    Jan 15, 2018 @ 09:13:30

    Thema Vitamin K: Wie stehst du zum „niederländischen Schema“ (1mg p.o. nach Geburt, und dann über 3 Monate 25″myg“ täglich)? Das war für mich (als Hebamme im KRS) bislang immer ein Weg, den ich guten Gewissens mittragen konnte – bei reifen, gesunden NG. Bei traumatischen Geburten (VE, Schulterdystokie, …) bestehe ich auf 2mg p.o.

    Antwort

  12. undploetzlichmama
    Jan 15, 2018 @ 09:59:46

    Ich denke es ist sehr wichtig das der Arzt Impfgegner nicht einfach aus der Praxis schmeißt sondern auch den Dialog sucht und durch Argumente überzeugt und nicht sagt weil man es so macht o.Ä. denn durch die ganzen vielfältigen Meinungen im Internet sind die Eltern auch irritiert/verunsichert.
    Natürlich wünscht sich jeder nur naturbelassene Wirkstoffe zubenutzen und dem kleinem Organismus so wenig wie möglich zu“zumuten“, aber einige der wichtigsten Errungenschaften der Medizin sollte man nicht beiseite kehren. Wo wären wir heute ohne Impfungen? Vorsorgemaßnahmen? Antibiotika? etc pp. dann gehen Sie mal in ein Entwicklungsland! Die Leute wollen einerseits die Medikamente nicht einnehmen (ach die böse Pharmaindustrie) aber andererseits verlassen sie sich zu sehr auf die Medizin. Dann stehen in Berlin geschockte Eltern warum ihr Kind an Kinderlähmung stirbt! Oder das es immer mehr resistente Keime gibt, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt…tja Leute die Medizin kann nicht alles oder jeden heilen, deswegen sollte man alles mögliche tun um es zu vermeiden das es so weit kommt.
    Leider erlebe ich häufig, außerhalb meines Studienberufs, dass die Leute einfach keine Ahnung von Biologie oder den einfachsten chemischen Zusammenhängen haben. Das sind leider häufig die die am lautesten schreien…

    Antwort

  13. Nougatcornflake
    Jan 15, 2018 @ 10:17:28

    Wir haben für unser Baby zur Gabe von Vitamin D erstmal ja gesagt. Das Kind bekam fürchterliche Bauchkrämpfe davon. Das haben wir gemerkt, weil die immer sofort weg gingen, wenn wir mal drei Tage auf die Tropfen verzichtet haben und zurück kamen, wenn wir sie wieder gaben. Die Kinderäztin zuckte nur mit den Schultern und meinte, es sei nicht schlimm, wenn wir es nur ab und zu mal geben. Keine Alternative, keine Beratung, und zurück blieben wir unwissend, allein gelassen mit der Frage ob das Zeug denn so wichtig ist, wenn es egal ist, wie oft man es dem Kind gibt. Also haben wir uns halt komplett dagegen entschieden. Manchmal ist der Grund einfach, dass der Arzt die Dinge nicht plausibel erläutert.
    Ein Beispiel ist etwa, dass meine Hebamme mir dazu riet, die Impfung gegen Hepatitis nicht zu machen, das würde nur den kleinen Körper unnötig belasten und wir hätten ja noch vor, dem Kind demnächst ein Tattoo zu verpassen etc…. Ich fragte dann den Kinderarzt (Wechsel nach der vitamin D – Aktion) und der konnte mir stichhaltige Argumente liefern, wieso die Impfung eben doch Sinn macht. Man vertraut dem Kinderarzt, will ich sagen… Aber eben nur, wenn er einem die Bedenken auch nehmen kann durch vernünftige Argumente.

    Antwort

  14. Tanja
    Jan 15, 2018 @ 11:00:07

    die Impfgegner, was hab ich mich schon über sie geärgert… ich impfe meine Kinder und stehe dazu! Aber ich frage auch nach, wenn ich dem Ganzen kritisch gegenüberstehe. Manchmal hilft nur Schulmedizin, und ich bin froh darüber. Ohne Schulmedizin wäre meine Tochter schwer geschädigt, weil sie mit Neuroborelliose inzwischen Nerven und/ oder Hirnschäden hätte. Gäbe es dagegen eine Impfung ich wäre die erste, die sie allen Familienmitgliedern verpassen würde. Andererseits muss nicht jedes Kind jede Impfung bekommen, die Indikationen sind wichtig.
    Ärzte, die einen nicht oder schlecht beraten kann man erkennen und wechseln.

