Mein Corona-Senf XII – #ZeroCovid

Corona

Ich bin in einer pandemieprivilegierten Situation. Ich habe einen Beruf, der mehr als kompatibel mit der gesundheitlichen Lage ist, meine Frau ebenso, meine Kinder sind weitestgehend selbstständig in ihrer schulischen Ausbildung (vielmehr lassen sie sich sowieso da nicht reinreden), meiner Praxis geht es ausreichend gut, auch wenn die letzten drei Quartale weit unter den Zahlen des Vorjahres lagen. Meine Haare sind mittlerweile nicht mehr ansehnlich, ich vermisse Kino- und Konzertbesuche und ein leckeres Restaurantessen mit oder ohne Freunde. Vor allem fehlen mir Bummeleien in der Innenstadt, das sinnlose Schlendern durch Geschäfte und das Zeitvergessen in Buchhandlungen und/oder Bibliotheken. Wir waren schon immer keine Partyfamilie, die nächsten Verwandten wohnten schon immer Hunderte von Kilometern entfernt, die Großeltern sind nicht mehr da oder wurden bisher auch nur zweimal im Jahr besucht. Die Katze sorgt für die Streicheleinheiten, der Hund erlaubt das Hausverlassen auch nach 20 Uhr.

Ich sehe auch die Probleme der derzeitigen Strategie der Pandemiebewältigung in Deutschland. Ich verstehe, dass es es vielen Geschäften, Restaurants und Dienstleistern sehr schlecht geht, ich sehe in der Praxis die Zunahme an psychologischen Problemen für Kinder und Jugendliche, ich sehe, dass es Familien schlechter geht, denen es „vorher“ schon schlecht ging, und dass die Familien gut zurechtkommen, die schon immer mit allem gut zurechtkamen. Meine fMFA haben Kinder, müssen Homeschooling auf die Reihe bekommen, werden intrafamiliär durchgeschüttelt, aber als Arbeitgeber haben wir ihnen allen zumindest durch vorübergehende Kurzarbeit, attraktiv-flexible Arbeitszeiten die Anstellung gesichert.

Ich würde vielleicht anders argumentieren, wenn meine Situation eine andere wäre. Das macht jeder, außer vielleicht die Politiker. Aber nein, vielleicht auch diese nicht. Woher weiß ich, dass die Entscheidungsträger nicht so entscheiden, wie sie entscheiden, weil ihnen nun doch die Haare zu lange werden, sie gerne mal wieder Shoppengehen wollen oder Blumen einkaufen? Das erinnert mich an den Kommunalpolitiker hier im Nachbarlandkreis: Lange Zeit wurden die Hilferufe der Eltern ignoriert, dass sie keinen Kinderarzt für ihre Neugeborenen finden, die Bedarfsplanung gestützt, wonach angeblich zuviele Kinderärzte niedergelassen seien, so dass keine neue Praxis eröffnet werden kann. Trotzdem stehen die Eltern Schlange. Dann kam der Nachwuchs für den Kommunalpolitiker, er erlebte die Realität in eigenen Familie, der Vorsitzende der KV wurde bemüht und – Zack – hatten die Kinderärzte eine Verpflichtung zur Regulierung auf dem Tisch, wohlgemerkt ohne, dass sich etwas an der eigentlichen Misere, nämlich dem Niederlassungsstopp, etwas änderte. Die Umgebungsstrecke wird schneller gebaut, wenn der Baudezernent in der überbeanspruchten Durchgangsstraße des Fachwerkhäuserortes wohnt.

Ich bin also voreingenommen, da wenig betroffen von den Auswirkungen der derzeitigen oder vergangenen Entscheidungen zur Coronapandemiebewältigung. Ich bin kein Statistiker, kein Epidemiologe, kein Virologe. Aber alle drei Berufsgruppen bringen genug Beispiele in den letzten Monaten hervor mit Menschen, die richtig oder falsch lagen. Das liegt in der Natur der Sache eine Pandemie. Auch der Blick in andere Länder mag täuschen: Jede Bevölkerungsstruktur ist anders, jedes Gesundheitssystem, jede politische Führung. Mal werden die diktatorisch geführten Länder als Positivbeispiel geführt, mal die aufgeklärten weiblich geführten. „In the long run“ vermute ich, dass die meisten Länder prozentual bei den gleichen Coronaverlusten enden werden, ausgenommen vielleicht Sonderfälle wie Neuseeland (klein, abschottbar, ja, auch die Mentalität der Menschen spielt hier eine Rolle) und USA (weil zu spät reagiert).

Die gefühlte Situation ist für die meisten so: Die Infektionszahlen gingen zuletzt zurück, aktuell stagnieren sie. Man kennt wieder niemanden, der erkrankt ist oder gar an CoVid verstorben ist. Die Haare sind zu lange, die Kinder nerven, die schulischen Leistungen brechen seit Monaten ein, die Wirtschaft liegt darnieder, alle wollen mal wieder einkaufen gehen. Kurzum: Es reicht, alle sind genervt, resigniert, ermüdet. Die Politik entwirft Ausstiegsszenarien aus dem Lockdown, Stufenpläne des Abbaus werden entwickelt, Hoffnung auf Urlaub und auf offene Geschäfte wird geschürt.

Aber was haben wir bisher erleben dürfen? Jede Lockerung brachte einen Freifahrtschein für die Unbelehrbaren, jede Berufsgruppe wollte nun auch endlich „dran“ sein. Als die Schulen im Herbst wieder aufmachten, stiegen hier die Infektionszahlen an, damit auch das Ansteckungsrisiko in den Familien. Aber weiterhin bemühten die Kultusminister die Bildungsfairness über die Erkrankungswahrscheinlichkeit, auch mein Berufsverband sieht die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen mehr gefährdet als das organische Befinden. In diesem Fall müssen wir nicht in andere Länder schielen, das Experiment Schulöffnungen hat in der zweiten Welle nicht funktioniert, und nun soll es plötzlich klappen?

