Was ich heute anders mache

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Nach beinahe zwei Jahrzehnten als Kinder- und Jugendarzt in eigener Praxis (und 15 Jahren Blog :-), fallen mir im Rückblick einige Dinge auf, die ich heute anders mache als am Anfang der Niederlassung. Da noch unbedarft, noch bestrebt, alles richtig zu machen, viel näher dran an der Facharztprüfung als heute, ändert sich im Laufe der Arbeit und vor allem der Erfahrung einige Themen. Sehr wenig hat das mit Änderung der Leitlinien oder der pädiatrischen Erkenntnisse zu tun, es sind eher Dinge, von denen ich dachte, „sie müssten eben so sein“ oder „so geht das nun einmal“.

Je mehr Patienten durch die Behandlungsräume liefen, desto mehr „learning by doing“ stellte sich ein. Das bedeutet, Du kannst als Hausarzt imgrunde Deine eigenen Empfehlungen aussprechen (natürlich immer aus der Literatur gedeckt, aber es gibt ja Spielräume), wenn die Eltern und die Kinder gut damit zurechtkommen, bleibst Du dabei. Viel davon hat mit Reduktion zu tun, mit dem „nicht immer alles machen“, sondern vor allem das Rationelle-sinnvolle.

Hier ein paar Beispiele:

Hustensäfte

Damit hast Du in der Klinik nichts zu tun. Hustensäfte sind etwas für Niedergelassene oder Apotheken. In der Klinik wird inhaliert, Infusionen angehängt, Atemgymnastik verordnet. Die wenigen Luftwegsinfekte in der Ambulanz (vor 20 Jahren) waren pillepalle, die Hustenlöser kann „Ihr Kinderarzt bei der Kontrolle verordnen“. Ganz schön abgehoben.

Außerdem dachte ich damals, Hustensäfte gehören zur Behandlung von Kleinkindern dazu. Hustenlöser, Schleimlöser, Hustenstiller, seien sie pflanzlich oder chemisch. Hinzu kam, dass mein Vorgänger, von dem ich die Praxis übernommen hatte, Hustensäfte verordnet hatte, als seien sie Gummibärchen. Jeder Patient, JEDER Patient, ging mit einem Rezept aus der Tür. Das musste wohl so. Angeblich, weil sonst die Eltern nicht zufrieden seien.

In den Leitlinien finden sich praktisch keine Hustensäfte. Wen wundert es, sie sind zur Genesung überflüssig, verzögern mitunter dieselbe, sind im Kindesalter zudem quietschsüß oder alkoholisiert. Ein Kind mit Bronchitis wird sich über einen Schleimlöser „freuen“, hat es doch schon genug Schleim in den Bronchien. Ein Hustenstiller käme einem Kunstfehler gleich. Und bei einfachen Erkältungen ohne Lungenbeteiligung tut es die ausreichende Flüssigkeit, Honig und warmer Tee. Eine Bronchitis wird inhaliert.

Das Nichtmehrverordnen von Hustensäften kostete viel Aufklärungsarbeit, wie manche Änderung der Gewohnheiten. Aber die Eltern dankten es einem, vor allem, weil sie den Sinn bzw. Unsinn verstehen, der dahinter steht. Glücklicherweise wurde auch in den Leitlinien und der Populärliteratur mehr und mehr von Medikamenten wie Ambroxol abgeraten, manche Hustenmittel (wie die Wirkstoffkombination Clenbuterol und Ambroxol) sogar aus der Verordnungsfähigkeit genommen. Schlimm genug, dass sie weiter verkauft werden.

Schlafen lernen

Noch so ein Thema, mit dem sich der Kinderarzt erst in der Niederlassung auseinandersetzen muß: „Mein Kind schläft nicht“. Jetzt kannst Du als Frischling Literatur wälzen, findest aber nur Populärwissenschaftliches, vor allem den Klassiker „Jedes Kind kann schlafen lernen“, und denkst auch als Arzt, das muss es jetzt sein. Dazu kommt die Erfahrung bei den eigenen Kindern – und schon sind die Empfehlungen für die gestressten Eltern gestrickt.