    Antwort

  15. cara
    Jan 15, 2018 @ 14:10:48

    Sehr spannender Beitrag.

    Drei Dinge fallen mir dazu ein:

    Meine Hebamme ist nicht esoterisch oder zumindest nicht mehr als meine Hausärztin 😉
    „Nicht impfen“ ist aus meiner Sicht sicher nicht nur, aber auch ein soziales Distinktionsmerkmal. Man gehört damit einer gefühlt elitären Gruppe von Eltern an, die vermeintlich mehr wissen, besser informiert sind, die Zusammenhänge besser durchschauen als wir Normalos. Und man kann sich so von all den schulmedizinisch manipulierten Lieschen Müllers und ihrer völlig durchschnittlichen Brut abgrenzen.
    Das heißt aber auch, dass sich die Bewegung irgendwann von selbst abschwächen wird. Wenn zu viele Eltern impfkritisch sind, ist das Ganze ja nicht mehr besonders. Dann finden diese Eltern aber bestimmt etwas Neues (die Alleingeburt z.B. hat Potential dafür…).
    Ich persönlich habe ja mit Paternalismus vor allem ein Problem, wenn er darin besteht, dass mir bewusst Informationen oder eigene Entscheidungen vorenthalten werden. Wenn mir im Krankenhaus Tabletten hingestellt werden und die Aussage lautet: „Die nehmen Sie mal“, ohne dass erklärt wird, was das überhaupt ist. Oder wenn mir der Arzt die Information vorenthält, dass eine konservative Behandlung laut Studien genauso erfolgreich ist wie eine OP – das ist paternalistisch.

    Die Haltung, die du vertrittst, ist aus meiner Sicht ein Grenzfall und könnte auch einfach als konsequent bezeichnet werden – weil du die Eltern mit den Informationen versorgst, die für dich maßgeblich sind, und dann überlässt du ihnen die Entscheidung. Du weist ihnen zwar die Tür, wenn es aus deiner Sicht die falsche Entscheidung ist, aber du verabreichst dem Kind das Vitamin K ja nicht gegen ihren Willen oder ohne zu erklären, was das überhaupt ist.

    Antwort

    • cara
      Jan 15, 2018 @ 14:12:57

      Oh, da fehlt meine Nummerierung, und die Absätze fehlen zum Teil auch. So ist es ziemlich schwer lesbar…
      Meine Anmerkungen bezogen sich auf: erstens Hebammen, zweitens Impfkritik und drittens Paternalismus. Vielleicht macht es das klarer. Ist eh ein viel zu langer Kommentar geworden…

      Antwort

  16. Pipapo
    Jan 15, 2018 @ 20:16:58

    Interessanterweise habe ich aus einem sehr gemischten Elternforum dann doch viele sinnvolle Quellen gesehen (und auch die anderen). Dadurch bin ich dann genau da gelandet: nach Stiko geimpft, Vitamin K deutsches Modell,…
    Und „trotzdem“ sog „LZ“-Stillen, Tragen, „fremd“-betreut.

    Antwort

  17. Quasselette
    Jan 15, 2018 @ 23:22:06

    Wobei gerade bei Fluorid scheiden sich auch bei Medizinern die Geister. Klinik gab Vigantoletten mit Fluorid und Kinderärztin welche ohne, weil sie meinte, dass das nicht Not tut, solange Kind keine Zähne nimmt. Selbst mein Zahnarzt meinte, dass es unnötig ist, Fluorid zu verabreichen, wenn keine Zähne vorhanden sind. Und selbst wenn, müsste das Kind sie dann eher kauen als schlucken. Zahnpaste mit Fluorid würde völlig ausreichen, wenn Zähnchen da. Was meint denn der Kinderdoc dazu?

    Antwort

  18. henriettekocht
    Jan 16, 2018 @ 09:04:12

    Das ist im Grundsatz ein Thema, das ich sehr häufig auch mit meinem Tierarzt diskutiere. In der Tierbehandlung treiben sich nämlich mittlerweile die abstrusesten „Heiler“ rum und deren Methoden werden ernsthaft diskutiert, in Anspruch genommen und auch bezahlt.
    Was ist in den letzten Jahren so falsch gelaufen, dass man seinem Tierarzt nicht mehr vertraut, dass man sein Heil bei Tierkommunikatoren und Trolle jagenden Heilern, die allen ernstes behaupten, dass die unsichbaren Trolle für Pferdehusten verantwortlich sind, sucht.
    Was lief und läuft in der Kommunikation zwischen Mensch und Mediziner falsch, dass der Mensch dem Mediziner nicht mehr vertraut und sich nicht allumfassend und richtig behandelt fühlt?