Jede Beendigung des Lockdowns ist ein Experiment, dass bisher jedesmal gescheitert ist. Und jedes Mal ist die Wiedereinführung eines Lockdowns (den wir nie hatten) noch schwerer zu argumentieren, zu motivieren, durchzusetzen. Das führt zu weiterer Frustration, zu mehr Kritik, letztendlich aber zu mehr laissez-faire im Umgang mit den Maßnahmen. Wer nimmt denn Abstandhalten und Masketragen in der großen Population noch ernst, wenn wir mal aus unserer braven Internet-Twitter-Blog-Community-Bubble hinausschauen und einen Blick auf frühlingsbeschwingte Fußgängerzonen oder jeden beliebigen Park in jeder beliebigen Großstadt am letzten Wochenende und den folgenden werfen? Von der Unverständnis gegenüber der Schieflage von ausgesetzten Maßnahmen gegenüber Profisportlern mal ganz abgesehen.

Alle Maßnahmen der letzten „Lockdowns“ waren ein Ausprobieren, alle Hoffnungen wurden in die Impfungen gesetzt – ich plädiere für den Versuch des #NoCovid oder #ZeroCovid, also die Verlängerung eines noch strengeren Lockdowns bis zum Erreichen einer Inzidenz von unter 10 pro 100.000 Einwohner. Höhere Inzidenzen erlauben strengere Lockdownmaßnahmen, ein Stufenschema, das vorher festgelegt wird und bundesweit einzuhalten ist. Dies erleichtert die Planung und Hoffnung des Einzelnen. Inzidenzen müssen zudem durch Stichproben oder flächendeckende Selbsttestungen errechnet werden, nicht wie besser, wenn Tests nur bei Verdacht durchgeführt werden.

Mögliche Maßnahmen wären:

  • Mehr Planungssicherheit durch transparente Stufenpläne über einen langen Zeitraum, ohne, dass dieser alle zwei Wochen redigiert wird.
  • Aufheben des Lockdowns bei einer Landkreisinzidenz von unter 10/100.000 Einwohner
  • Abstufende Maßnahmen bei 20, 30 oder 50er Inzidenzen
  • Ausweitung der Corona-Tests durch Stichprobenuntersuchungen unabhängig von Symptomen und mehr Selbsttestungen
  • Verbesserung der Corona-App mit Einpflegen auch negativer Testungen durch den User
  • Schulen und Kindergärten dürfen Präsenzunterricht bzw. Betreuung anbieten, jedoch bei Aussetzung der Präsenzpflicht und bei konsequent regelmäßigen (Selbst-)Testung der Betreuungspersonen.
  • Ausweitung der Impfstrategie hin zu einer „first come, first served“-Empfehlung: Priorisierte Personen werden weiterhin zuerst geimpft, bei fehlender Nachfrage dieser Personengruppen oder Ablehnung bestimmter Impfstoffe (AstraZeneca) dürfen diese Dosen an nichtpriorisierte Menschen weitergegeben werden.
  • Verlagerung der Impfungen in Arztpraxen und Apotheken
  • Und selbstverständlich Fortsetzen der bekannten Empfehlungen: Abstandhalten, Hygiene, Tragen von FFP2- oder OP-Masken, Lüften, Nutzen der App, Vermeiden geschlossener Räume, Gruppen und Gedränge

Die Wirtschaft liegt danieder, das soziale Leben ist auf wenige Kontakte reduziert, vor allem Kinder mit einem hohen Bedürfnis nach Nähe leiden. Jedoch: Vertrauen in das Wiedererstarken der Ökonomie, gerade in der EU, und die Resilienz des Menschen, eben gerade bei Kindern, sollte uns auch nach einem Jahr Pandemie optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Das Risiko noch höherer Sterberaten und Long-Covid-Inzidenzen ist die Lockerungen nicht wert, die bei marginalen Besserungen reflexartig herbeigerufen werden. Lieber Long-Hair statt Long-Covid.

ZEIT-Artikel: Eine Perspektive ohne Auf und Ab

ZeroCovid: Für einen solidarischen europäischen Shutdown

Deutschlandfunk: Gibt es Unterschiede zwischen #NoCovid und #ZeroCovid?

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(c) Bild bei publicdomainpictures.net/Piotr Siedlecki (CC0 Lizenz) – „Corona“ 😉

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42 Gedanken zu “Mein Corona-Senf XII – #ZeroCovid

  1. Ich bin bei allem d’accord azßer:
    „Schulen und Kindergärten dürfen Präsenzunterricht bzw. Betreuung anbieten, jedoch bei Aussetzung der Präsenzpflicht und bei konsequent regelmäßigen (Selbst-)Testung der Betreuungspersonen.“
    ALLE an Schule Beteiligten müssen getestet werden, auch die Schüler. Auch von ihnen geht ein Infektionsrisiko aus, für die Lehrer, die nicht geimpft werden (nur Grundschullehrer werden geimpft), und noch viel mehr für ihre Mitschüler und damit für deren Familien.