Während wir, ach was, alle, also auch Hebammen, ErziehungsberaterInnen und die Schwiegermütter damals propagierten, jedes Kind kann wirklich schlafen, wenn man es nur lange genug schreien lässt, denken wir heute glücklicherweise anders darüber: Jedes Kind darf schlafen, wie es will und wo es will, es darf getragen werden, es darf bei den Eltern schlafen, oder auch im eigenen Zimmer, ganz wie die Familie das für sich entschieden hat. Alles stimmt, was funktioniert.

Die Schwiegermütter haben sich noch nicht geändert.

Ernährung für Säuglinge

Letztens hielt ich eine Broschüre für junge Eltern in der Hand „Säuglingsernährung“, datiert 1995. Erstaunlich, wie nahe die damaligen Empfehlungen an den heutigen waren, wie fortschrittlich wir auch da schon empfohlen haben. Denn: Nur das Klischee sagt beispielsweise Beifüttern ab 4. Monat, dabei Abstillen, immer nur ein Gemüse, alles ganz langsam und Schritt für Schritt. So ein Quatsch.

Schon Ende der Neunziger, und gerade nach der Jahrtausendwende, empfehlen wir ein viel entspannteres Beifüttern. Stillen ist begleitend immer und lange in Ordnung und gewünscht, das entscheiden Mutter und Kind für sich. Die erste Anfangsnahrung dürfen einzelne Gemüse sein, sie sind nur zur Übung gedacht. Und jetzt kommt es: Je zügiger die Befütterkost an die Familienkost herangeführt wird, umso besser. Wenn das schon mit acht Monaten der Fall ist, dann ist das eben so. Dazu gehört dann auch „finger food“, das heute als baby-led-weaning als der heisseste Scheiß gefeiert wird, aber eigentlich schon ewig empfohlen wird.

Was hat sich aber dann nun in meinen Empfehlungen geändert? Vor allem, was die Inhaltsstoffe der Ernährung angeht. So gab es noch vor einigen Jahren die Einschränkungen von Kuhmilch, Getreide, also Gluten, Fisch, Ei und dergleichen mehr. Das ist alles gefallen. Heute darf alles zügig und früh beigefüttert werden. Dachten wir „früher“, das späte Befüttern würde Allergien herauszögern, ist es heute genau anders – die frühe Auseinandersetzung mit den verschiedenen potentiellen Allergenen beugt Allergien sogar vor.

Stop! Honig ist weiter tabu im ersten Lebensjahr.

Inhalationen

Das lässt sich kurz machen: Inhalationen mit Kochsalzlösung sind so etwas von out.

Wenn ein Kind heute inhalieren muss (weil es eine obstruktive Bronchitis hat oder eine Lungenentzündung), wird nur noch „trocken“ inhaliert, also mit einem Pulver oder Spray, bei kleinen Kindern mit einer Inhalationshilfe (z. B. „Vor.tex.“-Chamber). Als ich in der Niederlassung angefangen hatte, gehört das Verneblersystem mit den vier Buchstaben zur Standardausrüstung jedes Kinderhaushaltes. Heute weiß man: Kochsalzinhalationen bringen keinen Nutzen in der Abheilung eines einfachen Erkältungsinfektes. In aller Regel wird sowieso falsch inhaliert, außerdem sind die Kochsalzlösungen isotonisch und haben keinen Effekt auf die Schleimlösung (siehe Hustensäfte). Ja, und auch kleine Säuglinge können „trocken“ inhalieren, wenn sie wirklich Medikamente zum inhalieren benötigen.

Globuli

Ja, doch. Auch ich dachte, als Kinder- und Jugendarzt brauchen die Eltern Homöopathie. Ganz ehrlich: Ich hatte mich weder mit der Nichtwirkungsweise, noch den Streitpunkten der Homöopathie auseinandergesetzt. Die Befürworter haben Recht: Glaubuli finden im Studium nicht statt, jedenfalls in meinem.