    Antwort

  19. Claudia
    Jan 16, 2018 @ 09:49:22

    Warum ich den Medizinern nicht mehr vertraue? Hab einfach schon zu viele „“Pfuscher“ gesehen, und ja, das sind oft die mit dem größten Ego.
    Außerdem wird man als Eltern oft als lästiges Anhängsel des Kindes gesehen, die sowieso keine Ahnung haben und somit nicht ernst genommen werden.
    Viel Ärzten fehlt auch schlichtweg die Erfahrung, welche aus einem Arzt einen guten Arzt werden lassen. Sie haben immer Recht, da sie das ja studiert haben, und als Mutter ist man nur Leihe und kann man somit getrost ignorieren.
    Ich könnte diese Liste noch ein Weilchen fort führen.
    Und nein, ich bin kein Impfgegner, meine Kinder haben Vitamin K…bekommen, ich gehe zu allen Vorsorgeuntersuchungen…

    Antwort

  20. Dieter
    Jan 16, 2018 @ 10:17:51

    Das Problem verstärkt sich leider noch exponentiell, wenn es Kinderärzte gibt, die impfkritisch sind und mit Aussagen wie „das brauchen sie noch nicht zu machen, lesen sich sich dazu mal etwas ein und dann entscheiden sie das selbst“ kommen.

    Da findet dann ein Austausch mit einem „Arzt“ statt und trotzdem kommt das Gleiche bei heraus.

    Antwort

  21. Toastbrot
    Jan 16, 2018 @ 10:41:17

    Unsere Kinderzahnärztin riet uns tatsächlich auch dazu lieber Vitamin D ohne Fluorid zu nehmen da Fluorid nur am Zahn direkt was bringt. Die Tabletten lullerte Mini eh immer wieder raus, daher gab es sowieso die Tropfen.

    Im übrigen habe ich das Globuligeschwurbel durchaus auch im Krankenhaus abbekommen. Bei einer Gehirnerschütterung hat mir die Stationsschwester Arnikakügelchen empfohlen und war zutiefst beleidigt als ich ihr entgegnete dass ich nicht so der Homöopathieanhänger wäre….
    Auch in der Apotheke bekommt man sowas ständig angeboten und es ist schwierig eine Hebamme zu finden die das nicht auch früher oder später rauszieht. Das sind alles gewissermaßen medizinische Instanzen und es wundert mich nicht dass es so viele Eltern gibt die dadurch in diese medizinische „Glaubensrichtung“ reinwachsen. Selbst in vielen Kindergärten stehen mittlerweile diese blöden Arnikakügelchen.

    Antwort

    • cara
      Jan 16, 2018 @ 11:48:33

      Es gibt da aber Abstufungen. Meine Hebamme und meine Hausärztin haben mir Globuli mit der Haltung „kann man ja mal probieren“ vorgeschlagen. In der Apotheke wurden sie meinem Mann schon mal untergejubelt, obwohl er ausdrücklich etwas Wirksames fürs Kind verlangte.
      Ersteres finde ich nicht so tragisch, weil ich entscheiden kann. Letzteres finde ich unmöglich.

      Antwort

      • einfachwahr
        Jan 16, 2018 @ 19:01:44

        Apotheken sind ganz einfach auch Unternehmen, die teuersten Hustensäfte stehen vorn, es werden viele nicht verschreibungspflichtige Mittel empfohlen z.B. bei Erkältung, weil daran mehr verdient wird als an Rezepten. Da ist jeder Einzelne gefordert kritisch zu sein und man darf wirklich keine altriustischen Motive erwarten. Besorgte Männer sind natürlich leichte Opfer.

        Antwort

        • cara
          Jan 16, 2018 @ 22:02:05

          Das ist mir ja auch klar. Aber wenn jemand ausdrücklich etwas Wirksames verlangt, und ich schaue daheim in die Packungsbeilage und da steht „homöopathisch“ (auf der Packung war es nicht so klar zu erkennen), dann finde ich das schon fast arglistige Täuschung. So weit darf eine Verkaufsstrategie meiner Meinung nach nicht gehen.