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      1. Also Coronaleugner kann ich in den Kommentaren ehrlich gesagt nicht entdecken. Und „Verharmloser“… Es ist mehr eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung und Risikoabwägung, die viele Informierte und Nicht-Risikopatienten vornehmen. Es wird über den Daumen gepeilt, wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung, wenn mein Kind und ich uns an die Regeln halten und wie wahrscheinlich ist ein schwerer Verlauf mit Folgeschäden. Diese Fragen werden kerngesunde 20jährige Eltern anders beantworten als Ü40-Eltern mit einem Risikopatient unter ihnen. Das hat erstmal mit „Verharmlosen“ nichts zu tun. Es gibt schon auch welche, die ganz offen sagen „Mir passiert nix“ oder „Den Larifari-Schnupfen sitze ich aus“, das fällt ganz klar in die Kategorie „Verharmlosen“, solche Denke trifft man aber mehr bei Leuten an, die sich eher nicht in den Kommentarbereich hier verirren. 😉

        Ich denke, es leugnet niemand hier, dass Covid und die gesundheitlichen Folgen gefährlich sind bzw. sein können und die Gefahr sich zu infizieren und ggf. dauerhaft Schaden zu nehmen besteht, aber es existiert auch die Gefahr sich mit anderen Krankheiten anzustecken oder (übertrieben!), dass einem ein Meteorit auf den Kopf fällt, aber daher sperrt sich (hoffentlich!?!) auch keiner zeitlebens zuhause im Keller ein, nur um das jeweilige Risiko so weit es geht zu reduzieren. Leben bedeutet nun mal auch immer ein wenig Gefahr. Das Ziel muss es doch sein, dass wir die Risiken und Gefahren mittels vernünftigen (!) Maßnahmen soweit wie möglich reduzieren und mit dem Rest an Risiken und Gefahren unser Leben führen und genießen. Ein Leben weggeschlossen und in ständiger Angst kann nämlich nicht unser Ziel sein; das kommt auch so langsam auch in den Köpfen der Politiker an.

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  2. So wie bei unserer Grundschule der Unterricht umgesetzt wird (BW) kann man es sich grad schenken: Klasse 1+3 ist in der 1. Woche dran, Klasse 2+4 in der zweiten. Es gibt dann 2 Schulstunden pro Tag. ZWEI SCHULSTUNDEN PRO TAG!!! Das htte man sich auch schenken können.
    Notbetreuung ist wohl auch für Homeoffice-Eltern da. Also quasi für alle.

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    1. Hm. Vorher hatte unsere Große in der 1. auch meist nur vier Stunden am Tag. Kann man sich das dann auch sparen?
      Wochenweise im Wechsel ist suboptimal.
      Zwei Stunden am Tag sind aber immerhin zwei Stunden, in denen sie Deutsch, Mathe usw haben. 5 Tage, in denen sie ihre Lehrer wiedersehen können und umgekehrt. (Der persönliche Kontakt ist einfach nicht zu ersetzen. Und motiviert hier enorm.) 5 Tage, an denen sie wieder etwas Normalität erleben und einander sehen dürfen. 5 Tage, an denen sie raus aus der Familie kommen. Tut unserer Großen gut (Undim Falle von Kindeswohlgefährdenden Lebensumständen kann das doch einen erheblichen Unterschied machen. Schon alleine, weil wieder jemand hinschaut und die Kinder Kontakt zu Vertrauenspersonen haben können.)
      Kurz: Suboptimal, aber wir sind alle um jeden Tag froh, an denen sie gehen dürfen!

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  3. Ich (bin Apotheker) sehe das so, dass jetzt gerade Ende Februar wieder alles unkontrolliert aufgemacht wird. Im März werden die Fallzahlen wieder drastisch nach oben gehen und Mitte April kommt dann der dritte Lockdown.

    Vernünftig wären z.B. Massentestungen – beispielsweise durch Arztpraxen und Apotheken. Also, jeder, der zum Friseur geht, wurde am gleichen Tag negativ getestet.
    Man darf jetzt einwenden, dass das seit heute ja geplant ist. Ja, die Ärzte erhalten eine Vergütung von 15 Euro pro Test (+ zusätzlich die Materialkosten für den Test), die Apotheken erhalten nur eine Vergütung von 9 Euro pro Test (+ zusätzlich die Materialkosten für das Testkit). Witzigerweise war ursprünglich sogar nur eine Vergütung von 5 Euro für Apotheken vorgehesen – da geht übrigens noch Mehrwertsteuer weg. Man wolle das Geld den Apothekers ja nicht in den Rachen werfen.

    Für das bescheidene Geld wuchtet mir ein Automechaniker leider nicht mal die Reifen aus. Dementsprechend gering ist auch das Interesse der deutschen Apotheken, sich daran zu beteiligen. Ich wette (und hoffe, dass ich mich irre), dass das ein Riesenreinfall wird.

    Anders dazu Österreich: Hier wird eine Testung wenigstens mit 25 Euro vergütet (inkl. Materialkosten für den Test). Das Interesse zu testen, ist dort von Apothekerseite aus enorm.

    Hier in Deutschland meint die Politik, dass sich wir Apothekers an sowas wie 25 Euro pro Test einen Reibach machen würden. Momentan ist angedacht, ob die Drogerien vielleicht für die 9 Euro die Tests übernehmen. Supi, da testet dann die angelernte Hilfskraft auf 450 Eurobasis, weil sie ihren Job nicht verlieren will. Das ist sicherlich billig.

    Was die Laien-Tests betrifft. Himmel hilf, ein Teil der Bevölkerung ist ja nicht mal in der Lage, einen Schwangerschaftstest vernünftig durchzuführen bzw. die Striche korrekt auszulesen (ein Strich: nicht schwanger; zwei Striche: schwanger; Kontrolle zeigt keinen Strich: Test ist ungültig). Und dann packt man die Laien-Tests auf SarsCovII in den Supermarkt, weil das billiger ist als eine Abgabe über Apotheken?

    Ich denke, man spart hier am falschen Ende, wenn man sich anschaut, was a) ein erneuter Lockdown der Wirtschaft kosten wird und b) so ein Covid19-Patient täglich auf der Intensivstation kostet.