Also war ich der Auffassung, Globuli gehören dazu. So wie die Hustensäfte. Da ich keinerlei Ausbildung habe in dieser Glaubensrichtung, beschränkte ich meine Verordnungen auf ein wenig „O-sa-nit“ hier, ein wenig Thuja da, … stop! Und gabe diesen Mist genau zwei Wochen nach meiner Niederlassung wieder auf.

Als frisch Niedergelassener bildest Du Dich noch schneller fort als in der Klinik, denn nun geht es nicht mehr um facharztprüfungsrelevante Themen, sondern um den Alltag. Ich las also mehrere Papers, bestenfalls Übersichtsarbeiten zur Homöopathie und beschäftigte mich aus wissenschaftlichem Ansatz damit, versuchte also, mir das physikalischpharmaklogischechemische Prinzip der Globuli näherzubringen. Kurz gesagt – ich bin gescheitert. Und da ich nicht hinter fragwürdigen Therapien stehe, die ich nicht mit meinem einfachen Verstand verstehen kann, war es das mit den Globuli in meiner Praxis.

Über die Jahre hat sich aber noch mehr geändert: Ich versuche, aktiv gegen die Homöopathie vorzugehen, als Mitglied der GWUP. Man darf Eltern nicht in ihrem Glauben belassen, Globuli würden irgendetwas bewirken. Hier ist nichts tun besser als Zuckerkügelchen zu streuen.

Impfungen

Impfungen sind ein grosses Thema in der Kinder- und Jugendarztpraxis, das zu schreiben, ist der banalen Erwähnung schon zuviel. Aber ich wusste am Anfang nicht, dass es ein so grosses Thema ist. Ich hatte die naive Vorstellung, dass Eltern den Empfehlungen der Experten Vertrauen schenkten und dem empfohlenen Impfschema uneingeschränkt zustimmen. Weit gefehlt.

Nun ja, dachte ich, dann dürfen Eltern natürlich entscheiden, welche Impfungen sie für ihr Kind möchten und welche nicht. Also habe ich am Anfang zwar zu den empfohlenen Impfungen beraten, letztendlich mich aber großzügig der Entscheidung der Eltern gebeugt. Manche Impfung wurde „liegengelassen“.

Geändert hat sich das mit Einführung der Windpockenimpfung, die kurz nach meiner Niederlassung ausgesprochen wurde. Sie war ein Segen für die Eltern, die Kinder und auch die Praxen. Wir hatten sonst mindestens täglich einen Windpockenfall in der Praxis, Diskussionen und Erklärungen, wie lange das Kind nicht mehr in Kindergarten oder Schule darf und vor allem so manche Komplikationen. Selten konnten wir im Alltag der Kinder eine so deutliche Veränderung erleben wie bei der Einführung der Windpockenimpfung, vergleichbar nur der Pocken- oder der Masernimpfung. Viele der anderen impfpräventablen Erkrankungen sind seltener, so selten, dass der Luxus der Rarität die Eltern täuscht über die Gefährlichkeit der Erkrankungen.

Seither bin ich klarer in meinen Empfehlungen. Mit dem Aufkommen des Internets und den mehr als fragwürdigen „Beratungsseiten“ zu Impfungen brauchen Eltern eine klare Haltung ihres Kinder- und Jugendarztes. Und während ein Teil der Eltern ihre Kinder vertrauensvoll nach den STIKO-Empfehlungen impfen lassen, lehnen andere genauso überzeugt die Impfungen ab. Diese haben keine Zukunft in unserer Praxis, zu schief ist das Vertrauensverhältnis. Aber alle anderen „dazwischen“ lassen sich überzeugen. Da gebe ich auch so schnell nicht auf. Und ich bin altersweiser geworden.

Erziehungsberatung

Ich bin kein Pädagoge. Trotzdem werden Kinder- und Jugendärzte prozentual sicher mehr zum Verhalten der Kinder befragt als alle anderen mit Kindern betroffenen Berufsgruppen. Wir sind erste Anlaufstelle, wir sehen die Kinder in ihrer Entwicklung, wir haben mir ihnen regelmäßige Vorsorgetermine. Und schon sind wir mitten in der Erziehungsberatung.