        • gedankenknick
          Jan 17, 2018 @ 17:04:02

          es werden viele nicht verschreibungspflichtige Mittel empfohlen z.B. bei Erkältung
          Welche verschreibungspflichtigen Mittel bei Erkältung soll ich denn so empfehlen?
          -Hint1) Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verbietet die Bewerbung verschreibungspflichtiger Arzneimittel außerhalb von Fachkreisen.
          -Hint2) Relenza & Tamiflu wirken
          nur bei einer „echten“ Virusgrippe, bei grippalen Infekt sind sie unsinnig.
          -Hint3) Alle apothekenpflichtigen Antipyretika sind für Erwachsene automatisch (in der apothekenpflichtigen Zulassung) nicht durch gesetzliche Kassen erstattungsfähig, und das seit dem Jahr 2004…

          weil daran mehr verdient wird als an Rezepten.
          AmPrV gilt noch. Daher ist diese Begründung eher blöd. An einem 2€-Einkauf-Schmerzmittel verdiene ich vielleicht 1€, an einem 2€-Einkauf-Antibiotikum verdiene ich so ca. 6€.

          Ich empfehle Dieter-Nuhr-Zitate zur präventiven Anwendung. 😉

      • einfachwahr
        Jan 17, 2018 @ 17:38:05

        Mal ehrlich, wer kauft denn „nur“ ein 2 Euro teures Schmerzmittel? Wer sich in Apotheken zwecks Erkältung beraten lässt geht doch eher mit einer Tüte an verschiedenen Säften, Tropfen und Tabletten wieder heraus und da ist man gut und gerne mit zweistelligen Beträgen dabei. Die Haupteinnahmequelle sind teure wirkstoffkombinierte Hustensäfte, Cremes, Nahrungsergänzungsmittel. Rezepte weniger.

        Antwort

        • Caltara
          Jan 17, 2018 @ 18:57:12

          Auch wenn Apotheken hier nicht das eigentliche Thema sind, möchte ich das vorangegange nicht so stehen lassen: Lesen bitte Seite 57 unter https://www.abda.de/fileadmin/assets/Pressetermine/2017/DAT_2017/PK/ABDA_ZDF_2017_Brosch.pdf Der Umsatz der Apotheken speist sich zum Großteil aus Quellen, auf die die Apotheke keinen Einfluss hat, nämlich aus dem was die Ärzte verschreiben.

        • einfachwahr
          Jan 17, 2018 @ 19:49:45

          Und warum werden die rezeptfreien Produkte dann so beworben und offensichtlich vorn oder demonstrativ im Freihandbereich ausgestellt? Komisch, dass kein neutraler Tresen ausreicht, oder? Apotheker sind doch immer auch Unternehmer.

        • gedankenknick
          Jan 18, 2018 @ 10:04:18

          Und warum werden die rezeptfreien Produkte dann so beworben…
          Weil sie – im Gegensatz zu verschreibungspflichtigen Produkten – beworben weren dürfen.

          …und offensichtlich vorn oder demonstrativ im Freihandbereich ausgestellt?…
          Und hier gehen die Missverständnisse schon wieder los. Denn hier muss unterschieden werden zwischen
          1) freiverkäuflichen Arzneimitteln, die im „Griffbereich“ des Kunden/Patienten sein dürfen, die selbiger auch direkt in die Hand nehmen kann, und die letzthin auch jeder Supermarkt handeln darf (wenn denn eine „Sachkundige Person“ mit 3-Tages-Kurs-Bestätigung angestellt ist).
          2) Apothekenpflichtigen Arzneimitteln, die nur im „Sichtwahlbereich“ – also „hinter dem Tresen“ – stehen dürfen, so dass der Kunde/Patiente diese zwar sehen, aber nicht alleine auf diese zugreifen kann. Bei Nachfrage winkt dann im Zweifelsfall die „Zwangsberatung“, die nie jemand haben will, und deren Abwesenheit dann anschließend aufs Schärfste kritisiert wird.

          Komisch, dass kein neutraler Tresen ausreicht, oder?
          Jaja, der Tresen. Apotheken sind keine Kneipen und haben eine „Handverkaufstisch“, kurz HV, genannt, aber das nur am Rande. Warum sollten denn Apotheken den „Tresen“ nicht zur Präsentation von Ware und Angeboten nutzen dürfen wie alle anderen Händler auch? Wieder mal ein „Sonderbereich“, wo Apotheken zusätzlich mal wieder etwas NICHT dürfen, was bei allen anderen „Marktteilnehmern“ total normal ist? Wäre ja nicht so, als ob Apotheken nicht schon jetzt die am heftigsten reglementierten Kaufleute Deutschlands wären (denen sogar in bestimmten Handelsbereichen Einkaufspreise, Verkaufspreise, mögliche Rabatte usw. gesetzlich VORGESCHRIEBEN sind)…