    Was die Impfungen durch Apotheken betrifft: Der Kinderärzteverband und der Hausärzteverband traut den Apotheken nicht mal die läppische Grippeimpfung zu, obwohl wir keine Grippeimpfungen bei Kindern durchführen werden und obwohl das Konzept in vielen anderen Ländern funktioniert. Am Besten geben wir die Impfung gegen Sars-CovII auch noch der Hilfskraft bei Rossmann und Schlecker. Vergütet wird das eh nicht adäquat (während die Ärzte in den Impfzentren einen Stundenlohn (!) von 150 Euro haben (Sic!))

    Ich sehe da echt schwarz. Ich hoffe aber, dass ich mich täusche.

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      1. Nino, das von mir geschriebene war von der Intention nicht gegen die Ärzteschaft formuliert gewesen. Ich gönne den Ärzten in den Impfzentren diese 150 Euro/Stunde.

        Wir müssen in diesem Zusammenhang aber realistisch ehrlich sein, dass sich wohl kaum Ärzte gefunden hätten, in einem Impfzentrum als Arzt zu arbeiten, wenn die Sache für dem Arzt mit etwa 30 Euro pro Stunde vergütet worden wäre.

        Man hat den Ärzten von Seiten der Bundesregierung mit diesen 150 Euro/Stunde schon deutlich einen finanziellen Anreiz gesetzt, sich in einem Impfzentrum zu engagieren. Das ist ja auch aufgegangen.

        Ich frage mich nur gerade, warum andere Institutionen (wie beispielsweise Apotheken) einen vergleichbaren Einsatz gerade zum „Selbstkostenpreis“ oder darunter machen sollen, während der Ärzteschaft in den Impfzentren so eine Leistung gleichzeitig mit 150 Euro pro Stunde vergütet wird (das ist bei einer 40-Stundenwoche*4,2 Wochen nämlich ein Monatsgehalt von brutto 25.200 Euro.)?

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  4. Ich bin vollkommen deiner Meinung. Aber so lange nicht mal in Nachbarstädten ähnlich getestet wird, kann man keine gemeinsamen Inzidenzien als Grundlage nehmen.
    Münster rühmt sich mit besonders niedrigen Inzidenzien, testet aber keine Menschen, die eh schon in Quarantäne sind. Dies macht zB die Nachbarstadt Hamm – mit entsprechenden Trefferquoten. Das kann es nicht sein.

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  5. Ehrlich gemeinte Frage:
    Welchen Nutzen hätte das Eintragen negativer Testergebnisse in die WarnApp?

    Zur Präsenzpflicht:
    Hier in Berlin ist die Präsenzpflicht ausgesetzt. Kind ist in der 3. Klasse und ist das Einzige (!), welches das ausnutzt und nicht wieder in die Schule geht.
    Also ja: Das Aussetzen der Präsenzpflicht ist unbedingt notwendig, um denjenigen zu helfen, die wissen, dass das Kind selbst oder im Haushalt des Kindes ein Risikopatient lebt. Aber es wird scheinbar nicht wahrgenommen, um einfach mal ein weiteres Ansteigen der Inzidenz zu verhindern.

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    1. Sie haben für sich die Entscheidung getroffen, Ihr Kind nicht wieder in die Schule zu schicken solange die Präsenzpflicht ausgesetzt ist. Wieso überlassen Sie den anderen Eltern nicht auch diese Entscheidungsfreiheit für deren jeweilige individuelle Situation? Weil diese Eltern die Entscheidung, die aus dieser Freiheit entspringt, andersherum treffen? Es gibt nicht nur (Familien mit) Risikopatienten in Deutschland…

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      1. Solange Präsenz-Schule angeboten wird, kann ich jedes Elternteil verstehen, dass das Angebot wahrnimmt (ich war nur überrascht, dass es so viele sind).

        Ich frage mich nur, was der Grund war, dass die Präsenzpflicht aufgehoben wurde. War der Plan des Senats primär, dass sich Risikopatienten schützen können oder war der Plan primär, dass Menschen die sagen, dass sie in ihrer Situation nicht „jede Lockerung mitnehmen müssen“, sich weiter einschränken können, als unbedingt nötig und somit die Inzidenz sinkt/ weniger steigt. Mit dem Ergebnis, dass man sogar noch mehr lockern könnte (oder zumindest die aktuellen Lockerungen länger aufrecht erhalten kann), weil sich manche freiwillig mehr einschränken.

        Wenn (!) es das zweite war, dann scheint mir das betrachtet an der kleinen Stichprobe in der Klasse meines Sohns gescheitert zu sein.
        Der erste Grund (Schutz von Risikopatienten) ist auf jeden Fall an sich schon sehr begrüßenswert.

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        1. Das Aussetzen der Präsenzpflicht dient dem Schutz von Risikopatienten, entweder als selbst Betroffener oder von Personen im selben Haushalt.

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        2. Das Aufheben der Präsenzpflicht ohne weitere Hilfsangebote bedeutet vor allem, die Verantwortung auf die Eltern abzuschieben. Wenn sie sagen, sie brauchen eine Freistellung vom Beruf, um das Kind zu betreuen, dann können sie es ja in die Schule schicken, wenn sie sagen, sie wollen das Kind nicht in die Schule schicken, weil es Risikopersonen im Haushalt gibt, dann müssen sie nicht.
          Man darf aber nicht sagen „Ich habe nicht den Freiraum, mein Kind selbst zu betreuen und will trotzdem nicht das Risiko eingehen, dass es sich in der Schule ansteckt.“
          Meine Forderung ist immer noch: wenn ein Kind nicht betreut werden kann, brauchen Eltern frei und zwar bezahlt. Und grundsätzlich finde ich, das gilt nicht nur unter Pandemiebedingungen, sondern auch wenn die 10 Kind-krank-Tage nicht ausreichen, ein behindertes Kind nicht in die Schule kann, weil die Schulbegleitung krank ist, kein Kindergartenplatz zur Verfügung steht …

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      1. Zur App kann man niemanden zwingen, es gibt auch keinen Zwang zum Handy. Mein eigenes bleibt meistens auf der Couch liegen. Da müsste man schon gechipt sein…… Bei der absichtlichen Absperrung von Bänken im öffentlichen Bereich und Verweilverboten muss man sich schon fragen, ob überhaupt jemand an ältere und behinderte Bürger gedacht hat oder ob diese absichtlich diskriminiert werden sollen.