Aber – und hier kommt die Änderung – wenn ich „früher“ etwas zu Eltern gesagt habe, weil sich Kleinheinzi oder Schnuckelmariechen auffällig verhielt in der Praxis, so mache ich das „heute“ nur noch auf Anfrage. Denn: Familien sind ein hochkomplexes Verhaltenssystem, Kinder sind in der Praxis anders als zuhause oder auf dem Spielplatz. Wenn Eltern mit ihren Kindern Probleme haben, dann habe ich ein Ohr für sie, aber ich werde mich hüten, sie ohne Nachfrage zu kritisieren.

Nur eins habe ich gelernt: Kinder sind nicht „so“ oder „so“, sondern sie sind „so“, weil wir sie gerne „anders“ hätten. Das Verhalten von Kindern ist vor allem geprägt davon, wie wir als Eltern oder ErzieherInnen auf sie reagieren. Deshalb sollte jegliche Therapie, die das Verhalten eines Kindes beeinflussen soll, zunächst an die Eltern gerichtet sein. Ein Kind – wenn es denn sein muß – wird sich nur ändern, wenn sich das Verhalten der Erwachsenen um es ändert. Viele Therapien im Kindesalter könnten wir uns sparen, wenn unsere Gesellschaft endlich „das Kind da abholt, wo es steht“ und es nicht da hinschubst, wo es stehen soll.


Das waren ein paar Dinge, die ich heute anders mache als noch vor Jahren. Für alle „langjährigen“ Eltern oder die mit vielen Kindern: Kennt Ihr diese Veränderungen, was macht Ihr heute anders? Habt Ihr beim Kinderarzt andere Empfehlungen über die Jahre bekommen? Und KollegInnen, so Ihr hier mitlest: Was macht Ihr heute anders?

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24 Gedanken zu “Was ich heute anders mache

  1. So ein schöner, lehrreicher Artikel!
    Gerade das Inhalieren finde ich einen sehr spannenden Unterpunkt.

    Ich arbeite als Anästhesistin in einem großen Klinikum. Prima vista hat das wenig mit niedergelassenen Pädiatern zu tun… Was ich jedoch häufig sehe (und zwar viel häufiger als ich es mir jemals hätte vorstellen können), sind schwer verbrühte Kinder. Jedes davon ist eins zuviel.
    Ein nicht unwesentlicher Anteil dieser kleinen Patienten hat ihre Verletzungen durch Unfälle beim Inhalieren. Vor nicht allzu langer Zeit hat sich ein süßes Mädchen beide Beine > 2° verbrüht, nachdem der Topf mit heißem Kochsalzwasser verrutscht ist. Sie wurde x-mal operativ revidiert. Wenn ich jetzt lese, dass inhalieren nicht das Nonplusultra ist (hätte ich bis vor Kurzem noch gedacht), lässt mich das zusammenzucken.

    Ich lasse an dieser Stelle noch mal den sehr guten Flyer von Paulinchen e.V. da: https://www.paulinchen.de/fileadmin/Paulinchen/2018/2018_Flyer/2017_AktionPaulinchen_AnsichtsPDF.pdf (gibt es auch in mehreren Sprachen)

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    1. Hallo, danke für den tollen Flyer.
      Mit „Inhalieren“ meinen KinderärztInnen die Gabe eines bronchienerweiternden Medikaments (zb Salbutamol) plus ggf. einem inhalativem Kortison im Rahmen einer obstruktiven (spastisch verengenden) Bronchitis. NIEMALS meinen KinderärztInnen damit, dass ein Kind vor eine Schüssel kochendheissen Wassers gesetzt wird. Eltern schätzen häufig die Raumbefeuchtung 😉 mittels Feuchtvernebler (zB Pariboy); das Kochsalz spaltet den Schleim, ergo mehr Schleim ergo mehr Husten….Kind wird jedenfalls weder schneller gesund noch hat subjektiv weniger Beschwerden beim Husten durch Inhalation mit Kochsalz-Wasser.

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    2. …ich frage mich ja auch, wie man ein Kind dazu bringen sollte, stillzusitzen und zu inhalieren. Das finde ich als Erwachsene immer noch unangenehm.