          Apotheker sind doch immer auch Unternehmer.
          Richtig. Und Ärzte sind auch „Unternehmer“ und werben teilweise offensiv für (teilweise fragwürdige) IGeL-„Produkte“; und letzthin ist sogar die „Freiwillige Feuerwehr“ eine Art „Unternehming“, und wirb für Spendengelder und neue Mitglieder… Alternativ wäre natürlich, wenn alle Apotheker verbeamtet würden, und der Staat einfach alle Apotheken aufkauft und selber betreibt. Das 2HM-Schlechtachten schlägt letzthin dieses (oder den kompletten Übergang des Versorgungssektors des Gesundheitswesens an ausländische Kapital-Großkonzerne) vor. Ob dies dann für mehr Beratungsqualität bei gleichzeitig sinkenden Preisen sorgt, wage ich allerdings zu bezweifeln – zumindest wenn man sich die Entwicklung in der DDR (Staatsbesitz) oder aber Polen, Schweden, Norwegen usw. (Großkonzerne) anschaut…

        • einfachwahr
          Jan 18, 2018 @ 11:59:14

          Genau das habe ich gemeint- Apotheker sind eben ganz einfach auch Unternehmer- wenn auch spezielle. Sie müssen am Ende des Tages auch sehen dass die Einnahmen stimmen, das Personal bezahlt werden kann etc. Daher darf man einfach keine altruistischen Motive erwarten. Sicher, die wirkstoffkombinierten Säfte, Tropfen, Tabletten gegen Erkältungbeschwerden helfen irgendwie auch (und genau die teueren Produkte sind im Sichtbereich ausgestellt), aber letztlich hätten es ein paar Hausmittel, einfache abschwellende Nasentropfen und Schmerzmittel auch getan.

        • gedankenknick
          Jan 18, 2018 @ 14:05:58

          Sicher, die wirkstoffkombinierten Säfte, Tropfen, Tabletten gegen Erkältungbeschwerden helfen irgendwie auch…
          …und werden wie blöde verlangt, selbst wenn man aus pharmazeutischen Gründen von abrät…

          …aber letztlich hätten es ein paar Hausmittel, einfache abschwellende Nasentropfen und Schmerzmittel auch getan.
          „Oh oh! Das ist SO billig, das wirkt doch gar nicht!“ Ansage einer Patienten auf meine Empfehlung von 10 St. Paracetamol-500,g-Tabletten für 0,96€ gegen Kompf-u.-Gliederschmerzen und Fieber (auf Nachfrage: „Ich brauche ein Schmerz- und Fiebermittel! Aber ohne Nebenwirkungen! UND JA NICHT SO TEUER!“)

          Und abschwellende Nasentropfen und -sprays sind derzeit GANZ böse! Wenn man sich als Apotheker just dabei erwischen läßt, wie man NICHT davon abrät, wird man von Prof. Glaeske höchstpersönlich als „suchtverursachender Dealer“ gestempelt: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/glaeske-fordert-werbeverbot-fuer-nasenspray-swr-marktcheck/

          Fürwahr, führwahr… Was man als Apotheker empfiehlt – IMMER ist es falsch…

        • gedankenknick
          Jan 18, 2018 @ 14:07:40

          10 St. Paracetamol-500m>/b>g-Tabletten natürlich, das Komma war ein Tippfehler und liegt rechts neben dem „m“. Verzeihung bitte.

  22. Caltara
    Jan 16, 2018 @ 14:23:57

    Als Apothekerin stehe ich oftmals vor dem gleichen Problem. Ich werde ständig von Kunden mit einem Präparatewunsch konfrontiert, die dann auf Nachfrage Beschwerden angeben, die mit dem Präparat nicht adäquat behandelt werden können oder sogar nachgewiesen unwirksam oder auch schädlich sind. Wenn man diese Personen dann darüber aufklärt und ihnen anbietet, etwas zu empfehlen, was evidenzbasiert wäre, bestehen sie trotzdem auf das Präparat, weil es beim letzten Mal so gut geholfen hat/die Nachbarin es empfohlen hat/sie die Werbung überzeugt hat etc. Der Rat von Experten zählt in unserer Informationsgesellschaft weniger, da viele glauben, dass sie durch Dr. Google ab alle Informationen gelangen können, wie die Menschen vom Fach und sich deswegen ihre Meinung viel besser selbst bilden können. Hinzukommt, dass die meisten Entscheidungen nicht rational, sondern rein emotional behaftet sind. Gegen Emotionen kommt keine Studie der Welt an. Jemanden mit Flugangst überzeugen auch zich Statistiken über Flugsicherheit nicht. Von daher müssen wir uns als Heilberufler glaube ich immer mehr darauf einlassen, die Menschen über diese emotionale Ebene zu gewinnen, was denke ich auch den Erfolg alternativer Heilmethoden erklärt, auch wenn es dem Wissenschaftler in uns widerstrebt. Just my two cents.