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    2. Hallo, also meiner Meinung nach wird zeroCovid nie und nimmer funktionieren solange alle Grenzen zu Nachbarstaaten offen sind. Da wird es nichts bringen wenn wir wieder eine Inzidenz von 10 Infektionen haben und dann wieder neue Infektionen aus dem Ausland eingeschleppt werden. Ich denke Ausschlaggebend sollten die Intesivbettenauslastung sein. Mehr nicht.. Die meisten Menschen überstehen eine covid 19 Infektion recht gut. Es wird für seltene schwere Verläufe wegen anderen Viren auch kein Lockdown gemacht (Eppstein barr virus der die Pankreas zerstört, Krebs auslösen kann, Grippe etc pp). Peinlich finde ich nur das Deutschland es nicht geschafft hat die Risikogruppen zu schützen. Teststrategien für Altenheime? Lehrbetrieb? Kita? Anstatt sinnlos über all Geld zu verteilen.. Helfen wird nur die Impfung, hoffentlich bekommen wir noch eine vor dem nächsten Herbst.

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  6. Hat jemand einen Link zum Ergebnis der Massentests in Österreich? Inzwischen wurden rein rechnerisch alle Österreicher mindestens einmal getestet, das sollte doch einen Einfluß auf die Fallzahlen haben.
    Wenn ich mir deren Inzidenzen anschaue, dann stagniert in Österreich seit Dezember die Inzidenz während es bei uns vor allem Dezember zu einem starken Anstieg kam. Ggf. ist das die Auswirkung der Vielen Tests.

    Was mich daran pessimistisch stimmt ist, dass die Zahlen seit Januar nicht mehr weiter sinken. Vor diesem Hintergrund sehe ich ZeroCovid und NoCovid sehr skeptisch. Die Infektion ist zu weit in der Fläche. Es wird wohl darauf hinauslaufen dass sich jeder Impfen lassen oder die Infektion durchmachen muss. Wenn wir jetzt dazunehmen dass es bei bestehenden oder kommenden Mutationen zum Immune Escape kommt, kommen wir aus den beiden Alternativen auch für die nächsten Jahre nicht raus…

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  7. Lockdown oder nicht ist eine politische Entscheidung! Im September sind Wahlen, dann werden wir sehen. Thema Schutzmaßnahmen bin ich bei Ihnen: negativer Test als Eintrittskarte, FFP2 und Impfungen, APP wurde zuletzt vom Experten Kekule als zu schwach kritisiert aufgrund Datenschutz. Es muss endlich publik gemacht werden, dass die Maßnahmen nicht nur nervig sind, sie schützen auch noch immer in vulnerbalen Bereichen wie Krippe oder Altersheim nicht richtig. Was nützen Besuchsverbot und Einsperren der Senioren, wenn Hausmeister oder Weihnachtsmann munter und ungetestet durch die Zimmer spazieren. Dagegen ist das, worauf jetzt verzichtet werden muss nicht nur schmückendes Beiwerk, es ist für viele Menschen ihr Leben. Sagen Sie mal einem motorisch eingeschränkten oder behinderten Bürger er möge doch (im Winter!) bei langen Spaziergängen in der Natur Ausgleich suchen. Ein Hohn! Ebenso Kinder mit Handicap welche ihre Abläufe in der Schule und ihre Therapien dort brauchen. Es ist an der Zeit.

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  8. ZeroCovid halte ich als Nicht-Fachmann nach allen Erfahrungen der letzten zwölf Monate gerade im Winter/frühen Frühjahr für unmöglich zu erreichen. Und selbst wenn wir jetzt wirklich einmal alles komplett für zwei Wochen zunageln würden (INKLUSIVE Supermärkten & Co.!), so dass nur noch die wirklich, wirklich absolut notwendigen Arbeitnehmer (Akutmediziner, Energieversorger, etc.) das Haus verlassen dürfen und wir erreichen eine Inzidenz von 0,x oder <10, dann Glückwunsch uns allen – aber Deutschland ist keine Insel! Wir können keine Mauern hochziehen und sagen „Uns kommt keiner mehr rein, weil bei uns passt jetzt alles“. Gerade in den Grenzregionen zu Frankreich, Polen und Tschechien sieht man anhand der grenzüberschreitenden Pendlerströme doch, wie extrem abhängig Deutschland von Arbeitnehmern aus dem Ausland ist. Das mag in der Mitte der Republik weniger bis gar nicht auffallen, aber alles in den genannten Grenzregionen <100km weiß, was ich meine. Und auch ohne diese Arbeitnehmer gibt es aufgrund der globalisierten Situation unseres Landes immer noch genug Ein- und Ausreisende, die man nicht dauerhaft ausschließen kann und will. Die niedrige Inzidenz wäre somit eine kleine Momentaufnahme und dann gehen die Fallzahlen wieder hoch. ZeroCovid ist in Deutschland und vermutlich in allen Industrieländern ein Ding der Unmöglichkeit und wird es ohne Durchimpfung oder Durchseuchung auch immer bleiben.