      Husten wird aus meiner Erfahrung am besten mit Zuwendung gestillt. Allenfalls noch mit Umckaloabo-Tropfen (von denen ich eigentlich selber weiss, dass die Wirkung umstritten ist – aber sie helfen irgendwie sogar mir. Wird Kopfsache sein😉) und beim älteren Kind Brust einreiben mit einer mentholhaltigen Salbe. Das hat mir als Kind schon am besten getan, wenn Mama sich so lieb gekümmert hat und das ist bei meinem Sohn nicht anders. So beruhigt er sich meist recht schell und das beschert uns recht verlässlich relativ ruhige Nächte, in denen man Kind nur drei, vier Mal wegen Husten trösten und beim Wiedereinschlafen helfen muss. Ist in der Situation zwar immer doof und ich fluche JEDES Mal darüber, aber nach drei Tagen ist das Schlimmste meist von selber vorbei.

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  2. Da fällt mir die Beurteilung von Vorhautverengungen noch ein. Früher im Kleinkindalter schon Behandlungswürdig.
    Heute weiß man das wenn keine Beschwerden vorliegen bis zur Pubertät warten kann und das man sie oft auch ohne Beschneidung beheben kann.

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  3. Von der Oma kam immer der Kommentar: „Kann der [gemeint ist unser Kinderarzt] nicht mal einen Hustensaft verschreiben?“
    Und die andere Oma hat uns das Inhalationsgerät in grün vererbt.
    So ändern sich die Zeiten 😉

    Aber den Vortex kennen wir auch …

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  4. Apropos Windpockenimpfung: Ich kenne fünf Mütter mit Kindern zwischen 2 und 7 Jahren. Keins der Kinder ist gegen Windpocken geimpft. Keine der Mütter wurde vom Kinderarzt auf die Windpockenimpfung angesprochen.

    Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Covid19 bei Kindern und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen. Impfst du demzufolge ein gesundes Kind auch nicht dagegen?

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      1. Ich suche gerade verzweifelt einen KiA der Off-Label gegen Corona impft. Mein Sohn ist 8 und hatte schon 10 Pneumonien und soll bald wieder ungeschützt zur Schule gehen. Haben Sie einen Rat?

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        1. Leider nein. Sie werden vermutlich auch niemanden finden. Eine so neue Impfung außerhalb der Zulassung zu impfen, ist schon sehr mutig.
          Also bleibt nur Maskenschutz, geimpfte Lehrer und Eltern, Kontaktreduzierung außerhalb der Schule, Behandlung einer möglichen Grundkrankheit (10x Pneumonie ist natürlich viel und eine Ursache gehört abgeklärt).

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  5. Interessant. Uns wurde empfohlen, das immundefiziente Kind (2 Jahre) täglich mit Kochsalzlösung inhalieren zu lassen, das würde die Schleimhäute befeuchten und dadurch die Abwehrkräfte stärken. Empfehlung stammt aus der Gastro-Abteilung der hiesigen Kinderklinik. Bei aktuen Atemwegsinfekten soll der Salzgehalt erhöht werden. Mir erschien das insofern einleuchtend, als dass ja auch (salzreiche) Seeluft bei Atemwegserkrankungen hilfreich sein soll. Abgesehen davon sei eine „Inhalationsgewöhnung“ sinnvoll, falls mal ein Medikament inhaliert werden müsse (wir mussten wegen fehlender Gewöhnung schonmal auf orale Gabe ausweichen, die aber wohl weniger wirksam sei). Alles Nonsens oder in speziellen Fällen doch sinnvoll?