    Antwort

    • einfachwahr
      Jan 16, 2018 @ 19:35:55

      Wenn Jemand wirklich auf etwas besteht würde ich- nach kurzer Information- den Teufel tun ihn davon abzubringen. Sollte dann nämlich etwas schief laufen, wer wird wohl Schuld sein? Letztendlich beruhen viele unserer Entscheidungen auf Emotionen, das müssen wir einfach zur Kenntnis nehmen

      Antwort

    • Teddy
      Jan 16, 2018 @ 20:44:00

      Moin,
      doch – Statistiken überzeugen auch (manche) Leute mit Flugangst.

      Ich WEISS sehr wohl, dass Fliegen statistisch das sicherste Reisemittel ist – daher fliege ich auch. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich aus verschiedenen Gründen im Flieger sehr unwohl FÜHLE!

      Antwort

    • Anonymous
      Jan 18, 2018 @ 11:24:45

      Danke, Gedankenknick und Co für die fundierte (und wie üblich amüsant zu lesende) Antwort!
      Eigentlich passt die aufgekommen Diskussion ganz genauso zur „Filterblase“…

      PS: Wäre eigentlich doch ein schöner Anlass mal wieder im Blog zu schreiben 🙂 :-)?

      Antwort

  23. einfachwahr
    Jan 16, 2018 @ 22:31:58

    Vitamin D- Empfehlung es im 1. Jahr zu geben, Blähungen treten naturgemäß in den ersten Monaten auf, oft ohne den genauen Auslöser zu kennen und verschwinden wieder genauso wie sie gekommen sind. Ich kenne keine Kinder von über 9 Monaten die noch solche Blähungen haben, aber oft bekommen diese Kinder noch Vitamin D- also was war eher da das Huhn oder das Ei?

    Antwort

  24. grübelix
    Jan 17, 2018 @ 01:27:20

    Ein großes Problem ist meines Erachtens auch aus der „Erwachsenenmedizin“ importiert und ich möchte es als zusätzlichen Erklärungsansatz in den Raum stellen:

    Das Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte ist nicht mehr so gegeben, wie es einmal war. Das hat Gründe, die in der Ökonomisierung des Medizinsystems liegen und da auch – wie die meisten inzwischen ja wissen – Ärztinnen und Ärzte Menschen sind, machen sich auch Behandelte und ihre Eltern ihre Gedanken.

    Eine prominente, sicherlich relevante Fragestellung, ist die um nicht unbedingt nötige Operationen, wie sie ja immer wieder mal diskutiert wird. Das macht Angst!
    Aber auch im ambulanten Bereich, beispielsweise in gynäkologischen Praxen (und genau dort haben junge Mütter in den vergangenen Monaten ja viel Zeit verbracht!), können junge gesunde Frauen regelmäßig erleben, wie ihnen Dinge angetragen werden, deren Nutzen nicht erwiesen ist (startet bei vaginalen Schalls ohne Beschwerden, endet bei irgendwelchen dubiosen Energietherapien und Vitaminkuren). Das gilt in manchen Fällen auch für Kassenleistungen. Ein Beispiel sind die Praxen an vielen Orten, die Pillenrezepte nur gegen Pap-Tests im sechsmonatigen Rhythmus ausstellen, selbst wenn die Abstriche immer einen IIer-Befund ergeben. (Okay, nicht das beste Beispiel für Jungeltern, aber wer hat heute vor einer Schwangerschaft noch nie verhütet?)
    Ach so, n= ungefähr 20, mein in Deutschland verstreuter Freundeskreis, aber in dieser Häufung erschreckt es mich.

    Ich glaube, dass aus solchen, auch singulären, Erfahrungen ein Misstrauen gegen das medizinische System als solches erwachsen kann, selbst wenn es dem konkreten Arzt, der konkreten Ärztin Unrecht tut. Und dann fangen die Leute an zu googeln… und nicht alle haben gelernt, Quellen nach ihrer Güte und Erscheinungsform zu bewerten, Autorinnen und Autoren richtig einzuordnen, Statistik zu verstehen etc. Und plötzlich lehnen dann Eltern sinnvolle Dinge wie Impfungen ab, obwohl sie eigentlich nur ihr Kind schützen wollen. Den Kinderdoc haben sie dann ja auch gerade erst kennengelernt, woher sollen sie wissen, dass sie gerade ihm/ihr vertrauen können?

    Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Erklärungsansatz die Situation mancher Eltern korrekt beschreibe. Aber ich fände es interessant, weiter darüber nachzudenken. Sollte dies zutreffen, dann müsste man nämlich den Umgang mit „verweigernden Eltern“ eventuell verändern/andere Kommunikationsstrategien entwickeln, um sie doch noch von Vitamin K und Impfungen zu überzeugen.

    Antwort

    • Caltara
      Jan 17, 2018 @ 08:10:27

      Den Einfluss der Ökonomisierung des Gesundheitswesen kann ich von meiner Seite aus voll bestätigen. Es war für mich der Hauptfaktor mich für eine außerklinische Geburt zu entscheiden, weil meine größte Angst war in einer Klinik zu landen, wo mir diese oder jene Intervention auch unter wirtschaftlichen Erwägungen vorgeschlagen würde und man unter der Geburt dann nicht mehr unbedingt die Ressourcen hat das alles zu beurteilen. Meine Frauenärztin versuchte dabei auch stets, sogar bis einen Tag vor der Geburt, mich von einer Klinikgeburt zu überzeugen, konnte mir auf Nachfrage aber keine objektiven Gründe nennen (hatte eine völlig unkomplizierte Schwangerschaft), sondern ihr Hauptargument war immer wieder, dass ich ja nicht wissen könne, was alles passieren könnte. Natürlich hatte sie da recht, aber ich plante ja auch keine Alleingeburt, sondern eine Geburtshausgeburt mit 2 erfahrenen Hebammen,die letzten Endes eine völlig unkomplizierte Hausgeburt wurde. Aber das ist ein anderes Fass… Fakt ist, dass Patienten durchaus die Motive der ärztlichen oder in meinem Fall apothekerlichen Empfehlungen hinterfragen, wenn Geld dahinter steckt. Unserem Berufsstand wird auch immer vorgeworfen, bestimmte Präparate zu empfehlen, weil sie nur verdienen wollen. Ich habe noch das Glück einen Chef zu haben, der uns da völlig freie Hand lässt und ich somit evidenzbasierte Empfehlungen aussprechen kann, ohne auf den Rohgewinn zu schielen. Anderswo ist das schon anders, wie ich von Kollegen weiß.

      Antwort

  25. Börni
    Jan 17, 2018 @ 10:13:53

    Wer Fakten nicht zugänglich ist oder nur seiner Filterblase traut, würde ich mir einen radikalen Ansatz wünschen:

    Ohne Impfung = kein Kitaplatz. Alternativ: kein Kindergeld.

    Wenn es um das liebe Geld geht, werden auch die festesten Überzeugungen ganz schnell über Bord geworfen.

    Diese elendig langen Diskussionen sind doch nur noch nervend und bringen auch nichts. Es ist doch ein immer größer werdendes Phänomen unserer Gesellschaft, dass immer weniger die Bereitschaft vorhanden ist, die eigene Denkweise kritisch zu hinterfragen bzw. eigene Fehler als solche einzugestehen oder anderen Sichtweisen rechtzugeben.

    Antwort

    • Teddy
      Jan 17, 2018 @ 21:21:08

      Das sehe ich auch so. Ich würden das Kindergeld bzw demn Kinderfreibetrag bei der Steuer an den Nachweis von Imfungen nach StIKO koppeln.
      KiGa- und Schuldbesuch damit zu koppeln, davon halte ich nichts … aber das Geld, das greift.

      Die Australier haben das übrigens kürzlich so eingeführt … was da plötzlich an KIndern nachgeimpft wurde, war offenbar gewaltig!

      Antwort

  26. einfachwahr
    Jan 17, 2018 @ 10:40:00

    Ja genau so ist das. Viele Leute reden bei vielen Themen mit von denen sie keine Ahnung haben. Laien lesen Dinge die sie nicht verarbeiten können, Informationen die sie nicht einordnen können weil Fachwissen fehlt und die dann Angst machen. In dem Wunsch nichts unversucht zu lassen wird genau das Falsche getan. Ich denke Information ist wichtig aber kurz und knapp- keine langen Reden und Diskussionen. Entweder man hat Beschwerden und sucht Hilfe (oder eben Prävention) , wenn dann ständig hinterfragt und abgelehnt wird kann die Not ja nicht allzu groß sein- dann wäre für mich auch Schluß.