    Sie schreiben, mit Öffnung der Schulen im Herbst gingen die Fallzahlen wieder hoch. Das stimmt, aber waren die Schulen dafür wirklich der Auslöser oder ist das nur zeitlich zusammengefallen, weil es insgesamt mehr Mobilität gab und auch Urlaubsrückkehrer einen Teil zum Infektionsgeschehen beigetragen haben? Es wird von zwei verschiedenen Seiten laufend behauptet, Schulen wären DER Infektionstreiber und Schulen wären KEIN Infektionstreiber. Nach fast zwölf Monaten im Ausnahmezustand finde ich es schon langsam justiziabel, dass man hierzu keinerlei Fakten und neutrale, flächendeckenden Studien vorzuweisen hat, die hier mal Klarheit schaffen könnten. Ja, es gibt diese eine Hamburger Studie, aber die umfasst mWn. nur eine oder zwei Hamburger Schulen. Darin wird aber auch nicht wirklich nach Alter unterschieden und ein oder zwei Schulen alleine zu untersuchen, dass ist doch ein wenig arg dürftig als gesicherte Ausgangslage für mehrere Millionen Schüler. Das ist vermutlich auch der Grund, warum diese Studie nicht größer aufgehängt wird, weil sie mMn. einfach viel zu klein und damit nicht repräsentativ war und ist. Und ansonsten? Gibt es hierzu nichts wirklich Passendes! Klar gibt es infizierte Schüler und die Infektionszahlen gehen prozentual wohl seit dem Jahreswechsel auch in diesen Altersstufen langsam nach oben, aber liegt das tatsächlich an den Schulen unter Einhaltung aller Hygieneregeln? Ich sehe an meinem Wohnort genug Schulkinder, die den Nachmittag genießen, als wäre es 2019. Sind da schon mal schlaue Leute (solche, die auch wirklich selbst Kinder haben und diese auch zum größten Teil selbst betreut haben, anstatt sie ganztägig (!) zur Kinderbetreuung abzuschieben bzw. für die eigene politische oder medizinische Karriere eine Tagesmutter oder ein Kindermädchen privat anzustellen) draufgekommen, dass Kinder sich ab einem gewissen Alter nicht so einfach einsperren lassen wie Erwachsene oder Kleinkinder? Genauso gut, gibt es Eltern, die auch mal eine Pause brauchen und lieber nicht so genau nachsehen, wo sich der eigene Nachwuchs gerade (und mit wem) draußen rumtreibt, Hauptsache, man hat mal eine halbe Stunde zum Durchschnaufen. Ich wäre also eher vorsichtig, die Schulen als gesicherten Treiber der Infektion anzusehen… Bis das nicht durch mehrere Studien auf einer halbwegs breiten Basis wissenschaftlich belegt ist, halte ich das Risiko Kindern einen Unterricht durch studierte Fachkräfte (= Lehrer) so bildschirm- und distanzarm wie möglich und nötig angedeihen zu lassen, für vertretbar. Für Kinder und Eltern aus Risikogruppen dürfen gerne Ausnahmen gelten!

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      1. Und die Ursache für die Infektionen aus den „gesammelten Nachrichtenartikeln“ sind die Schulen und der Aufenthalt dort? Meiner Meinung nach fallen die Infektionszahlen nur in den Schulen wegen den Tests dort erstmals auf. Woher die Infektionen stammen, ermitteln die Tests in Österreich leider auch nicht; es ist auch nicht Sinn und Zweck dieser Tests. Umgekehrt könnte man auch Arztpraxen und Testcenter als Quell allen Übels ausmachen, denn dort werden auch viele Infizierte positiv getestet 😉

        Es ist mir daher schlichtweg zu einfach zu sagen „Die Schulen sind die Bösen“. Ich habe und kenne Kinder und deren Eltern… Da können sich Schulen mit der Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln auf den Kopf stellen, wenn manche Eltern ihren Kindern zuhause alles erlauben und durchgehenlassen. Bevor das nicht eindeutig geklärt ist, werde ich die Schulen nicht als als Infektionstreiber überführt betrachten.

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    1. In Sachsen wurden die Schulöffnungen 2020 im Rahmen einer großen Studie begleitet. Unterteilt in Grundschulen und weiterführende Schulen und auch Kitas. Ich weiß es so genau, weil mein Sohn in seiner daran teil genommen hat. Es wurden regelmäßig PCR Tests sowie Blutentnahmen zum Nachweis von Antikörpern durchgeführt. Dazu fanden Befragungen statt, die eruieren sollten, welchem Infektionsrisiko die Kinder außerhalb der Schule ausgesetzt waren. Die Studie hat weit gefächert in verschiedensten Orten statt gefunden. Regional wurde davon auch berichtet, ich frage mich nur immer, warum nicht überregional. Es haben die verschiedenen Unikliniken hier mitgewirkt. Hier sind ja nun die Grundschulen wieder geöffnet, die Kitas auch. Das Bildungsministerium berichtete, dass dies auf Grund von Studien machbar sei. Ehrlich gesagt glaube ich, es fehlt wegen des Förderalismus auch glatt der Austausch relevanter Daten in ganz Deutschland. In Hessen wurden übrigens ähnliche Studien im Kita- und Grundschulbereich durchgeführt. Also an Daten dürfte es wirklich nicht mangeln.