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    1. Einzelfall Beratung online von Unbekannten an Unbekannte ist immer wenig sinnvoll. Da weiß der/die betreuende KinderärztIn besser Bescheid.
      Im ersten Fall: ein achtjähriges Kind mit zehn Lungenentzündungen gehört nicht off Label entgegen der Zulassung geimpft, sondern einer sinnvollen Diagnostik zugeführt. Dies würde ich vor Ort besprechen.
      Zum zweiten: ein immundeffizientes Kind kann durchaus von einer täglichen Inhalation mit Kochsalz- Lösung profitieren, da dies die sogenannte mukoziliäre Clearance fördert (sozusagen das Schleimhaut-Profil der Bronchien optimiert) Dadurch dass (wie oben erwähnt) Schleim gespalten wird und dann rausgehustet wird. Bei normalen Atemwegsinfekten bei sonst gesunden Kids kann man das machen, kann das aber auch lassen, ich würde das davon abhängig machen, wie das jeweilige Kind zu der Sache steht🤨. Was quält mehr: der Husten oder die Inhalation….. manche husten dann besser ab…. Gesund werden sie mit oder ohne Befeuchtung.
      Das Akzeptieren der Inhalation bei einem Kind, dass Ggf aber im Krankheitsfall dann mehr und mit 3% (statt 0,9%)Inhalieren soll, ist wertvoll. Aber das ist ja ein Spezialfall….

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      1. Natürlich wurde bereits nach Ursachen für die vielen pneumonien gesucht, alle gängigen Untersuchungen wurden gemacht, ohne Ergebnis. Auch eine Deformation wurde ausgeschlossen, da beide Lungenseiten im Wechsel betroffen waren. Und gerade DESWEGEN gehört mein Kind gegen Corona geimpft! Für 12 jährige gibt es due Zulassung, für 8jährige nicht. Der Altersunterschied ist für mich marginal! Ich würde jedes Impfrisiko als Mutter tragen, auch mit Unterschrift, so dass der Kinderarzt von der Haftung entbunden wäre!!! Denn darum geht es doch! Leider geht das nicht. Und so trägt mein Kind das Risiko, das Restrisiko mit Madke etc. …. oder ich sperre ihn für die nächsten Monate ein.

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        1. Ich verstehe Dich gut – auch wir warten sehnsüchtig auf die Zulassung für jüngere Kinder. Bei uns ist die Situation einfacher, das Risiko-Kind ist im Kindergartenalter und bleibt bis dahin zu Hause – dank ungeimpfter Erzieherinnen und nicht existenter Teststrategie im Kindergarten. In der Schule ist das natürlich viel problematischer. Insofern – mein Mitgefühl für euch. Als Eltern ist es schwer zu ertragen, sein Kind bewusst diesem Infektionsrisiko auszusetzen, auch wenn natürlich unabhängig von Covid immer ein Risiko da ist. Aber mit Blick auf die Impfung, die helfen könnte, aber nicht zugelassen ist, fällt das definitiv schwer. Noch dazu, wenn ein Schutz durch ein vollständig geimpftes oder wenigstens konsequent maskiertes/getestetes/etc. Umfeld wegfällt, weil zu viele Leute mit schlechten Begründungen nicht mitmachen.
          Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich, dass Zulassungsprozesse komplex sind und am Ende der Sicherheit der Impflinge dienen – und es geht ja bereits außergewöhnlich schnell. Ebenso, dass kein
          e (oder kaum eine) Ärztin gegen die Zulassung impfen wird – das ist zu großes persönliches Risiko und die Verantwortung kann man eigentlich auch dem/der Patientin gegenüber kaum tragen. Also hoffen wir gemeinsam auf die Zulassung, die ja vielleicht schon im September beantragt und dann hoffentlich schnell gewährt werden kann. Dann sind all die Risikokinder dran (jedenfalls hier, andere Erdteile werden bei Weitem nicht so bald dort ankommen) und wir Eltern haben endlich eine Sorge weniger!
          Allerdings frage ich mich auch, ob so viele Pneumonien tatsächlich Zufall bzw. ohne konkrete Ursache sind. Ihr wisst am besten, was bereits gemacht und untersucht wurde, wo ihr schon überall wart. Aber aus der eigenen Erfahrung heraus: Falls ihr bisher „nur“ in der nächsten Kinderklinik wart: Fordert die gesamte Patientenakte an, sucht euch ein spezialisiertes Zentrum, schickt euren Fall in die Fachwelt hinaus, stellt das Kind in einem ZSE vor, wenn alles nichts hilft. Nicht immer ergreifen die behandelnden Ärzt
          innen von allein die Initiative, andere (ggf. auch interdisziplinär) hinzuzuziehen. Aber manchmal braucht es viele Leute, bis jemand die richtige Untersuchung vorschlägt, die richtige Diagnose vorschlägt und am Ende vielleicht endlich eine wirksame Therapie ansetzt. Das ist meine Erfahrung und ich bin froh, damals viel in Bewegung versetzt zu haben, auch gegen den behandelnden Arzt. Viel Erfolg und alles Gute für euch!