    Antwort

  27. Achromasie
    Jan 17, 2018 @ 22:48:23

     „Impfgegner dürfen nach wiederholten Beratungsgesprächen und fortgesetzter Resistenz die Praxis verlassen, wer das Vitamin K bei U3 abgelehnt hat, wird gleich rausgeworfen, ich halte das für unverantwortlich.“
    Entschuldigung, aber: Gerade diese Kinder würden doch den Blick eines Mediziners wie Ihnen am nötigsten haben! Gerade diese würden doch profitieren von den U-Untersuchungen bei Ihnen, Sie könnten feststellen, ob die Eltern auch an anderer Stelle unverantwortlich handeln und zugunsten der Gesundheit des Kindes eingreifen. Wäre es nicht für die betroffenen Kinder viel besser, Sie würden sie in der Praxis behalten? Und ist es deswegen nicht auch etwas unverantwortlich, sie rauszuschmeissen?

    Antwort

  28. Anja
    Jan 17, 2018 @ 22:58:36

    Sehr richtig!

    Ich fürchte, ich habe nur gerade einen Platz bei einer Tagesmutter nicht bekommen, weil das Kind geimpft ist. Was soll man da noch sagen?

    Zweite Anmerkung/Frage:
    Gibt es irgendeine Information zum Umgang mit ungeimpften Kindern auf Klassenfahrt?
    Ich finde im Netz leider sehr viel Infos für Eltern, wie man das ungeimpfte Kind schriftlich „absichert“.
    Vielleicht hat da ja jemand was brauchbares für Lehrer/Erzieher.

    Antwort

    • einfachwahr
      Jan 17, 2018 @ 23:23:29

      Im Prinzip geht es ja um Tetanus und da ist es so, wenn wegen einer Verletzung ärztlich behandelt wird und der Impfstatus ist unklar wird geimpft- aktiv und passiv. Das zählt dann – genau wie bei einer Not-OP- auch nicht als Körperverletzung.

      Antwort

  29. gedankenknick
    Jan 18, 2018 @ 18:10:54

    Ach ja.. zum Thema:
    Filterblase. Ich bekomme nur die Informationen gezeigt, die sowieso meine Meinung bestätigen. Ich weiß nur von Produkten, die ich sowieso schon habe. Algorithmen großer Firmen bestimmen (über) mein Leben. Usw. Zusammengefaßt: Ich glaube, ich lebe auf einer unendlichen Welt, denn ich kann unendlich weit gehen. Dabei befinde ich mich von außen betrachtet nur auf einer winzig kleinen Kugel.

    Ich empfehle hierzu mal das Buch „Quality Land“ von Mark-Uwe Kling. Auch wenn er auf dem 34C3 gesagt hat, dass ihm das mit der Erfindung des Social-Media-Real-Life-Rankings Leid tue, da er nicht hat ahnen können, dass die Idee in China nun verwirklicht wird.
    Denn in QualityLand lautet die Antwort
    auf alle Fragen »OK«. http://qualityland.de/ 😉

    (Weder verwandt noch verschwippschwappschwuppschwägert.)
    34C3 Auftritt: https://www.youtube.com/watch?v=0RYNou7Tv0E

    Antwort

  30. SaS
    Feb 26, 2018 @ 01:49:16

    Nun, ich würde mir wünschen, dass die befolgten Leitlinien aus diesem Jahrtausend stammten. Ich könnte eher vertrauen, wenn man mal von zwei Kinderärtzen ein und dieselbe Therapieempfehlung ausgesprochen bekäme. Ist zumindest in unserem Fall selbst bei etwas so banalem wie Husten/Bronchitis nicht möglich. Da muss man sich die aktuellen Leitlinien schon selbst raussuchen (So bin ich im Übrigen über diesen Blog gestolpert)…Und dann aus dem bunten Sammelsurium an Medikamenten, die sich zu Hause bei zwei Kindern anhäufen (Salbutamol Tropfen zum Einnehmen und Inhalieren, Salbutamol Pulver, Ambroxol, Prospan + die ganzen begleitenden Medikamente gegen Fieber + Schnupfen + gereizte oder entzündeten Augen, achja und Ohrenschmerzen) das Passende raussuchen.
    Ich glaube ich kippe mir gleich selbst ne Pulle Otovowen hinter die Binde. Sicher besser als dem Säugling den 43% igen Alk alle paar Stunden einzuträufeln.

    Antwort

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