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        1. Luftnummer nicht ganz. Die Daren wurden ja tatsächlich im Mai, nach den Sommerferien und Anfang November erhoben. Auch in Landkreisen mit schon im Frühjahr bzw. dann im November hohen Inzidenzen. Sehr schade ist natürlich, dass es jetzt nicht weiter geführt wird… da frage ich mich auch, wie will man da dauerhaft zu aussagekräftigen Ergebnissen kommen. Als es in unserer Klasse dann Ende November tatsächlich einen positiven Coronafall gab und alle Kinder für 14 Tage in Quarantäne geschickt worden, habe ich die verantwortlichen der Studie auch noch einmal angesprochen, dass die letzten Tests ja gerade erst 2 Wochen her sind und ob sie nun nicht die „Chance“ nutzen wollen, das Ansteckungsgeschehen im Klassenraum durch erneute Testung der Kinder zu untersuchen, meinten sie, dass das in der Tat recht interessant wäre, aber nun leider die Studie beendet sei und erneute Anträge zu lange dauern würden… Ja, was soll man davon halten? Vielleicht will man es ja aber auch gar nicht so genau wissen und schließt rein aktionistisch lieber alles um sich dann durch die Öffnung feiern zu lassen…

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        2. Ach ja, trotzdem finde ich es besser, wenn überhaupt mal wieder geöffnet wird, als aus Angst jetzt gar keinen Schritt zu machen. Und natürlich sind die Schließungen im Vogtland nun schade, aber eben scheinbar auch wieder notwendig. Das war von Anfang an der Plan: Es wird geöffnet und falls das Infektionsgeschehen dazu zwingt wieder punktuell geschlossen.

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  9. Ich bin einfach erschüttert darüber, wie wenig wir immer noch über die Ansteckungswege wissen, und das ein Jahr nach Corona und das in einem der fortschrittlichsten Industriestaaten der Welt. Aber solange noch via Fax die Zahlen übermittelt werden…. Wir haben so viel Zeit verpasst, um Informationen zu sammeln, die als valide Basis für Entscheidungen dienen könnten. Aber trial and error ist ja auch was schönes… Ich bin einfach nur müde und schaue auch mit großer Sorge auf die Jugendlichen und die jungen Erwachsenen, die sich dringend ausprobieren müssten, das aber nicht sinnvoll können.

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    1. Ich teile Ihre Sichtweise voll und ganz. Für mich unverständlich, wie man ein Jahr lang verschwenden kann, ohne, dass man etwas Belastbares in die Hände bekommt. Gab es nicht letztes Jahr relativ schnell (April/Mai?) die ersten Studien wie lange Coronaviren auf Papier, Pappe, Kunststoff und Metall überleben? Danach wurden neben der Heinsbergstudie, diverse weitere Studien u.a. in/um München angekündigt. Die Heinsbergstudie hat man erst in wenigen, einzelnen Häppchen boulevardesk „serviert“ und dann ganz schnell in der Luft zerrissen. Dann kam öffentlichkeitswirksam irgendwie gar nix mehr (aus Angst, dass sich die Reaktionen der Heinsbergstudie wiederholen könnten?). Auch wenn ich aus dem Kommentar von „K.“ (25. FEBRUAR 2021 UM 08:51) herauslese, dass sehr wohl in manchen Bundesländern und Regionen Daten zu Schülern erhoben werden, macht es mich traurig, dass dies nicht weitläufig veröffentlicht wird und es zeitnah keine Ergebnisse zu geben scheint. Föderalismus hin oder her, aber sächsische SchülerInnen werden sich relativ ähnlich dem Coronavirus gegenüber verhalten wie es baden-württembergische SchülerInnen tun…

      Was mich auch wahnsinnig enttäuscht ist dieses Herumlamentieren auf politischer Ebene: Heute peilt man diese Inzidenzwerte an, dann jenen R-Wert, dann die Inzidenzstufen 10, 35, 50 hier, dann gibt es trotz allem vorgezogen punktuell Öffnungen dort. Mir ist bewusst, dass keiner die Situation vorhersehen und beherrschen kann, aber ich muss doch mal einen Plan haben (und machen), was ich unter welchen Voraussetzungen erlaube und was nicht. Warum keine Inzidenzstufen festlegen, bei deren Unterschreitung diese und jene Branchen öffnen dürfen bzw. Maßnahmen gelockert werden bzw. ganz oder teilweise wegfallen? Muss ja nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet sein, aber z.B. ein einfaches: Inzidenz unter 50, dann Präsenzunterricht Klassen 1-5 oder Inzidenz unter 10: Gaststätten öffnen. Was spricht da dagegen? Dass man daran auch im Vorfeld einer Wahl gebunden ist und keine „Geschenke“ machen kann? Dass man sich nicht mehr als großer Zampano, der mit eiserner Faust durchgreift bzw. als Heilsbringer mittels Lockerungen das „Beste“ für die Hiesigen erreichen will, darstellen kann? Ich verstehe nicht, dass man sich um ein grundlegendes Regelwerk hier so drückt!

      Ich finde das ganz schön haarig für einen Rechtsstaat, der Grundrechte ohne die gewohnte Beteiligung des Parlaments einschränkt (und dieses mehrwöchentliche Abnicken von Verlängerungen einer „unbeherrschbaren Pandemielage“ ist angesichts der tatsächlichen Realität in der noch immer fast 70% der Arbeitnehmer zu Arbeit gehen als sei nix geschehen, keine Beteiligung, die den Namen auch verdienen würde). Was spricht gegen halbwegs klare Regeln? Da macht es dann auch keinen Unterschied, wenn ein Bundesland aufgrund Inzidenzen zweigeteilt ist o.Ä. Jeder weiß, was gilt, wenn…

      Ob landkreisweite Inzidenzwerte bei halbwegs geschlossenen Ausbrüchen in Kliniken, Alten- oder Pflegeheimen, Ankerzentren, etc. Sinn machen, sei mal dahingestellt, aber überhaupt ein einfaches Gerüst an „Wenn…, dann…“-Regeln für die Rücknahme von eingeschränkten Grundrechten aufzustellen, wäre nach knapp einem Jahr meiner Meinung nach dringend geboten.

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    1. „ Um das Virus zu besiegen, soll die bürgerliche Gesellschaft in Europa abgeräumt und durch eine auf Enteignung und zentralistischer Steuerung beruhende Diktatur ersetzt werden.“ Zitat aus eben jenem Artikel des großartigen Journalisten.