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      1. Danke! Es bleibt also im Wesentlichen der Gewöhnungseffekt. Habe ich das richtig verstanden, dass man bei keinem Medikament zwingend den Vernebler braucht, sondern alles trocken inhaliert werden kann? Und kann man sagen, was für die Kinder angenehmer ist (Vernebler oder trocken) ?
        Wir werden das tägliche Inhalieren wohl beibehalten, denn das Kind macht klaglos mit und eine Evidenz, die explizit dagegen spricht scheint es ja auch nicht zu geben.

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  6. Drei Kinder, ein Jahrzehnt.

    Bei Husten gab es hier noch nie Hustensaft, unser Kinderarzt ist wie Du und empfiehlt höchstens Honig. Allerdings habe ich irgendwann angefangen, gegen die heftigen nächtlichen Reizhustenattacken, die Kind 2 und 3 bei manchen Erkältungen entwickeln, Zwiebelwickel zu machen oder Zwiebeln in einem Nylonbeutel am Bett aufzuhängen. Es mag Zufall oder Placeboeffekt sein, aber wir haben den Eindruck, es hilft.

    Das kleinste Kind ist gegen Rota geimpft, die Großen nicht – da wechselte mein Kinderarzt zwischen Kind 2 und Kind 3 von „kann man machen“ zu „würde ich an Ihrer Stelle auf jeden Fall machen“ und die Stiko auch.

    Das erste Kind aß Brei, danach gabs nur noch Baby Led Weaning, denn die beiden Kleinen haben Brei von Beginn an abgelehnt.

    Zeckenköpfe lasse ich, anders als früher, entspannt drin. Bei Antibiotikaverordnungen im Notdienst frage ich inzwischen kritisch nach (der Große hat mindestens eines erhalten, das überflüssig war, und unser Kinderarzt setzt AB tendenziell immer weniger ein, was ich gut finde). Bei der Zahnpflege erprobte ich mit dem dritten Kind die dritte Empfehlung und wünschte mir mehr Evidenz.

    Und die Pädagogik? Was sich da vor allem verändert hat, ist meine Haltung. Beim ersten Kind habe ich viele Dinge als Probleme wahrgenommen. Inzwischen warte ich erstmal ab und höre zu. Die meisten Themen (ob nun Schlaf oder Wut oder Sonstiges) sind nur Phasen und vergehen von selbst wieder. Manche nicht, und die lohnt es zu erkennen. Die Erwartung der ersten Zeit, normale Kinder funktionierten so wie man es sich vorstellt, habe ich nicht mehr. „Normal“ ist ein weites Feld.

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  7. Ich finde schon, dass Inhalieren (Vernebler) funktioniert. Meine Kinder husten davon nicht weniger, aber „leichter“, nicht mehr bis zum Erbrechen und die Rotze läuft aus der Nase statt drin zu bleiben. Was fürs Stillen sehr von Vorteil ist. Die Kochsalzlösung direkt in die Nase bringt nicht so viel. Salbutamol gabs bis jetzt nur bei rsv und Bronchitis, vorzugsweise im Vernebler.
    Hustensaft gibts von unserem Kinderarzt eher nicht. vor 2 Jahren gabs mal Hustenstiller, weil der Sohn überhaupt nicht geschlafen hat und nur am Husten war. Und das hilft zumindest in soweit, dass er 10h nicht husten musste und gut schlief. Ausnahmsweise halt, nicht dauerhaft. Ansonsten gibts als Tipp: „Tee mit Honig“ (ü1) viel Trinken, raus an die frische Luft, Schlafzimmerfenster auf.

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