      Herrje, Klabund, da erübrigt sich eigentlich jeder weitere Kommentar oder ernsthafte Diskussion.

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      1. Es wird sich ja wirklich Mühe gegeben da inhaltlich alles einzeln auseinander zu nehmen und argumentativ abzuarbeiten.
        So dass eben nicht die üblichen fantastischen Gegenargumente kommen können „haha du bist ja ein toller Nazi kannst nicht Mal deine eigene Sprache“ oder so. Aber inhaltlich war das jetzt schon das Höchstmaß das gegen den Artikel spricht.
        Corona ist eure Religion weil ihr größtenteils als Rezipienten dieser Website hier aus eben jenen Kreisen kommt, auf die sich der Artikel bezieht. Vielleicht denkt ja doch jemand noch nach, dann wäre zumindest ein bisschen erreicht.

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  10. Wenn man selbst nicht betroffen ist, kann man gut reden. Ein Teil der Menschen hier in Deutschland wird geopfert, um anderen Menschen das Leben zu retten. Der andere Teil ist privilegiert und wird vielleicht zudem auch noch priorisiert geimpft. Da kann man wunderbar fordern, dass der Lockdown noch länger dauern möge. Hast du dir schon mal überlegt, was es bedeutet, wenn man vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz steht? Wenn man ein Leben lang hart gearbeitet hat, vielleicht in der Gastronomie oder Hotellerie, und nun von HartzIV leben und sich bei der Tafel anstellen muss? Sicher nicht.

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    1. Liebe Bella, ich habe hier die ganze Zeit still mitgelesen, weil mir irgendwie (ausnahmsweise) die Worte fehlten. Ich bin keine C-Leugnerin und war es nie, bin privilegiert und werde als Lehrerin priorisiert. Hatte im November Corona, habe noch immer Spätfolgen- evtl. sogar ernsthafte, aber für Zusammenhänge fehlt es an Studien. Und trotz all dieser Umstände bin ich ganz klar FÜR MEHR LOCKERUNGEN! Auch ich finde, dass mittlerweile mutwillig Existenzen zerstört werden, auch weil Finanzhilfen wegen der Über-Bürokratie gar nicht beantragt werden können, ohne z.b. ein Steuerbüro zu bezahlen und dann bleibt für Geringverdiener nichts mehr vom Geld übrig. Und wenn ich sehe, was psychisch bei unseren Jugendlichen abgeht, dann muss ich hier schon fragen, ob man wirklich die Zukunft der Kinder für einige zu verhindernde Ansteckungen riskieren darf. Teilweise betreue ich Schüler sogar am Wochenende oder abends via Chat, damit sie irgendwie zurecht kommen und eine Stütze haben! @Kinderdok ich schätze sie sehr,aber Zerocovid zu fordern für unser Land ist utopisch und klingt in den Ohren von Menschen, die gerade alles verlieren, wie Hohn. Vielleicht muss man hier unter utilitaristischen Aspekten langsam umdenken. Leider kommt zu Lockdowndilemma ein katastrophales Impfmanagement hinzu, aber das ist ein anderes Thema.

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      1. Auf jeden Fall! Es sind so einschneidende Veränderungen die in Art und Dauer nicht mehr zu rechtfertigen sind! Was ist mit älteren und behinderten Menschen, mit behinderten und chronisch kranken Kindern? Man kann sie nicht auf ewig wegsperren, ihnen ihren Alltag und ihr Leben nehmen. Einfaches Beispiel Absperren von Stühlen oder Schließung von Toiletten im öffentlichen Raum. Inzwischen hat jeder verstanden, dass man keine Gruppen bilden soll, aber WENN man Spazieren gehen möchte, beim Bäcker ansteht, Sport treiben möchte DANN müssen sich manche Leute tatsächlich einmal setzen oder eine Toilette aufsuchen ohne gleich eine Gruppe zu bilden. Einfach weil sie das brauchen. Und das ist jetzt im Winter entweder gar nicht oder nicht ausreichend möglich. Kleine Cafes, Museen, Kinos- alles zu. Dagegen sind lange Wanderungen, Radtouren oder Rodeln möglich- das kann aber nicht jeder. Und manche wollen es auch nicht. Mehr.

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        1. Es haben eben Leider noch immer nicht alle verstanden dass man keine Gruppen bilden soll.
          Ich sehe im Ubahnhof zum beispeil täglich grüppchen von 3-6 Leuten, die ohne Maske dasitzen dicht an dicht, oft Bier trinken und sich gemeinsam Fußball oder ähnliches anschauen. (Drinnen)
          Jugendgruppen sieht man auch an fast jeder Ecke und auf dem Spielplatz stehen viele Eltern auch direkt beieinander und quasseln und teilen die Fressalien miteinander. (Draußen)
          Im Einkaufszentrum im Treppenhaus auch bis zu 10 Jugendlichen beieinander, ohne Maske, mal Zigarette teilen, mal nur essen, mal einfach nur Mist machen.
          Tendenziell muss man auch sagen je später der Tag desto weniger Tragen Masken und desto mehr Grüppchen sieht man.
          Das ist ein kleiner Einblick von Berlin, für meine Homeofficetage in ich Dankbar, dann muss ich mich darüber nicht aufregen, das sehe ich nur wenn ich zur Arbeit muss bzw. wieder von dort nachhause fahre.

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        2. Da sind wir doch schon wieder bei dem „was andere falsch machen“. Ehrlich gesagt das interessiert mich nicht. Wenn eine Situation unübersichtlich ist muss ich nicht dabei sein. Aber dass Behinderte und Menschen mit ganz normalen Wünschen derart diskriminiert werden und sogar jetzt noch von ärztlicher Seite Wanderungen und das Aufräumen der wohnung empfohlen werden- es fehlen einem die Worte.

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